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Do widzenia, Polska! - Auf Wiedersehen, Polen! (3. Teil)

von Martin Schurz

Die Rückreise und einige allgemeine Bemerkungen

Mit dem Stadtbus ging es zum Bahnhof Gdansk Głowny, Danzig Hauptbahnhof. Ich bestieg den pünktlich einfahrenden ICE vom Typ Pendolino, Made in Italy - also mit Neigetechnik. Die PKP Polnische Staatsbahn hat ja nicht gerade den besten Ruf, belehrte mich jedoch diesmal eines Besseren. Der Zug war pik sauber und schnurrte nur so dahin. Selbst eine kleine Mahlzeit und Getränke gab es gratis.

Nach etwas über 3 Stunden erreichte ich Warszawa Zentralni den Warschauer Zentralbahnhof.

Für ca. 350 km entrichtete ich einen Fahrpreis von nur 160 Złoty (entspricht etwa 40 €). Beim ersten Tanken oder Einkaufen sowie im Gastronomiebereich bemerkt man natürlich sofort, dass hier ein deutlich niedrigeres Preisgefüge vorhanden ist. Natürlich ist das allgemeine Lohnniveau ebenfalls noch deutlich niedriger als in Deutschland.

Nach kurzem Fußweg erreichte ich den PTTK Hafen und die Weichsel, begrüßte freudig Lukasz, den Bosmanund meinen Oktavia, welcher sich wie selbstverständlich von mir starten ließ. Nach Entrichtung der recht hohen Parkgebühr fuhr ich entspannt wieder zurück nach Danzig, wo ich gegen 23:00 das Hafen Tor öffnen konnte.

Am nächsten Tag war natürlich noch eine ausführliche Stadtbesichtigung angezeigt. Das Geburtshaus von Günter  Grass undder Militärstützpunkt Westerplatte standen auf dem Programm. Den Rest des Tages verbrachte ich mit ausgiebigen Erkundungen der einfach wunderschönen Alt- und Rechtsstadt Danzig. 


Nach einem schönen, aber auch anstrengenden Tag kam ich wieder in meinem Hafen an, und wurde von dutzenden, im Hafenbecken schwimmenden Schwänen empfangen. Ich holte etwas Brot aus dem Zelt und veranstaltete noch eine kleine Fütterung.

Kulinarisch betrachtet dürfen einige spezielle Gerichte der polnischen Küche bei jedem Aufenthalt natürlich nicht fehlen. Dazu gehören Bigos, Piroggen, Borscht und diverse Fischgerichte. Nicht zu vergessen Placki Kartoffelpuffer und Nalesniki Eierkuchen. Zum ersten mal im Leben habe ich diesmal Flaki Flecke gegessen, also Innereien wie Pansen und ähnliches. Es schmeckte mir sehr gut.

Am nächsten Morgen waren Boot und Zelt schnell im Auto verstaut. Nun noch schnell zum Herrn Hafen-Direktor, um die Rechnung zu bezahlen. Aber der bewies eben auch die große Geste von polnischer Gastfreundschaft. Ich brauchte nichts zahlen. Er sagte: "Komme bald mal wieder und empfehle uns weiter", was ich hiermit natürlich gerne mache. Wir verabschiedeten uns herzlich voneinander mit der Gewissheit wieder mal gute Freunde gefunden zu haben.

Als Resümee dieser Fahrt kann ich allen Kanuten empfehlen: Überwindet eure vielleicht vorhandenen Vorurteile gegen unser Nachbarland und wagt eine wunderschöne Wanderfahrt auf einem der letzten europäischen Flüsse dieser Größe; weitgehend naturbelassen, ohne Binnenschifffahrt und vielleicht eine der letzten Traumrefugien in Mitteleuropa. Die Weichsel ist ein Fluss den man in seinem Leben als Wasserwanderer einmal gepaddelt haben sollte.

In diesem Sinne - Do widzenia, Polska, Auf Wiedersehen, Polen.

 

PS: Sicher habt ihr die teilweisen kursiv geschriebenen Textstellen bemerkt. Das soll ein kleiner Versuch zur Annäherung an die Sprache des Gastlandes sein. Danke auch an meinen Oktavia, nach insgesamt 250.000 km Fahrleistung wurde er nach glücklicher Ankunft in Weimar verschrottet.


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