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Servus sagen und wiederkehren...

von Klaus Leander Fischer.

Hast Du das auch schon erlebt? Du bist schon lang nicht mehr an einem Dir vertrauten Ort mit vertrauten Menschen gewesen und kehrst wieder? (Ich meine damit nicht Rück- oder Heimkehr, das ist etwas anderes.)

Bezogen auf die Eingangsfrage kennt jeder dieses Gefühl leichter Verunsicherung. Diese leichte Verunsicherung basiert auf der Unklarheit darüber, wie wohl diejenigen reagieren, auf die man an diesem Ort wieder trifft. Hierfür ist eine Schwelle zu überwinden. Werden Sie Dir bereitwillig wieder Deinen alten Platz im ehemals „gemeinsamen Revier“ überlassen? Oder musst Du einen Preis dafür zahlen, Dir Sprüche gefallen lassen, mit beispielsweise Bemerkungen wie: „Ach, auch mal wieder da?“ oder „Was willst Du denn hier, haha?“, „Wer bist Du denn?“, „Hast Du Dich verlaufen?“, „Ja, immer wenn es etwas zu trinken gibt, kommst Du!“ „Ja ja, rau, aber herzlich, haha!“ 

An dieser Stelle will ich aufhören, kommunikationspsychologisch zu theoretisieren, sondern eine selbst ganz anders und konkret erlebte Situationen beschreiben. Als langjähriges Vereinsmitglied mit Wohnort Halle nehme ich leider nur sehr punktuell am Vereinsleben teil, habe aber deswegen auch immer noch den Blick von außen darauf. Wiederkehrend treffe ich auf ein sehr erfreuliches Phänomen, welches ich sogar als ein besonderes Alleinstellungsmerkmal des Vereins beschreiben möchte: 

Es gibt im Verein nach wie vor eine außerordentlich wertschätzende Willkommes- und Begrüßungskultur! 

Ich spekuliere: Daran haben offenbar auch die gesellschaftlichen Änderungsprozesse seit der Wende nichts geändert. Oft noch mit Handschlag, begegnen sich die Menschen im Verein auf sehr verbindliche Weise. In der Begrüßung wird für Vereinskameraden wie mich, die lange nicht vor Ort waren, dazu immer noch zusätzich ein individuelles „Willkommen“ formuliert. Diese Stärke zur gegenseitigen Wertschätzung, ebenso oft im weiteren Umgang miteinander, erlebe ich erfreulicherweise nicht nur bei den älteren, sondern auch bei den jüngeren Vereinsmitgliedern. Hier waren „die Alten“ offenbar als wirksames Vorbild daran beteiligt, den Umgangston im Verein positiv zu prägen, denn der Umgangston da draußen, in Schule, Studium und Beruf ist rauer geworden. 

In der Vereinsoase, gerade Mittwochs, kommt auch das gemeinsame Lachen nicht zu kurz, und wenn ein Witz besonders gut ist, wird der in einer Variation eine Woche später auch gern ein zweites Mal erzählt.  

Der Hallenser wünscht sich jetzt nur noch ein „Weiterso“ und freut sich schon auf seine Wiederkehr.

Klaus Fischer 

Zitat: "Sie sind immer da, wenn Du sie brauchst – und wenn Du sie nicht brauchst: Freunde."


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Kommentare: 1
  • #1

    Reinhard Liebmann (Sonntag, 22 April 2018 22:42)

    Hallo lieber Klaus, unsere zufällige Begegnung in der Oper in Halle (hier wurde davon berichtet), machte aus diesem von dir beschriebenen Gefühl heraus, eine angenehme. Sportfreunde sagen kurz "Hallo per Schultertip - Telefon" über einige Reihen hinweg. Die grandiose Vorstellung brachte uns gedanklich im Austausch ja auch nochmal etwas näher.
    Das von dir besonders erwähnte Phänomen ist mir ebenso angenehm aufgefallen und gibt es mal "eine spitze Zunge", so sollte oder darf unter echten Sportfreunden auch mal herzhaft gelacht werden können.
    Nach mehr als drei Jahrzehnten der Abwesenheit vom KCA bin ich auch angenehm berührt vom Vertrauen zu einem "alten Hasen", denn zum Anpaddeln waren 3 Canadier-Neulinge im C4.
    Sich auf ein herzliches Wiedersehen freuend mit sportlichem Gruß
    Reinhard Liebmann
    P.S. - nichts ist so gut, daß es nicht noch besser werden könnte!