Des Vereins Rednerpult "Speakers Corner"

Was ist Speakers Corner?
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Neu: Kommentar zum Beitrag "Eine Einladung nach Weimar"

Eine Einladung nach Weimar

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von Martin Schurz

Liebe Sportfreunde in Aken!

ich möchte mal kurz vom Weimarer Stadtlauf berichten. 

Dieser 11 km lange Lauf findet in jedem Jahr am zweiten Oktober-Samstag zum Weimarer Zwiebelmarkt statt. In diesem Jahr zum 30. Mal. Der traditionelle Zwiebelmarkt sogar schon zum 368. Mal. 

Die Stadt Weimar begrüßt an den drei tollen Tagen im Durchschnitt 350.000 Besucher. Der Stadtlauf zählt zu den Höhepunkten des größten Thüringer Volksfestes. Start und Ziel ist immer am Goetheplatz und nach einigen hundert Metern geht es in den großen Goethepark. Bei dem Prachtwetter in diesem, aber auch in den ganzen letzten Jahren, ist es natürlich für die meisten Läufer, aber auch für die Zuschauer ein Vergnügen. 

Bei dem Lauf wurden schon Zeiten von 38 Minuten (ein äthiopischer Läufer) erreicht. Die letzten der 1.200 Teilnehmer waren nach ca. 1:38 h am Ziel angekommen. Gestartet wird mit allen Läuferinnen und Läufern zur gleichen Zeit. Davor oder danach wird auf einer kürzeren Strecke ein Bambini Lauf durchgeführt.

Nach dem Lauf gibt's Getränke und Thuringer Rostbratwurst und das Lauftrikot sowie die Siegerehrungen. Die jüngsten Läuferinnen und Läufer waren sechzehn und die ältesten ein ganzes Stück über achtzig Jahre alt.

 

Da es ja unter den Akener Kanuten auch einige Läufer gibt (siehe Sylvesterlauf), lade ich herzlich ein zum 31. Stadtlauf im kommenden Jahr. Vielleicht könnt ihr ihn in der Jahresplanung schon mit eintakten. Natürlich sind in Weimar an diesem Wochenende alle Hotels und Pensionen ausgebucht. Aber es gibt ja auch ein grosses Bootshaus des DKV. Da ich Mitglied des Kanu- und Gymnastikclubs KGC 66 Weimar bin, wäre eine Übernachtung mit Schlafsack und Isomatte möglich.

Es wäre natürlich auch möglich, auf unserer Slalomstrecke zu paddeln. Wir haben auch einen Beachvolleyballplatz. Und einen Kontaktmann und Betreuer habt ihr dann auch vor Ort. Anbei noch ein paar Eindrücke vom Stadtlauf und vom Kanuclub.

Würde mich sehr freuen, in einem Jahr hier einige Interessenten, egal ob Läufer/innen oder auch Zwiebelmarkt-Interessenten, begrüßen zu dürfen. 

*Euer Lokalsportreporter: Martin Schurz*



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Junge Kanuten im Wald zu Gast

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von Lucas Stoll 

Wir sind am 26. Oktober mit dem Kanuverein in den Oranienbaumwald gefahren und haben dort eine Waldwanderung unternommen, dabei wurden wir von unserem Vereins Förster Herr Pohl begleitet. 

Wir sollten uns einen ersten Einblick über den Wald verschaffen. Uns ist auf den ersten Blick aufgefallen, dass die Bäume ziemlich kaputt aussehen. Wir haben darüber gesprochen warum der Wald so aussah. Die Borkenkäfer und die Trockenheit der letzten Jahre hatten dem Wald ziemlich zu schaffen gemacht.

 

Dann sind wir weiter durch den Wald gelaufen und haben uns über die Entfernung der toten Bäume unterhalten. Während einer kleinen Essenspause hat uns Herr Pohl erklärt wie man die neu gepflanzten Bäume vor den Waldbewohnern schützen kann. Im Wald wurden auch schon Wölfe gesichtet.

 

Nach der kleinen Stärkung haben wir mit angepackt. Wir haben von den neu gepflanzten Bäumen die Schutzvorrichtung entfernt, damit die Bäume besser in die Höhe sowie in die Breite wachsen können.

 

Nach getaner Arbeit sind wir zurück zu den Fahrzeugen gelaufen und haben abschließend eine Zusammenfassung des Tages gemacht. Am Kanuclub angekommen haben wir den Tag mit Brötchen und Würstchen abklingen lassen. Es war ein sehr interessanter und informativer Tag gewesen.

*Fotos: Marko Helmer*



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Erlebnisabend am 29.10.2021

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von Jens Trebes

Die Ausgestaltung unseres Erlebnisabends am 29.10.2021 hatte ihren Ursprung in den kreativen Gesprächen eines Mittwoch-Stammtischs. Dabei trafen verschiedene Ideen aufeinander, die allesamt das Ziel eines netten gemeinsamen Vereinsabends verfolgten.

Äußerst dynamisch formten sich aus diesen losen Gedanken drei kleine Höhepunkte, die am vergangenen Freitag den Abend bestimmen sollten.

Die schier unglaubliche Anzahl von über 40 Mitgliedern nahm das Angebot gern an und fand sich um 17 Uhr vor dem Rathaus ein, um eine kurzweilige Stadtführung durch das Zentrum zu erleben. Sehr gefreut haben wir uns bei dieser Gelegenheit u.a. über ein Wiedersehen mit Christa und Uwe.

In passendem Outfit und mit der notwendigen Ortskenntnis ausgestattet führte uns Mirko Bauer vorbei an Springbrunnen und kleinen Schifferhäusern zur Marienkirche. Hier punktete unser Führer mit dem passenden Schlüssel, um uns einen Blick in das Gebäude selbst zu ermöglichen. Vor allem aber fand der Turm mit seinen altehrwürdigen Glocken ein riesiges Interesse unter den zahlreichen Höhentauglichen. Ein toller Ausblick durch die oberen Turmfenster entschädigte uns für den vorherigen steilen Aufstieg.

Der weitere Weg führte uns zur von Emilie Winkelmann gestalteten Fassade der Sekundarschule, deren Wohnhaus in der Elbstraße, zum Elektrizitätswerk und dem „Anker“ (wie u.a. ich als Zugezogener lernte, ist dieser die Plattform eines ehemaligen Krans).

 

Aufgrund der mittlerweile einsetzenden Dunkelheit lenkten wir unsere Schritte nun zum Bootshaus, wo wir uns nach dem Fußmarsch und sehr vielen Informationen auf ein leckeres Essen und ein kühles Blondes freuten. Und wir wurden nicht enttäuscht! Die von Thomas herbeigeholten Schweinekeulen in beeindruckender Größe signalisierten schnell, dass hier jeder satt werden würde. So genossen wir entspannt das leckere Essen und stimmten uns mit reichlich „Carlsberg“ auf den dritten Teil des Abends ein. Für diesen hatten wir uns im Vorfeld die „Olsenbande“ eingeladen, die wohl jeder aus seiner Jugend oder wenigstens seinem Mittelalter kennt. Unsere Experten im Verein hatten sich für die Jütland-Folge entschieden, die uns Sebastian mittels Beamer auf die Leinwand projizierte. Es bereitete viel Freude, mal wieder die drei Unglücksraben gemeinsam mit Yvonne und Börge in den Schlamassel schlittern zu sehen. Für viel Aufheiterung sorgte eine kurze Unterbrechung, in der uns drei Mitglieder (Achim, Thomas, Martin) in verblüffend authentischer Garderobe als Egon, Benny und Kjeld überraschten. Zumindest auf den ersten Blick hielten sie der Konkurrenz auf der Leinwand optisch stand und wirkten „mächtig gewaltig“.

 

Ich gehe davon aus, dass dieser Abend allen Anwesenden viel Freude bereitet hat und dringend nach einer Wiederholung in ähnlicher Form verlangt. Hierfür sind die möglichst einfach umsetzbaren Vorschläge von Euch Mitgliedern gefragt.

Ein herzlicher Dank für die Vorbereitung und Durchführung geht an Sebastian (Bereitstellung der Technik), Thomas (Keulen-Taxi), Günther (Kaminbeauftragter), Mirko Bauer (Stadtführer)!



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Kanuten gut zu Fuß

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von Mathias Döbbert

Der Marktplatz schien von Kanuten überflutet, als sich an diesem Freitagabend die Vereinsmitglieder zum Stadtrundgang vor dem Rathaus versammelten; mehr als bei jeder Vereinsfahrt, ob An-, Ab- oder Eispaddeln. Unter den Wissbegierigen befanden sich nicht nur Zugezogene und Gäste der Stadt, sondern auch reichlich Ureinwohner, die gespannt waren auf  bislang verborgene Details ihrer Stadtgeschichte.

Die Bedeutung der Brunnenskulpturen war zwar den meisten Zuhörern bekannt, doch Herr Bauer, seines Zeichens Leiter des Heimatmuseums und in Schiffermütze und Seemannskluft unübersehbar, konnte doch immer wieder einige erstaunliche Fakten an den Mann bzw. die Frau bringen.

Wir bestaunten die erneuerten, bunten Bleiglasfenster der Marienkirche. Wer schwindelfrei war, konnte sogar den Glockenturm erklimmen und die älteste Glocke Akens begutachten. Nach der Kletterei führte der Rundgang die Fischerstraße entlang, wo sich schmucke, kleine Schifferhäuser aneinander reihen. Das Burgtor und das daneben liegende Renaissancesschloß am Bismarkplatz, die heutige Sekundarschule, standen ebenso auf dem Programm wie das geschichtsträchtige "Electricitätswerk" und das ehrwürdige Eingangstor zur ehemaligen Graupenmühle. 

Danach flanierten wir vorbei an der gut erhaltenen, alten Stadtmauer und erfuhren vom Abtragen des vierten Tores der Stadt, des Elbtores. Es mußte dem Boom des Warentransportes geopfert werden, als Aken zu seiner  Blütezeit durch die Flußschiffahrt zur Drehscheibe des industriellen Handels in der Region geworden war.

Mit einem Blick auf den Hafen vom "Ankerplatz" aus, einem ehemaligen Kransockel, endete der einstündige Rundgang, der selbst den Ur-Akenern noch manches A-ha-Erlebnis verschaffen konnte.

 

Als Dankeschön für die interessante Wanderung wurde unser Stadtführer kurzerhand zum Abendbrot ins Bootshaus entführt. Hier konnten sich die Wanderfreudigen und die Fußlahmen bei Schweinekeule mit Sauerkraut stärken und entspannen. Für Kinofans schloss sich nach dem Schmaus noch ein privates Film-highlight an und die Helden des Streifens -Egon, Benny und Kjeld alias Martin, Thomas und Achim- wohnten sogar live der Vorführung bei.

 

Der vergangene Feitag(Erlebnis)abend war eine schöne Ergänzung im Paddelkalender und eine gelungene Veranstaltung, an die wir uns gern erinnern werden dank der fleißigen Organisatoren. 

Man mag uns Kanuten ob unseres sitzenden Sportes belächeln. Doch wie sich gezeigt hat, sind wir auch gut zu Fuß!

*Stadtfotografinnen: Kirsten Worms und Karin Lehr*



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Abpaddeln - Ein Deja-vu!

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von Mathias Döbbert

Das Abpaddeln im Oktober ist eine so konstante Aktion in unserem Vereinsleben, dass die diesjährige Ausfahrt auch einem deja-vu hätte entsprungen sein können. Traumhaftes, sonniges Herbstwetter, eine nicht zu anstrengende, kurze Paddelstrecke und die Aussicht auf ein geselliges, gemeinsames Mittagessen in Steckby waren die Triebkräfte, welche wieder einmal eine bunt gemischte Schar von gut gelaunten Sportfreunden am Sonntagmorgen zum Bootshaus eilen ließen.

Die Bootsaufteilung war schnell geregelt. Einer- und Zweier-Kajaks standen ausreichend zur Verfügung. Marko brachte seine Kamera in Stellung. Besatzung für Besatzung überließ sich gelassen dem Zug der Strömung.

Die vier Kilometer bis Steckby waren im Handumdrehen absolviert. Der Ausstieg in der Buhne erfolgte problemlos dank helfend zugreifender Hände. Selbst ein kleiner Ankunftsstau brachte niemanden aus der Ruhe.

Obwohl die Oktobersonne ungehemmt Ausflügler, Wasser und Wiesen bescheinen konnte, schaffte sie es nicht, bis Mittag den Tau von den Grashalmen zu lecken. 

 

Das obligatorische Gruppenfoto zeigt fröhliche Grinsegesichter. Im Gänsemarsch ging es nun Richtung Dorf. Im Gasthaus "Zum Biber" waren wir zwar angemeldet, doch unser zeitiges Erscheinen hatte die Wirtin leicht  überrascht, doch nicht aus dem Konzept gebracht. Die vorbestellten Eisbeine und Schnitzel waren bereits fertig gekocht bzw. gebraten und wurden alsbald aufgetragen. Verwechslungen ausgeschlossen; denn Philipp hatte alle Wünsche Schwarz auf Weiss notiert. Die Speisen konnten die angeregten Gespräche zwischen Tischnachbarn nicht unterbrechen, zu groß die Freude über die Möglichkeit zur Plauderei; Kommunikation statt Isolation, Miteinander statt Lockdown.

Wir genossen das Bier, das Radler und den Tee und prosteten dem Geburtstagskind in unserer Runde, Chantale, zu. Was wäre der Besuch beim "Biber" ohne die Einnahmes eines "Bibergeil", des hausgemachten Kräuterlikörs aus der Region. Der Rachenputzer erwärmte Magen und Seele.

 

Durch das gute Essen mit reichlich "Kraftstoff" versorgt, stellte die Rückfahrt gar kein Problem dar. Gekonnt wurden die Buhnenköpfe umrundet und der Kehrstrom angezapft. Windstille und ein ausgelassenes Klärchen blieben uns bis zum Abschluß des Abpaddelns erhalten. Die Vereinsfahrt war ein vom Vorstand gut organisiertes und - wie auch in den Jahren zuvor - angenehmes Erlebnis; ein kleiner Schritt zurück in die Normalität.

*leider nur hinter der Linse: Marko Helmer*



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Spreewaldfahrt 2021

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von Alfred Müller 

Es war Anfang September und es musste wieder sein: Die Spreewaldtour der Senioren des Kanuclubs Aken.

Es darf jedoch nicht verschwiegen werden, dass die Senioren in diesem Jahr von zwei Jugendlichen, nämlich 

Kirsten und Jens, begleitet wurden. Insgesamt waren wieder zwölf Kanutinnen und Kanuten an der Fahrt

beteiligt.

Petra hatte schon frühzeitig im Hotel "Garni Raddusch"gebucht und alle wurden am Samstag bzw. am

Montag herzlich empfangen. Die genannten Jugendlichen paddelten bereits Samstags und Montags und dann

gemeinsam am Montag (16 km) und Dienstag (22 km) mit den Senioren. Insgesamt konnten weit über

400 km in das Fahrtenbuch des Vereins eigetragen werden.

In Sachen Kultur waren Christine, Peter aber auch Birgit und Karl-Heinz unterwegs (Alte Slawenburg Raddusch u.a.). Gepaddelt wurde auf der Hauptspree und auf verschiedenen Seitenarmen der Spree.

 

Verschiedene Anlegestellen punkteten u.a. mit Schmalzschnitten (Fettbemmen) und Spreewaldguken. 

Herrliches Sommerwetter hat die Paddeltouren begleitet. Ein kleiner Zwischenfall: ln einer Schleuse hat Hartmut sein Paddel ins Wasser fallen lassen und keiner weiss, warum. Für die ortskundige Führung war 

Günter verantwortlich und wir sagen "Danke". Mitgepaddelt haben noch Hubert, Günther und Alfred.

Die Abende verbrachten wir im Hotelrestaurant bei Lausitzer Spezialitäten (u.a. Quark, Pellkartoffeln und 

Leinöl aber auch Plinsen/Eierkuchen oder umgekehrt). Ein Paddelfreund vermisste das Eisbein auf der Karte. 

Getränke standen ausreichend zur Verfügung.

In Erinnerung bleiben wieder einmal die herrliche Landschaft, die Ruhe und die Entspannung. 

Wir freuen uns schon auf das nächste Jahr!

 

*Fotos: Jens Trebes*



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Trainingslager Jugendgruppe 06. - 08.08.2021 

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von Mary-Ann Schnuppe-Schröder & Jan Eyk Kleske 

Der 06.08.2021 war ein sonniger und idyllischer Freitag, an welchem sich unsere Trainer entschieden haben, mit uns ein spontanes Trainingslager durchzuführen. Also packte alle Kinder und Jugendlichen die Lust auf ein Abenteuer und sie verstauten ihre Zelte, ihren Schlafsack und ihre Sachen ins Auto. Anschließend wurden sie von Ihren Eltern zum Bootshaus gefahren. 

 

Voller Vorfreude bauten wir also alle unsere Zelte auf und waren gespannt was dieser Tag noch mit sich bringt. Gemeinsam spielten wir Karten und Volleyball und genossen dabei den restlichen schönen Freitag. Während wir Kinder unsere Zeit am Bootshaus genossen, grillten die Erwachsen, sodass wir bei schönem Sonnenuntergang und leckerem Essen den schönen Tag ausklingen lassen konnten.

 

Der zweite Tag begann für uns mit einem leckeren Frühstück und strahlendem Sonnenschein. Am Vormittag bereiteten wir die Boote für unseren Ausflug zum Gremminer See vor. Zur Stärkung gab es einen großen Teller Nudeln.

Als wir am See ankamen, waren alle erstaunt von dem glasklaren Wasser und von den großen Kohlebaggern der Ferropolis. Egal ob groß oder klein, alle waren von der Ferropolis überwältigt. Nachdem wir uns alle fertig gemacht und die Boote ins Wasser gelassen hatten, ging es auch schon los in Richtung Ferropolis. Es war eine super Aussicht und durch das klare Wasser konnte man an manchen Stellen sogar den Grund des Sees sehen. Wir drehten eine kleine Runde um den See (ca. 8 km). Als wir wieder an unserer Einstiegstelle angekommen waren und die Boote verladen hatten, gingen ein paar von uns ins Wasser für eine kleine Abkühlung.

 

Am Bootshaus angekommen, verbrachte wir den restlichen Abend mit Rösten von Marshmallows, Kartenspielen und beobachteten den schönen Regenbogen, der über die Elbe ragte. In einer gemütlichen Runde saßen wir alle zusammen und genossen den letzten Abend.

 

Am nächsten Morgen wurden wir mit frischen Brötchen und leckerer Marmelade geweckt. Wir bereiteten wieder die Boote vor und machten eine kleine Tour elbaufwärts bis zum Kilometer 271. Die Fahrt bergauf war sehr angenehm. Es war wundervolles Wetter und es wehte ein leichter Rückenwind.

Die Rücktour war im Gegensatz dazu nicht so angenehm. Wir hatten den Wind nun von vorne und durch den Wellengang wurden einige unserer Kanuten ganz schön nass. Wieder zurück am Bootshaus zogen wir uns trockene Sachen an und dann ging es an das Booteputzen.

Zum Mittag gab es Döner und Pizza. Nach dem Essen begannen wir allmählich mit dem Abbau der Zelte, spielten Volleyball und noch ein paar Runden Romme. Als der Tag sich dem Ende zuneigte, verabschiedeten wir uns alle und wir gingen nach Hause mit der Gewissheit, dass das Trainingslager nächstes Jahr sicherlich genauso schön werden wird!

Wir, die Jugendgruppe, wollen uns hiermit recht herzlich bei unseren Übungsleitern bedanken. 

 

Mit freundlichen Grüßen 

Mary-Ann & Jan

*Fotos: Marko Helmer*



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"Mein Leipzig lob' ich mir"

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von Roger Gründling 

sagte der Frosch in Auerbachs Keller. Goethe wußte wovon er sprach. Die Akener Kanuten wissen das auch. Schon mehrfach haben wir die Stadt besucht und sie von der Wasserseite aus erlebt. Wenn das Wetter passt und gute Laune mit an Bord ist, umso besser.

Am 21. August trafen wir uns zu einer weiteren Fahrt ins Sachsenland. Die Boote wurden am Vorabend gepackt und gut verzurrt. Vier Zweier, zwei Einer und ein Vierercanadier. Nach Adam Ries 14 Paddler. Der Start erfolgte im Leipziger Stadthafen.

 

Uns begegnete ein Wust an Paddelhungrigen. Etwas Wasser war auch noch zu sehen. Die Tour führte uns vorbei am Wehr in Richtung Bootshaus der Leipziger Kanuten. Und da passierte es auch schon. Die Bänke im Canadier machten sich selbständig. Erst stürzte Burkhard ab, dann Paatschi. Die Kenterung konnte im letzten Moment noch verhindert werden. Das war ein Schreck.

Wir erreichten glücklich das Bootshaus. Hier wurde sich gestärkt und die Boote umgetragen. Es bildete sich eine lange Schlange bis zur Einsatzstelle. Nun ging es mit etwas Strömung auf die zweite Etappe unserer Fahrt.

Vorbei an Villen, schicken Grundstücken und schönen Wohnungen erreichten wir wieder unseren Ausgangsort in der Nähe des Wehres. Die Kameras waren voll, die Mägen leer. Also auf zum Mittagessen in Schrebers Restaurant. Flotte Bedienung und gutes Essen rundeten unsere Tour ab. Die Boote hatten wir schon vor dem Essen verstaut und die Rückreise konnte beginnen.

 

Resümee: Ein schöner Tag mit kleinen Herausforderungen und viel Spaß. Danke an alle Organisatoren, Fahrer und Teilnehmer. Leipzig wir kommen wieder.

Euer El Capitano

*Fotos: Burkhard Thiel und Mathias Döbbert*



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Into the wild – Ein paar Schritte nach Norwegen

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von Mathias Döbbert 

Wenigstens einmal möchte ich nach Norwegen rüber paddeln und plane, eine Zwei-Tagestour mit Zelt und allem Brimborium zu beginnen, ungeachtet der eher betrüblichen Wettervorhersagen. Auf Stichwort beginnt es zu regnen. 

Wenigstens einmal möchte ich nach Norwegen rüber paddeln und plane, eine Zwei-Tagestour mit Zelt und allem Brimborium zu beginnen, ungeachtet der eher betrüblichen Wettervorhersagen. Auf Stichwort beginnt es zu regnen. Morgen scheint bestimmt wieder die Sonne. Wenn Engel reisen, …. Mit diesem sonnigen Zweckoptimismus fiebere ich dem Start in eine neue Woche entgegen.

 

Doch dieser ist alles andere als vielversprechend. Der Himmel ist dunkel und wolkenschwer. In aller Ruhe widmete ich mich Morgentoilette und Frühstück. Dann bringe ich das Kajak ins Wasser und beginne die Ausrüstung zu verstauen. Es ist immer wieder beeindruckend, wieviel so ein kleines Boot schluckt. Dabei habe ich schon den Kleidungsanteil auf ein Minimum reduziert. Auch die Lebensmittelvorräte sind genau dosiert. Allein der Schlafkomfort mit Feldbett, selbstaufblasbarer Matratze, Schlafsack und Kopfkissen fordert den halben Lagerraum unter Deck. Fotoapparat, Fernglas, Solarmatte, Powerbank und Handy sind ebenso obligatorisch wie Spritzdeck, Sitzkissen, Schwimmweste und Abdeckplane. Wasserflaschen, Kleidersack, Gaskocher und Strohhut vervollständigten die Ausstattung. Das Wurfzelt wird noch obenauf geschnürt und ab geht die Fahrt, beladen wie ein Überlandbus in Indien. Ich komme keine 500 Meter weit, als der vorhergesagte Regen einsetzt. Ich steuere schnell zur nächstgelegenen Ausstiegsstelle und förderte aus einem der Packsäcke das Regencape zu Tage. Eingehüllt in blaue Plaste wie in einem Müllsack kann mir der Regen nun nichts mehr anhaben. Ich lasse es gießen und paddele weiter. Der Wind bläst schlapp und ich habe keinen Anlass, mir Sorgen wegen hohen Wellengangs machen.

Derart verkleidet muss ich eine ulkige Erscheinung abgeben. Ich knipse einige Selfies selbst auf die Gefahr hin, Handy oder Kamera ordentlich zu wässern.

 

Nach zwei Stunden ist der Spuk vorüber und ich entledigte mich der nassen Pelle, sie jedoch in greifbarer Nähe deponierend. Nach neun Kilometern biege ich in die Badebucht ein, welche ich bereits auf den ersten Touren bei meinen Tagesausflügen entdeckt hatte. Gerade kommt die Sonne zum Zuge und ich gönne mir ein erfrischendes Bad und ein Pausenbrot. Körperlich und moralisch erneuert halte ich nun auf die vor mir liegende Troll-Insel zu. Woher der Name stammt, bleibt nur zu vermuten. Sicherlich entspringt er der hiesigen Mythologie und Fabelwelt. Für Schweden und Norweger sind Trolle genauso real wie für uns Deutsche die (Garten)Zwerge. Auf der Insel treffe ich jedoch keine Trolle an, sondern zwei deutsche Urlauber, die es sich hier gemütlich gemacht haben. Die Insel weist eine geografische Besonderheit auf, die es ihnen ermöglicht, In Norwegen zu Baden und in Schweden zu frühstücken, wie sie selbst scherzhaft erklären. Durch die Insel verläuft nämlich die norwegisch-schwedische Staatsgrenze, markiert durch einen, von gelb angestrichenen Granitbrocken umsockelten, Grenzstein. Dieser befindet sich auf einer kleinen Anhöhe am Norwegen zugewandten Teil der Insel. Ansonsten verläuft die Grenze längs durch diesen Teil des Foxen-Sees. Bei der Grenzfestlegung müssen die Geographen seinerzeit entweder von der Insel keine Kenntnis gehabt oder auf der Landkarte willkürlich einen geraden Strich gezogen haben, wie dies auch in Afrika durch die Kolonialmächte oft praktiziert worden ist. Von einer Nächtigung auf norwegischer Seite wird abgeraten, weil der Nordmänner die Corona-Bestimmungen sehr viel ernster nehmen als die Schweden. Gleichzeitig weist man mich auf ein ähnliches Kuriosum nur einige Kilometer entfernt hin, wo eine Festlandkuppe Norwegens eine schwedische Spitze aufweisen soll.

Ich überquerte mit Majak die nasse, virtuelle Landesgrenze und steuerte entlang der nun norwegischen Küste dem Kuriosum entgegen.

 

Tatsächlich finde ich den Grenzstein und überdies einen geeigneten Lagerplatz, groß genug, um ein Zelt eben aufstellen zu können. Die Landung und Entladung sind zwar etwas mühselig, da nur über Felsbrocken das Festland zu betreten ist, aber die Lage und Aussicht sind einmalig. Am felsigen Ufer befindet man sich in Schweden, am Zelt, ein paar Schritte weiter, bereits in Norwegen – keine Grenzkontrolle, kein Zoll! Das gilt dann wohl als illegaler Grenzübertritt.

 

Sonne und Regenwolken wechseln sich bis zum späten Abend ab und bescheren folgerichtig einen wundervollen Regenbogen. An der vorhandenen Feuerstelle, ein Steinkreis von ca. einem halben Meter Durchmesser, darf ich endlich mal wieder meinem Kindheitslaster frönen und kokeln, sprich: Ein Lagerfeuer entfachen. Viel trockenes Holz gibt es hier nicht. Dafür haben schon meine Vorgänger gesorgt, aber selbst ein kleines Feuerchen in freier Natur ist ein großes Erlebnis. Als in der Dämmerung die Buchstaben meines mitgebrachten Buches nicht mehr zu erkennen sind, ziehe ich mich ins Zelt zurück, wo ich eine ruhige Nacht verbringe.

Der nächste Morgen erstrahlt im Sonnenlicht. Eine leichte Brise von Osten her wird mich bei der Rückkehr nach Schweden unterstützen. Ein ausgiebiges Frühstück und eine mühsame Beladung über steile Klippen läuten die letzte Paddelfahrt meines Urlaubs ein.

Ich starte spät, gegen halb elf, und erreiche um die Mittagszeit nach fünf bis sechs Kilometern eine zauberhafte, sandige Anlege- und Badestelle. Ich verordnete mir ein Bad und legte T-Shirt und Handschuhe zum Trocknen aus. Das Wasser erfrischt vortrefflich. Zum Trocknen lasse ich anschließend die Sonne an meinen Körper ran. Kaum habe ich meine Kleidung wieder angelegt, tauchen mehrere Canadier nebst Besatzungen auf. Das wäre ein Anblick gewesen! Ein faltiger, alter Mann, ganz wie die Natur ihn schuf; kein Genuss für Freunde der Ästhetik. Die Boote tragen allesamt den Schriftzug Scandtrack. Diese Firma repräsentiert rund um den Foxen den Massentourismus. Die Werbung im Internet zielt vor allem auf junge Deutsche ab, denen 1 Woche bis 10 Tage Wildnis versprochen wird und Action mit Gleichgesinnten. Auf den ausgewiesenen Rastplätzen ist man daher auch nie allein. Für Abgeschiedenheit und Ruhe suchende Paare oder Singles ist dieses Angebot nichts. Die Bewerber werden mehrmals pro Woche mit Bussen ran gekarrt und wieder abgeholt. Die typischen Aluminium-Canadier sind auf dem Gewässer überall anzutreffen.

 

Auf den letzten Kilometern bis zum Basislager lasse ich mir Zeit und sauge alle Bilder in mich auf, denn so schnell werde ich dieses paradiesische Fleckchen Erde/Wasser wohl nicht wieder zu Gesicht bekommen. Natürlich habe ich viel fotografiert, aber Fotos können nur ansatzweise die Wirklichkeit widerspiegeln.

Auf dem Campingplatz finde ich meinen VW unschwer wieder, denn in der Zwischenzeit sind alle Nachbarn abgereist. Dasselbe erwartet mich morgen.

 

Ich werde in aller Ruhe „die Zelte abbrechen“, das Boot zusammenfalten, packen und den Abwasch erledigen, Frischwasser nachtanken, usw. und losrollen gen Heimat, bleibende Eindrücke und taufrische, schöne Erinnerungen im Gepäck.



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Into the wild – Wochenende mit Kladdkaka und Kraftstation

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von Mathias Döbbert 

Der Sonntag ist, wie es sich gehört, ein Tag der Erholung. Es stecken mir noch die gestrigen 30 Kilometer Paddeln in den Knochen und meine linke Schulter lässt mich erste Anzeichen von Überlastung spüren. Darum widmete ich mich heute mal dem Nichtstun. 

Ganz so ist das, natürlich, nicht richtig, denn auf mein sonntägliches Joggen will ich nicht verzichten. Die vier Kilometer Frühsport tun vor allem meinem Selbstbewusstsein gut. Anschließend tauschte ich die obligatorische Dusche gegen ein Morgenbad im See; kühl, aber erfrischend und reinigend.

 

Frühstück ist angesagt, welches ich bei Sonnenschein vor meinem „Bus“ einnehmen kann. Bis Mittag vertiefe ich mich in einen Norwegen-Roman. Ein schnelles Mittagessen ist fällig. Ich bin zu faul für ein ausgiebiges Menü und erwärme mir schlicht eine Nudel-Fleischklößchen-Suppe. Der Abwasch ist entsprechend schnell erledigt.

Anschließend putzte ich mich heraus, wie für den Gottesdienst, soweit das unter den gegebenen Umständen halt möglich ist. Mit anderen Worten: Ich tauschte die Jogginghose gegen eine neue Freizeithose und die Turnschuhe gegen Halbschuhe. Derart aufgedonnert unternehme ich einen Spaziergang ins Dorf. Die Häuser entlang der Straße sind meist mit schwedentypischer, rotbrauner Farbe gestrichen, die Veranda, Geländer und Zierbalken strahlen weiß. Mit viel Liebe und Originalität werden die Vorgärten gestaltet. Jede sich bietende Felsspalte wird eingebunden. Neben wenigen Blumenarrangements dominieren die perfekt gemähten Rasenflächen. Anscheinend besitz jeder Schwede einen Rasentraktor für den perfekten Schnitt. Vielleicht werden die auch durch die Regierung bezuschusst. Auf einem Grundstück müht sich ein Rasenroboter die steilen Hänge hinauf; vermutlich ein Modell der Marke Huskvarna. Diese wird nämlich in Schweden produziert und gilt als Vorreiter der Mähroboterentwicklung. So gesehen, ist deren Verbreitung bei den Einheimischen aber noch unterrepräsentiert.

 

Der Wanderweg ins Dorf führt am Schleusenkanal entlang und bietet malerische Ausblicke auf den See Foxen und den kleinen Hafen. Der Kanal endet in einer dreistufigen Schleuse, mit der man ca. 8 Meter Höhenunterschied zum nächsten großen See überbrücken kann. Das Schleusen-System ist bereits vor 150 Jahren errichtet worden. Der Foxen selbst ist in eine Richtung ca. 15 Kilometer lang. Ich weiß das so genau, weil ich gestern die gesamte Länge hin und zurück gepaddelt bin. Es gibt aber sehr viele Nebenarme und Ausbuchtungen, Inseln und Inselchen, die zu entdecken, eine Woche Urlaub kaum ausreichen. Aber zurück zur Wanderung.

Einen Laden mit Lebensmitteln oder Haushaltswaren gibt es in Lennartsfors nicht, dafür aber ein herrlich gelegenes Café auf einem Felsen über dem Kanal. Hier möchte ich mir einen Schweden-Eisbecher gönnen. Leider gibt es nur Eis am Stiel aus der Gefrierbox. Also schalte ich um auf Kaffee und Kuchen und bestellte mir ein Stück „Kladdkaka“. Zugegeben, der Name klingt anrüchig, aber ich lasse mir versichern, dass es der schwedischste aller Kuchen des Sortiments ist. Der Filterkaffee schmeckt so, wie jeder Filterkaffee weltweit eben schmecktt. Im Café wurde das amerikanische Prinzip des „free refill“ (eine Tasse bezahlen; jede weitere umsonst) praktiziert. Der Kladdkaka stellt einen schwedischen „Browny“ dar, der ausschließlich aus Zucker und Cacao zu bestehen scheint. An Süße ist er durch nichts zu übertreffen, was ich je gekostet. Dazu empfiehlt der Wirt (angeblich auch typisch schwedisch) eine Portion Schlagsahne. Vermutlich will er den Umsatz steigern. Die Entscheidung dafür ist aber goldrichtig. Während normalerweise die Schlagsahne zur Versüßung trockenen oder nüchternen Blechkuchens gereicht wird, dient sie hier der Neutralisierung der Zucker-Cacao-Bombe und macht ihren Verzehr überhaupt erst möglich. Auf der Außenterrasse des Cafés genieße ich die Ruhe und den Luxus der Inaktivität.

 

Auf dem Rückweg zum Campingplatz besichtige ich noch das kleine Wasserkraftwerk, welches den Niveauunterschied zwischen den Seen zur Stromproduktion nutzt. Früher soll das Kraftwerk die Gemeinde, die aus ca. 300 Seelen besteht, komplett mit Elektrizität versorgt haben. Heute wird „nur noch“ ins allgemeine Stromnetz eingespeist. Überhaupt sind Windkrafträder und Solaranlagen, zentral oder individuell betrieben, kaum anzutreffen. Offenbar reichen den Schweden und Norwegern die zahlreichen kleinen Wasserkraftwerke, um ausreichend und kostengünstig "grünen" Strom anzubieten. Vielleicht ist aber auch die Sonneneinstrahlung hier, im "hohen Norden", außer in der Zeit von Juni bis August zu gering, um effizient Solarstrom zu erzeugen.

Zurück am Wohnmobil ergibt sich noch die Gelegenheit zu einer Plauderei mit meinen holländischen Nachbarn an. Sie sind sehr nett, reisen aber morgen früh wieder ab. Schade.

Fortsetzung folgt, kurze Verschnaufpause



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Into the wild – Unter Campern in Nordmarken, Dalsland

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von Mathias Döbbert 

Nach einem abgebrochenen Versuch, das Nordkap zu erklimmen und 2300 Kilometern unter den Rädern bin ich am Abend des fünften Tages im Canoe-Camp am Foxen-See angekommen. 

Ich sichere ich mir einen schönen Stellplatz mit Aussicht auf den See, wenn auch nicht in der ersten Reihe. Ich habe nur noch Kraft für ein Abendbrot, aber noch genügend Energie für einen Spielfilm auf meinem PC. Der Campingplatz ist einfach, aber genial gelegen. Die Einsatzstelle für mein Kajak liegt gleich unterhalb meines Stellplatzes, keine 10 Meter entfernt. Der sagenhaft günstige Preis von 6 Euro pro Tag enthält Stellplatz freier Wahl, Benutzung von zwei Toiletten und Duschen, Warm und Kaltwasser zum Waschen und Abwasch, sowie frisches Trinkwasser unbegrenzt. Überall gibt es Sitzbänke und feste Feuerstellen. Die Dauercamper sind vor allem Schweden und Norweger. Die übrigen Camper mit Reisemobilen und Zelten sind vornehmlich Deutsche - deutsche Nachbarn aus Flensburg gegenüber, Hamburger links und Anhalter (Harz und Quedlinburg) rechts. Da ergibt sich das eine oder andere Gespräch automatisch. Der Platzwart ist so freundlich, wie es seine vorangegangene Mailkorrespondenz vermuten ließ.

 

Das Wetter ist sensationell. Es regnet nicht, es tobt kein Sturm und Klärchen leistet ihren Beitrag zu meiner Stromversorgung.

Angesteckt vom allgemeinen Trend, nehme ich mein Frühstück heute mal nicht im Bus, sondern davor ein. So erhält mein selbstgefertigter Hocker eine weitere Funktion als provisorischer Campingtisch. Um zehn Uhr entrichte ich meinen Obolus für die Umwelt in Form der Natur Conservation Card und beginne sofort danach mit dem Aufbau des Faltkajaks. In rekordverdächtigen 20 Minuten ist das erledigt. Länger schon dauert die Auswahl des Gepäcks. Ich entscheide mich für eine halbtägige Erkundungstour und specke beim Zubehör ordentlich ab. Zelt, Liege, Matratze, Schlafsack bleiben im Bus. Fotoapparat, minimale Verpflegung und Spritzdeck plus Schwimmweste müssen mit. Sicher ist sicher.

 

Die Küste ist felsig, aber ab und zu finden sich kleine, sandige Uferstellen, die gern als Pausengrund genutzt werden. Dicke Teppiche aus Moos und Flechten bedecken das schroffe Gestein. Gleich dahinter ist das Unterholz von Blaubeersträuchern durchzogen. Teichrosen schmücken stille Buchten. Blütendolden scheinen direkt aus dem Wasser aufzuwachsen. Kormorane sind ein nur allzu vertrauter Anblick. Auch Herr Biber ist hier heimisch, was unschwer an seinen Burgen zu erkennen ist.

 

Die Sonne hat mir ordentlich eingeheizt und schon nach wenigen Kilometern ist mein T-Shirt durchgeschwitzt. Ein Bad in glasklarem Wasser schafft Abkühlung. Spitzdeck und Schwimmweste wandern unter Deck und eine dicke Schicht Sonnencreme wird aufgetragen. Im Schleichtempo folgte ich der Küste, jede Einbuchtung und jeden Nebenarm ausfahrend. Kanadagänse im Familienverband halten scheu Abstand. Der See ist derart zerklüftet, dass ich schon fürchte, die Orientierung zu verlieren. Eine Spur aus Brotkrumen zum Camp zurück könnte ich schwerlich auslegen. Also vertraue ich auf das GPS der Samsung-Health-App und legte so eine digitale Fährte. Nach zehn Kilometern Uferhangeln umrunde ich noch zwei Felseninseln und steuerte hinaus auf die Seemitte. Eine weithin sichtbare Hochspanungsleitung weist mir die Richtung zurück. Bereits nach 4 Kilometern Luftlinie bzw. Fahrrinne erreiche ich mein Basislager.

 

Jetzt kämpfen zwei Seelen in meiner Brust. Der Abenteurer in mir drängt auf einen mehrtätigen Kurs, um so weit wie möglich in unerforschte Gewässer vorzudringen. Der Urlauber hingegen gäbe sich gern mit täglichen Ausfahrten vom und zum Camp zufrieden und möchte den Luxus eines warmen Busses und einer weichen Matratze nicht eintauschen gegen ein kühles Zelt mit Feldbett und Schlafsack; lecker zubereitetes Abendbrot statt einfache Tütensuppe, Kinofilm am Abend statt Taschenbuch im Schein der Stirnlampe. Ich glaube, der Urlauber gewinnt. Das Paddeln kommt nicht zu kurz und nicht in Konflikt mit den Annehmlichkeiten des Urlaubs. Morgen kann ich zeitiger aufbrechen, weil das Boot schon startbereit neben dem Bus ankert. Wenn das mal kein Plan ist!

Fortsetzung folgt, morgen geht's weiter



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Into the wild – Zum Paddeln ins Land von ABBA und Apfelmuseisbecher

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von Mathias Döbbert 

Das Faltboot klemmt zwischen Beifahrersitz und Armaturenbrett. Die Campingausrüstung wie Schafsack, Matratze, Zelt, Feldbett usw. liegt davor und dahinter. Bootswagen, Gaskocher, Proviant für zwei Wochen und Packsäcke schlummern im Gepäckteil meines Reisemobils, einem VW-Transporter. Wenn Einer eine Reise wagt, sind viele Dinge sehr gefragt. Doch so viel man auch einpackt, irgendetwas fehlt immer. Was ich definitiv dabei habe, um mein Ziel zu erreichen, ist ein Kompass, ein Autoatlas von Skandinavien (zwanzig Jahre alt) und eine Adresse eines im Internet beworbenen Canoe-Centers in Schweden.  

Zunächst jedoch besuche ich eine Cousine in Eckernförde, Schleswig-Holstein. Dieser reizende Ostsee-Urlaubsort liegt zwischen Kiel und Flensburg. Von hier aus ist es nur ein Katzensprung bis zur dänischen Grenze. Einen ruhigen Morgen nutze ich für einen Spaziergang zum Hafen. Die Ostsee liegt friedlich im Sonnenschein und leckt glucksend an der Uferpromenade. Gebäude aus roten Backsteinziegeln verleihen dem Städtchen hanseatischen Flair. Gepflegte Villen reihen sich wie Perlen auf der Halskette entlang der Flaniermeile mit Blick auf Yachthafen und Eckernförder Bucht und manch Hausherr sparte nicht mit maritimen Dekorationen, den Vorgarten zu gestalten. Auf einer Bank zum Beispiel sitzt eine Meerjungfrau – angekettet. Ich wage zu bezweifeln, dass sich jemand ernsthaft für die junge Frau interessiert. Die Gute ist fast gesichtslos und obenrum viel zu üppig ausgestattet, vom Fischschwanz ganz zu schweigen. Vermutlich will der Besitzer verhindern, dass die Nixe ins Meer ausbüxt. Die Borbyer Aussichtsplattform erklommen, schweift mein Blick über den erwachenden Badeort.

Von der Verwandtschaft mit einem üppigen Frühstück verwöhnt, setze ich zur Grenzüberquerung an. Ich wappne mich mental für stundenlange Staus wegen Paß- und Impfkontrollen, doch eine dänische Grenzbeamtin winkt die Blechkarawane lässig durch, von verschärften Covid-Maßnahmen keine Spur.

Auf Autobahnen rollt der Verkehr zügig. In Nyborg gönne ich mir nach dem Mittag ein Bad im Großen Belt, der breitesten Verbindung zwischen Ost- und Nordsee. Ich hatte mich kurzzeitig verfahren und war am Strand gestrandet. Trotz Bombenwetters beträgt die Wassertemperatur wohl nicht mehr als 17 Grad.

Den Öresund, das Grenzgewässer zwischen Dänemark und Schweden, passiere ich durch einen Unterwassertunnel und anschließend über die gleichnamige Brücke. Danach gibt es die nächsten 200 Kilometer nur noch Autobahn zu kosten und die Aussichten vom Asphalt aus sind ein wenig monoton. Daher bevorzuge ich fortan die Landstraßen, denn so sieht man Meer und einfach mehr von Land und Leuten.

Mittags am dritten Tag erreiche ich Örebro. Und obwohl ich schon nach Schleswig-Holstein, dem Bundesland, welches sich mit dem Slogan „Echter Norden“ ziert, und Dänemark schon ziemlich weit Richtung Nordpol gekommen bin, zählt Örebro noch zum unteren Mittelschweden. Ich beabsichtige, meine Reise nach Norden fortsetzen, bis man sagen kann, nördlicher geht’s nicht. 

Ich komme nur langsam voran, seit ich die Autobahnen meide. Großzügige Pausen für Frühstück, Mittag und Kaffeetisch sind heilig. Die Landschaft ist wunderschön und man fühlt sich wie in einem Märchen von Hans-Christian Andersen. Rastplätze und Blitzer gibt es in Schweden wie Sand am Meer. Man ist gut beraten, auf die Geschwindigkeitsschilder zu achten. Die Stellplätze entlang der Autobahnen und selbst der Landstraßen sind nicht nur zahlreich, sondern auch idyllisch gewählt; oft an malerischen kleinen Seen gelegen. Sie haben ja auch genug davon.

Fortsetzung folgt, versprochen



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Mini-TID privat – zwei Akener auf der Donau

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von Mathias Döbbert 

Die Herausforderung: Zweihundertvierzig Kilometer auf dem deutschen Abschnitt der Donau von Ingolstadt bis Passau-Erlau mitten durch Bayern. Ausgestattet mit Faltboot, Gepäck und einem Freifahrtschein von daheim für eine Woche Abenteuer düsen wir los.

Vom Hermsdorfer Kreuz aus fahren wir gemeinsam bei schönstem Wetter nach Erlau. Schnell finden wir einen geeigneten Parkplatz am Zielort und nach kurzem Umpacken geht es weiter zum Startpunkt. Bei den Faltbootfreunden in Ingolstadt treffen wir auf Gleichgesinnte. Auch Richard, ein athletischer Mitfünfziger aus Bayern, plant, sich an der deutschen Etappe zu versuchen. Der frisch gebackene Frührentner Rico aus Bonn hingegen ist fest entschlossen, bis zum Schwarzen Meer durchzuhalten. Vorsorglich hat er sein Kajak „Black Sea“ getauft. Martin und ich richten uns auf die erste Übernachtung ein. Mit Richard und Rico wird auf gutes Gelingen mit einem kühlen Radler angestoßen.

 

Der nächste Morgen bricht zeitig an - ob aus Ungeduld oder einfach wegen des Lärms der nah gelegenen Autobahn, ist schwer einzuschätzen. Die Ausrüstung wird verstaut und die Boote werden endlich zu Wasser gelassen. Unsere bunte Gemeinschaft genießt noch die Ruhe des Sonntagmorgens, während wir schon nach 11 Kilometern auf das erste Hindernis stoßen: Die Kleinbootschleuse Vohburg. Ein paar nette Spaziergänger betätigen sich als Schleuser und so müssen wir nicht einmal aussteigen, um die gefühlten 8 Meter „Hubtiefe“ zu überwinden. Die Sonne klettert derweil immer höher und die Temperatur ebenfalls. Das Bombenwetter lockt Scharen von Ausflüglern auf und an die Donau. Die Biergärten sind prall gefüllt. Schlauchboot-Gruppenfahrt scheint hier ein beliebter Freizeitsport zu sein. Motorbootfahrer erfreuen sich an der Geschwindigkeit und den prima hohen Wellen, die sie verursachen. Wanderpaddler sind eher selten. Kajaks und Canadier dienen den Einheimischen vor allem zum Erreichen von Bade- und Picknickplätzen entlang der Donau. 

Am Nachmittag wandelt sich die Landschaft und wir erreichen den Donaudurchbruch, eine Flussenge am Weltenburger Kloster, wo sich das Wasser durch Kalkstein einen Weg gebahnt hat. Bis zu 80 Meter hohe Felswände erheben sich zu beiden Seiten und man zieht unweigerlich Parallelen zum sächsischen Elbsandsteingebirge. Die Strömung spült uns förmlich durch dieses Nadelöhr des 5,5 Kilometer langen und 400 Meter breiten Naturschutzgebietes. 

Die Stadt Kehlheim kommt in Sicht und mit ihr die markante Befreiungshalle, ein Auftragswerk von Ludwig dem Ersten von Bayern zur Erinnerung an die Siege in den Befreiungskriegen gegen Napoleon. Das Denkmal steht mitten auf dem Michelsberg und hat eine Höhe von 45 Metern. Es ist also schwer zu übersehen. Hinter Kehlheim suchen wir nach einem Rastplatz. Ein Kiesbett lädt zum Anlanden ein und ein Donaubad ist das Mindeste, was wir tun können, um Abkühlung zu finden. Hier schlagen wir auch unser Lager auf. Fröhlich köcheln die Fertigsuppen auf unseren Gaskochern.


Das Wetter bleibt beharrlich schön, nur der Trubel des Wochenendes ist abgeklungen. Trotzdem sind wir auf der Donau nicht allein. Die Berufsschifffahrt ist allgegenwärtig. Ganz im Gegensatz zur heimischen Elbe passieren die Frachtkähne die Donau im Stundentakt. Die malerischen Kalksteinfelsen weichen allmählich dem Einheitsgrün der Auenwälder. Zu Mittag kehren wir in einen Biergarten ein, genau an der Grenze zwischen Niederbayern und Oberpfalz. Der Zugang zur Freiluft-Gastronomie ist nur mit Maske gestattet. Hat man die Eingangslinie überschritten, darf sich dieser wieder entledigt werden. Die Speisekarte enthält lokale Spezialitäten, die ebenso gut in chinesischer Sprache hätten geschrieben sein können. Ich verstehe nur Bahnhof und bestelle vorsichtigerweise einen Salatteller. Da weiß man, was einen erwartet.

Die Kleinbootschleuse bei Abbach funktioniert wieder in Selbstbedienung und ich betätige mich als Schleusenmeister. Am zeitigen Nachmittag erreichen wir den Regensburger Ruderverein und dürfen hier Zelten. Bescheiden suchen wir uns ein Plätzchen ganz am Rande des Geländes, denn hier herrscht unheimlich viel Betrieb. Mehrere Jugendgruppen werden gleichzeitig trainiert und vom Ufer aus lautstark kommandiert. Es ist ein ständiges Kommen und Gehen. Unzählige Ruderboote, die ziemlich olympiatauglich aussehen, werden hin und her getragen und mehrfach gereinigt. Das moderne Bootshaus der Ruderer und die Aktivitäten drum herum lassen auf ein Leistungszentrum schließen. Auch sonst wird wegen oder trotz des warmen Wetters in Regensburg Sport getrieben. Rudern, Radfahren, Joggen, Schwimmen, Fußballspielen und Leichtathletik sind die zu beobachtenden Betätigungsarten an diesem schweißtreibenden Montag.

 

Wir entrichten unsere Zeltgebühr an die Vereinskasse. Einen Schlüssel für den Zugang zu Toiletten und Duschen erhalten wir nicht. So gilt es, besonders am nächsten Morgen Hineingehende oder Herauskommende Besucher abzupassen, um die Sanitäranlagen nutzen zu können. 

Zu früher Stunde verlassen wir Regensburg über eine Borstenpassrutsche bzw. eine Kleinbootschleuse. Eine Skulptur am Ufer weist darauf hin, dass hier die Donau ihren nördlichsten Punkt erreicht hat.  Rechterhand erkennt man die Türme des Münsters und vor uns liegt die aufwendig sanierte Steinerne Brücke aus dem 12. Jahrhundert, eines der Wahrzeichen der Stadt. Bei der Brückendurchfahrt besteht ein Gefälle von einem halben Meter. Die Strömung ist enorm und die Wasserwirbel dahinter sind Respekt einflößend. Ab Regensburg verlieren Martin und ich unsere Begleiter aus den Augen. Rico ist vorgeprescht, denn sein Weg ist der Weiteste. Und der Sportskanone Richard ist unser gemütliches Wandertempo offenbar nicht ambitioniert genug. Die Akener sind wieder unter sich.

 

Noch vor Mittag fahren wir ein in Walhalla – na ja, fast. Der Ruhmestempel, gefüllt mit Büsten berühmter Deutscher, steht erhaben auf dem Berg über der Donau und ist ein beliebtes Fotoobjekt.

Das wachsame Augen des Hobbyseglers Martin hat am Horizont Gewitterwolken entdeckt. Eilig suchen wir uns einen geschützten Nachtplatz am Ufer. Kaum dass wir uns eingerichtet, beginnt das Unwetter zu toben. Der Sturm rüttelt an den Zeltwänden und versucht die Heringe auszureißen. Regenschauer ergießen sich über unsere fragilen Behausungen. Die Anstrengungen von 40 Kilometer Tagesleistung auf nahezu strömungsloser, zum Stausee mutierter, Donau lassen mich jedoch in einen tiefen Schlaf sinken. Das Ausmaß des Gewitters offenbart sich uns am nächsten Tag anhand abgebrochener Äste und umgestürzter Bäume.

Mit dem Unwetter ist uns die Last der Hitze von den Schultern genommen. Angenehme 20 Grad, bedeckter Himmel und leichter Rückenwind sind ideale Bedingungen für uns Wanderpaddler zum Start in die nächste Etappe. Nur die Fotos bleiben grau in grau und müssen wohl später am PC mit Sonne angereichert werden.

 

Während wir an der Schleuse Geisling mühsam umtragen müssen, erwartet uns vor Straubing wieder eine Bootsrutsche. Letztere hat stattliche Ausmaße und darum wird die Sache auch ein Riesenspaß. Faltbootfahrer sind verständlicherweise besorgt ob der Risiken einer solchen Rutschpartie, doch die Elefantenhaut von Martins RZ85 bekommt keinen Kratzer.


Straubing bleibt versteckt hinterm Deich. Nur einzelne Türmchen schaffen den Blick hinüber. Die Wolkendecke reißt auf und immer wieder bieten sich dem Auge des Betrachters gefällige Ansichten, sei es das Kloster auf dem Berg oder das Motorschiff an Land. An der Deichbefestigung wird mit schwerem Gerät eifrig gearbeitet. Auch an der Donau gehen Hochwasser nicht schadlos vorüber.

 

Auf einer versteckten kleinen Wiese hinter der Fähre Stephansposching wird wieder gezeltet. Rastplätze sind an der Donau nicht ausgewiesen oder beschildert und daher ist man auf gute Tipps von Anwohnern angewiesen. Und siehe da! Es gibt hier sogar zwei Bänke und eine Feuerstelle. Petrus sorgt allerdings für Sicherheit und läßt es regnen. Nichts da mit Stockbrot über‘m Lagerfeuer oder Wurst am Spieß.

Der nächste Morgen beginnt mit einem heißen Kaffee. Das ist auch nötig, denn es ist frisch und der bedeckte Himmel verspricht keine Sentimentalitäten. Das Waschen in der Donau hingegen ist angenehm, ist doch die Wassertemperatur gefühlt viel höher als die der Luft.

Unterwegs nach Deggendorf, welches die Außmaße einer mittleren Industriestadt hat, überrascht uns ein Wolkenbruch. Er endet jedoch so schnell, wie er begann. Zurück bleiben zwei nasse Pudel. In Deggendorf erregt eine Brücke unsere Aufmerksamkeit. Der Brückenaufbau scheint verkehrt herum zu stehen – mit der Spitze nach unten. Eigenartigerweise trotz die Konstruktion der Schwerkraft und fällt nicht um. Hätte der Eiffelturm auch andersherum gebaut werden können?

 

Erst hinter Vilshofen und 50 Kilometer in den Knochen finden wir auf Rat eines freundlichen Eingeborenen ein Stelle zum Wildcampen. Das Schild „Achtung Betriebsgelände, Betreten verboten“ entdecken wir erst, als die Zelte bereits errichtet sind. Wir sitzen es aus.

Die letzte Etappe hat begonnen. Wir nähern uns Passau. Das vorgelagerte Industriegebiet ist wenig beeindruckend. Eine Schleuse gilt es noch zu überwinden – Kachlet. Es beginnt zu nieseln. Der Schleusenmeister am anderen Ende der Wechselsprechanlage hat Erbarmen mit uns morgendlichen Kleinbootfahrern. Die Schleuse ist eigentlich für „große Pötte“ vorgesehen und entsprechend verloren kommen wir uns in dem riesigen Becken vor. Die Schleusung erfolgt sehr, sehr langsam, etwa 500 ml pro Minute werden abgelassen. Als sich die Tore endlich öffnen, bin ich klitschnass. 


Die Durchfahrt durch die Stadt Passau gestaltet sich wegen des miesen Wetters wenig spektakulär. Lustlos reihen sich schicke Fluss-Kreuzfahrtschiffe an den Kaimauern. Nur wenige Gäste sitzen hinter verdunkelten Glasscheiben. Über die Schulter werfe ich noch einen Blick auf die Isar, die sich hier in die Donau ergießt. Jetzt bin ich vollends durchgefroren und es gibt nur einen Weg, einer drohenden Erkältung zuvorzukommen, nämlich mittels Hochgeschwindigkeitspaddeln. 

Ich lasse das Paddel kreisen und wende alle Zugkraft auf, die ich aufbringen kann. Mein sonst so geräuschlos gleitendes Kajak schiebt nun eine Bugwelle vor sich her. Nach 2 Kilometern spüre ich die Muskeln überschüssige Wärme an den Körper abgeben und nach weiteren 5 Kilometern habe ich das Endziel, den Sportplatz Erlau, ordentlich schwitzend aber nicht erfroren, erreicht. Zwanzig Minuten später trifft auch Martin ein, sichtlich zufrieden, es geschafft zu haben. Pünktlich zum Etappenende hört der Regen auf. Das Wetter in der vergangenen Woche war wechselhaft und die Reise abwechslungsreich. Eine Fortsetzung der Tour Richtung Donaudelta in den nächsten Jahren wird nicht ausgeschlossen. Wer sich anschließen möchte, abseits verbindlicher Fahrtenrouten und Reglements, ist herzlich willkommen.



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Wanderfahrt nach Barby

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von Jens Trebes 

Nach einer gefühlten Ewigkeit war es am 03.07.2021 endlich soweit: Der Kanuclub Aken lud seine Mitglieder ein zur Paddeltour nach Barby. So trafen sich am Samstagmorgen pünktlich gegen 9 Uhr insgesamt 20 Teilnehmer zu dieser bereits bekannten und beliebten Tour. 

Zu diesem Zeitpunkt lagen die Vorbereitungen hinsichtlich Auswahl der 11 Boote, Transfer der für die Rückfahrt benötigten Autos nach Barby oder die Vorbestellung der ausgewählten Speisen bereits hinter uns. Die im Vorfeld wechselhaften Wetterprognosen sollten keine negative Rolle spielen.

 

Bei angenehmer Temperatur, leichter Sonne und ohne befürchtete Niederschläge begaben wir uns auf die ca. 2 Stunden währende Fahrt, die abgesehen von uns nahezu keine weiteren Verkehrsteilnehmer bereithielt. So konnten wir die ganze Breite der Elbe ausnutzen und paddelten in kleineren (zeitweise auch größeren) Gruppen gemütlich bis nach Barby.

Dortwurde unser Hubert bereits von seiner Tochter und deren Familie erwartet, die unsere Ankunft fotografisch festhielt. Mit gegenseitiger Unterstützung gelangten alle trocken und sicher ans Ufer.

Eine Fährüberfahrt und ein kurzer Spaziergang trennten uns nun noch vom erfrischenden Kaltgetränk und dem Mittagessen beim „Fährmann“ in Ronney, und wir wurden nicht enttäuscht. Nachdem Bauernfrühstück, Hamburger Schnitzel und Fährmann-Teller vertilgt waren, begaben wir uns auf den Rückweg.

 

DieVerladung der Boote gelang durch viele helfende Hände zügig. Thomas, Philipp, Jürgen und ich sorgten für den Rücktransport zum Bootshaus.

Dort ließen viele Teilnehmer den schönen Tag auf dem Freisitz gemeinsam ausklingen. Nun hoffen wir, dass wir bald die nächste Tour in Angriff nehmen können.  

*Fotos : Jens Trebes und Birgit Schulze*



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Ausflug zum Pretziener Wehr

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von Hubert Meyer 

Am 20.05.21 wollte ich den erhöhten Wasserstand der Elbe nutzen und nach Barby zur alten Eisenbahnbrücke fahren. Ich hatte mich dort mit meiner Tochter verabredet. Sie konnte den Termin aber nicht wahrnehmen und so entschied ich mich spontan für die Weiterfahrt zum Pretziener Wehr. Schlecht vorbereitet habe ich mich auf der alten Elbe bei einem Angler rückversichert, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Es hat alles gepasst. 

Anbei ein paar Bilder von der Fahrt. 



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Bootstaufe - Ladies First!

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von Marko Helmer 

In den letzten Monaten haben wir unsere Flotte etwas vergrößert.

Es kamen zwei Stand Up Paddle Boards und zwei Kajaks hinzu.

Die Boards hatten bereits Wasserkontakt und hören auf die Namen: Unsinkbar 3 und Unsinkbar 4.

Am 09.06.2021 war es dann soweit und Thomas Berger übernahm die Taufe der Boote und auch die Boards

bekamen einen kleinen Schluck Sekt nachträglich gereicht.

 

Hier nun Thomas' Ansprache:

 

"Liebe Freunde,

Heute in Aken soll es geschehen,

Es sollen zwei Boote zu Wasser gehen.

 

So höret, was ich euch sage:

Ein Boot in ungetauftem Stande,

Für jedes Gewässer eine Schande.

 

Oh Schreck und Unheil trifft den Mensch

Der ungetauften Bootes Bug durchs Wasser pflügt

Und nicht des Poseidons göttlichen Gesetzen genügt.

 

Mit seinem Stab er Orkan und Sturm zu befehlen wage

Für jedes Schiff, dass keinen Namen trage.

 

Es navigieren viele Boote auf den Meeren

Aber keine die so schöne Namen ehren:

Athene und Aphrodite."

 *Fotograf der Taufgemeinde: Marko Helmer*



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Aldebaran erneut auf der Elbe unterwegs

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von Mathias Döbbert

Wir erinnern uns. Im Frühsommer 2020 waren die Forscher und Umweltexperten rund um die ALDEBARAN bei uns im Kanuclub Aken zu Gast. Wir berichteten darüber am 19. Juni 2020 auf unserer Webseite. In der Zwischenzeit ist der Kontakt zur ALDEBARAN und zum "Bundesverband Meeresmüll  e.V." aber nicht abgebrochen.

 In wenigen Tagen startet Teil 2 der Fahrt und unser Elbestädtchen Aken ist wieder eines der Reiseziele. Die Crew selbst schrieb uns dazu in einem Brief folgendes:

 "Vielen Dank für euer Interesse an der Elbe-Expedition 2021 und die tollen Ideen zur Beteiligung an der diesjährigen Tour mit dem Medien- und Forschungsschiff ALDEBARAN. Mit der Elbe-Expedition verfolgen wir das Ziel, mit unterschiedlichen Akteur*innen aus Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft zusammenzukommen, um Wege aus der (Mikro-)Plastikkrise in Gewässern aufzuzeigen. Die Einbindung eines durchgängigen Forschungsprojektes auf der Elbe-Expedition wäre hierbei wünschenswert. Wir freuen uns auf Ideen von euch zu konkreten Aktionen, die wir am und um das Schiff stattfinden lassen können. Hiermit wollen wir die Problematik für alle sichtbar machen, "Local Heroes" identifizieren und medienwirksame, PR-trächtige Themen bündeln. Dies können beispielsweise Müll- oder Zigarettenstummel-Sammelaktionen in den unterschiedlichen Häfen und an den Elbe-Flussufern der sechs Bundesländer sein. Interviews mit Initiator*innen von Leuchtturmprojekten, welche uns ihre Arbeit vor Ort mit Bildmaterial und Exponaten vorstellen sind ebenso gefragt, wie Bildungsmodule oder (digitale) Side-Events. Die gesamte Tour soll medial begleitet werden, damit wir mit unserer Botschaft eine breite Öffentlichkeit erreichen können."

Von der "Deutschen Meeresstiftung" erhielten wir darüber hinaus nachfolgende Ankündigung:

"Plastik-Expedition auf der Elbe vom 18. Juni bis zum 7. Juli

Die ALDEBARAN befindet sich gerade noch auf der Werft in Lübeck. Neben einer neuen Lackierung ist das Schiff mit einer komplett neuen Navigations- und Kommunikationsanlage ausgestattet worden. Wesentliche Teile der Technik wurden generalüberholt, so dass die ALDEBARAN ab nächster Woche topfit und in neuem, leuchtenden Gelb zu ihrer nächsten Expedition starten kann. 

Aufbauend auf dem Erfolg des letzten Jahres, startet die Crew des Bundesverbands Meeresmüll e.V. erneut eine Flussexpedition mit dem Medien- und Forschungsschiff ALDEBARAN. Vom 18. Juni bis zum 7. Juli 2021 fahren wir den deutschen Verlauf der Elbe ab, von der tschechischen Grenze bis zur Nordsee. Stationen sind unter anderem Dresden, Meißen, Torgau, Magdeburg, Tangermünde, Boizenburg, Hamburg und Cuxhaven. 

Nachdem wir im vergangenen Jahr auf die Plastikproblematik und ihre Auswirkungen aufmerksam gemacht haben, wollen wir uns dieses Jahr verstärkt möglichen Lösungsansätzen und dem Thema Herstellerverantwortung widmen. Die Nachwuchs-Forschungsgruppe des Projekts VEMIWA der HTW in Dresden wird die Ergebnisse ihrer im letzten Jahr an Bord gesammelten Proben vorstellen. Forschungspartner in diesem Jahr wird das Projekt Wasser 3.0 sein, das sich damit beschäftigt, so effizient, nachhaltig und kostengünstig wie möglich zu verhindern, dass Mikroplastik über das (Ab)Wasser in die Umwelt gelangt."

 

Begrüßen wir also alte Bekannte und neue Gesichter des Forschungsteams in unserer Stadt. 

 

Die Termine für die Elbe-Expedition 2021: 

Datum

Ort

Bundesland

Stromkilometer

18.06.21

Dresden

Sachsen

60

19.06.21

Schöna - tschech. Grenze

Sachsen

0

20.06.21

Dresden

Sachsen

40

21.06.21

Yachtsteg Meißen

Sachsen

80

22.06.21

Industriehafen Mühlberg

Brandenburg

120

23.06.21

Hafen Torgau

Sachsen

160

24.06.21

Elster

Sachsen-Anhalt

200

25.06.21

Coswig

Sachsen

240

26.06.21

Aken

Sachsen-Anhalt

280

27.06.21

Magdeburg

Sachsen-Anhalt

320

28.06.21

Parey (Verbindungskanal)

Sachsen-Anhalt

360

29.06.21

Tangermünde/Arneburg

Sachsen-Anhalt

400

30.06.21

Schnackenburg

Niedersachsen

440

01.07.21

Hitzacker

Niedersachsen

480

02.07.21

Boizenburg

Niedersachsen

520

03.07.21

Sandkrug/Artelnburg

Niedersachsen

560

04.07.21

Hamburg

Hamburg

600

05.07.21

Glückstadt

Schleswig-Holstein

640

06.07.21

Brunsbüttel / Ostemündung

Schleswig-Holstein

680

07.07.21

Cuxhaven

Niedersachsen

720



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PfingstTestFahrt

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von Thomas Berger 

Nach langem Hoffen und Bangen, durften wir zu Pfingsten nun doch unsere jährliche Pfingstfahrt zum Camping- und Ferienpark nach Plaue antreten!

Dies war der erste "Lichtblick" in diesem Jahr.

"Bei der Planung für die ca. 25 Teilnehmer, fiel die Auswahl der Boote auf einen Canadier, 3 Zweier und 2 Einer.

Denn schließlich fahren wir als Kanuclub zum Plauer See.

2 Lagen auf dem Anhänger waren noch frei, ganz oben!

Bei kurzem Durchgang durch die Bootshalle fielen unsere Blicke auf die Neuerwerbungen aus dem letzten Jahr, unsere SUP’s! "Die probieren wir mal aus in Plaue" schallte es aus allen Mündern. Gesagt, getan! Schnell war die obere Anhängerlage belegt.

 

Als wir dann Pfingstfreitag in Plaue eintrudelten, war das Wetter gar nicht paddelfreundlich. Recht starker Wind, in Kombination mit regelmäßigen Schauern. Nach dem Abendessen ließen beide nach, sodass wir die Einer für eine kurze Spritztour vorbei an der Plauer Marina und wieder zurück, fertig machten.

Der Samstag war, wettertechnisch gesehen, ein Reinfall. Wind, Regen und Kälte bestimmten fast den gesamten Tag. Damit war Wassersport nicht möglich.

 

Der Sonntag startete genau wie der Samstag. Nach dem Mittagessen, bestehend aus Schnitzel und frischem Brandenburger Spargel für alle, klarte es endlich auf. Cool, jetzt geht’s auf die Boards. Und los ging es.

Am Strand kam dann die Ernüchterung: Noch immer reichlich Wind und verdammt kalt (ca. 10’C).

Unsere beiden Sebastiane waren dadurch aber nicht zu bremsen. Beide gaben ihr Bestes und standen nach einiger Zeit zwar noch wackelig, aber stolz, auf den neuen Schmuckstücken. Die zahlreichen Zuschauer und Ratgeber hatten gut lachen am Ufer!

Ab und zu warf es unsere Tester dann doch vom SUP. Aber sie standen oder knieten kurz danach wieder "fest"auf den Beinen! Auch Kommandos ("Sebastian, Hose!!!!") vom Ufer, die etwas heruntergerutschten Badehosen betreffend wurden synchron von beiden umgesetzt. Reichlich durchgefroren gabs danach erst einmal eine Dusche bzw. eine Tasse Kaffee!

 

Der zweite Durchlauf startete dann am Abend. Jetzt wurden die Einer und die Boards genutzt, um den See wagemutig bis zur Rezeption unsicher zu machen. Diesmal klappte es schon deutlich besser.

Nur das Kurvenverhalten war verbesserungswürdig!

Aber das kriegen wir zu Hause auch noch hin. Zum Experimentieren war es uns hier zu kalt. 

Das war dann der krönende Abschluß dieses Pfingstwochenendes.

Damit steht den Fahrversuchen auf der Elbe nichts mehr im Weg.

Dazu aber später mehr.

*Fotos und Video: Susan Fischer und Martin Max*




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Kanuclub fördern leicht gemacht

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Sponsoren oder Förderer des Vereins zu finden, ist nicht leicht. Wer einmal "Klinken putzen" war, weiß wovon die Rede ist. Auch haftet der Aktion ein unangenehmer Hauch von Bettelei an. 

Der Online-Handelsriese Amazon bietet nun Jedermann eine Möglichkeit, seinen Lieblings-Verein finanziell zu unterstützen mit nur wenigen Klicks. Dabei übernimmt der Handelskonzern vollständig die Finanzierung der Spenden;  0,5% des getätigten Umsatzes. Das scheint nicht viel, doch Kleinvieh macht auch Mist und die Menge der potentiellen Förderer ist entscheidend. Jeder Einzelne kann bei seinem Einkauf über "Amazon Smile" unseren Verein unterstützen.

Seit Auflage des Spendenprogrammes flossen von Amazon bereits 12,6 Mio Euro an gemeinnützige  Organisationen. Nach einigen aufwendigen Beantragungsprozeduren ist es uns nun gelungen, Kanuclub Aken e.V. in dieses Förderprogramm aufnehmen zu lassen. 

Und so einfach funktioniert es:

Ihr meldet euch bei einem anstehenden Einkauf über den Link

smile.amazon.de

(den man übrigens in den eigenen Webbrowser integrieren kann) mit euren Amazon-Anmeldedaten an und könnt dort im Amazon-Kaufhaus shoppen.

 

0,5 % von eurer Einkaufssumme wird dem Konto des Kanuclubs Aken gutgeschrieben und durch Amazon überwiesen. Euer eigenes Budget bleibt unbelastet. Ihr könnt auch anderen Organisationen eure Gunst erweisen. Wählt einfach unter "Unterstützt wird ..." den entsprechenden Namen

 

Wer es noch einfacher mag, kann über unsere Webseite durch Klick auf das unten stehende Banner "Smile.Amazon" erreichen:

Wollt ihr, dass mehr Menschen von dieser Aktion erfahren, nutzt die Schaltflächen für eine Nachricht auf Twitter und/oder Facebook:

Ihr Beitrag wird Ihre Unterstützer zur Förderung Ihrer Organisation direkt mit smile.amazon.de verknüpfen.

Auf Facebook teilen

Ihr Tweet wird Ihre Unterstützer zur Förderung Ihrer Organisation direkt mit smile.amazon.de verknüpfen.

Tweet


 

Seid ihr mal in Kauflust und in den Weiten des Amazon-Imperiums unterwegs, nutzt die Gelegenheit für eine gute Tat. Am Jahresende kann Señor Dinero, der Herr über die Vereinskasse berichten, ob und wie sich die Beteiligung an dieser schönen Initiative ausgezahlt hat.

Die Redaktion



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Highway to well - Schnellstraße ins Vergnügen!

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von Mathias Döbbert

Seit August letzten Jahres wurde planiert und pausiert, die Richtung gepeilt, sich öfter beeilt, gebaggert und gerackert, geschwitzt bei der Hitz, gelacht und gefeixt, mit Material nicht gegeizt, der Weg abgesperrt und Kies breit gezerrt, Löcher gegraben, Asphalt aufgetragen, Rohre verlegt und die Straße gefegt, Steine geschichtet, ein Parkplatz errichtet. 

Nun ist sie fertig – die neue Schnellstraße vom Russendamm zum Bootshaus. Vorbei all der Frust vor der Lust. Keine Löcher zu umrunden, keine Pfützen zu vermeiden, keine Stöße mehr empfangen an Wirbeln und an Lenkerstangen. Nun geht's geradeaus ins Glück, zumindest doch ein gutes Stück.

Ein befestigter Parkplatz und eine asphaltierte Zufahrt direkt zum Eingangstor unseres Geländes sind weitere Boni der Straßenbauaktion. Vorausschauend verteilter Grassamen wird schon bald keimen und frisches Grün die Narben der Baulaster verdecken. Das Ergebnis kann sich sehen lassen und wertet unser Städtchen weiter auf. Es hilft nicht nur uns Akener Kanuten, problemloser unseren Heimathafen zu erreichen, sondern bietet auch unseren Gästen unbeschwerten Zugang zum Stadtzentrum.

 

Obwohl uns nun eine Schnellstraße ins Vergnügen zur Verfügung steht, sollten wir den „highway“ nicht als Rennstrecke missbrauchen. Durch Anfahrten in Wanderkanu-Geschwindigkeit wird er uns sicher lange erhalten bleiben. 

*Straßenbeschauer: Hubert Meyer und Mathias Döbbert*



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Jugendgruppe wagt den Wiedereinstieg

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von Thomas Berger und Mathias Döbbert

Noch ist das Wasser ziemlich kalt und ein unfreiwilliges Bad mehr als unerwünscht. Doch nach Monaten verordneter Zwangspause gab es nun kein Halten mehr. Die Lockerung der Corona-Auflagen für Sportvereine ermöglichte am vergangenen Mittwoch, einen Start des Trainings auf der Elbe. 

"Wir wollen trotz der recht frischen Temperaturen den Versuch wagen, wieder aufs Wasser zu gehen. Unsere letzte (und damals auch erste) Trainingseinheit in der Turnhalle war am 28.11.2020. Deshalb haben wir uns dazu durchgerungen, ab heute (10.03.) unseren Kindern und Jugendlichen auf freiwilliger Basis und unter Einhaltung der Abstands- und Hygienebedingungen das Paddeln auf der Elbe zu ermöglichen", kündigt Vorstandsmitglied und Übungsleiter Thomas Berger die Aktion an. 

Die Reaktionen von Kindern und Eltern waren vielversprechend. Chantale, Toni und Jannis signalisieren sofort: "Wir würden gerne kommen und mitmachen." Auch Mutti Anna hält es für eine gute Idee. "Gut, dass ihr keine Amateure seid", schreibt sie und meldet Tim sogleich fürs Training an. Auch wenn Vincent und Karl noch nicht kommen können, die Kellers finden: "Toll, dass ihr das Training anbietet. Viel Vergnügen!"

 

Dick verpackt in warme Sachen und die oligatorischen Schwimmwesten wagte man sich für eine erste Ausfahrt auf Wasser. Unter den aufmerksamen Blicken der Übungsleiter Thomas und Marko wurden die ersten Kilometer dieses Jahres absolviert. "Die Kinder sind froh, sich wieder bewegen zu können", ist Thomas  überzeugt.

 

Damit geht es ihnen wie vielen anderen Freizeitsportlern auch. Laut Statistischem Bundesamt war rund die Hälfte der Kinder und Jugendlichen in Deutschland durch die Corona-Pandemie und den Lockdown seit November vom Vereinssport abgeschnitten. 7,3 Millionen Mädchen und Jungen unter 18 waren zu Jahresbeginn 2020 in einem Sportverein organisiert. Insgesamt sind etwa 24,2 Millionen Frauen und Männer aller Altersgruppen Mitglieder in den 90.000 Sportvereinen der Republik - das sind 29,1 Prozent der Bevölkerung.

Es hat sich also ein Bewegungsstau gebildet, den es nun im Rahmen aller Vorsichtsmaßnahmen nach und nach aufzulösen gilt. Mit dem vorgezogenen Training ist ein erster Schritt  getan. "Schön!", "Super", "Prima" lauten die (wenn auch knappen), facebook-tauglichen Reaktionen der jungen Teilnehmer.

 

"Wenn das Wetter und die Anordnungen es zulassen, werden wir diesen frühzeitigen Saisonstart weiter aufrechterhalten, um unseren ausgeruhten Körpern die langersehnte Bewegung zu ermöglichen!",  ist folgerichtig Thomas' Fazit. 

*Fotos: Reiner Liebmann*



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... und Tschüss, Februar

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von Mathias Döbbert

Den Februar 2021 als durchwachsen zu bezeichnen, ist wahrlich eine Untertreibung. 

Anfangs wirkte noch ein milder Januar nach und Bilderbuchwetter mit Temperaturen im zweistelligen Plusbereich ließen die Winterpaddler frohlocken. Der Lockdown hat die Vereinsabende am Kamin unmöglich gemacht. Also trafen wir uns auf der Elbe - auf (Bootslängen)Abstand, versteht sich. 

Eine Woche später wurde Hochwasseralarm ausgerufen und der Pegel bewegte sich auf die kritische Marke von 5 Metern zu. Die Boote wurden in Sicherheit gebracht und man harrte der Dinge, die da (hoffentlich nicht) kommen sollten.

Doch es kam dicke und anders als erwartet. Die Temperaturen stürzten in den zweistelligen Minusbereich und eine Schneedecke überzog Ufer und Auen – ein Vorgang, der längst nicht mehr alljährlich ist. Reifkristalle tauchten Äste und Zweige in ein märchenhaftes Weiß. Für ein kurzes Wochenende wurden die Deiche zu Rodelbergen und selbst Schlittschuhlaufen auf dem Magdalenenteich war wieder einmal möglich! Eiskrausen an der Uferpromenade und den Baken markierten Pegelhöchststände.

So schnell, wie der Winter kam, war er auch schon wieder vorüber. Man konnte letzte Woche sogar (Über)Mu(e)tige in kurzen Hosen beobachten. Die Akener Ausflugswanderwelle entrollte sich entlang des Elbeufers und es hatte sich bereits herumgesprochen, dass asiatisches Ziergeflügel sich den einheimischen Stockenten angeschlossen hatte. Was würdest Du allein im Ausland tun?

Mit freundlichen Temperaturen, wenig Sonne, aber vor allem mit Windstille verabschiedet sich der "härteste" der Wintermonate. Noch ist die Elbe prall gefüllt mit Fluten, die an den Auenbäumen lecken und Bilder wie aus dem Zauberwald generieren.

 

Doch schon bald wird uns der März dauerhaft Frühlingsgefühle entlocken - mit einem Wiedererwachen der Natur und des Vereins.

 

*Fotos: Fam. Döbbert, Kirsten Worms, Reiner Liebmann*



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Vorbeugen ist besser als nach hinten fallen

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von Mathias Döbbert

El Capitano rief und die Mannschaft war zur Stelle. Gefühlte 30 Mitglieder mit 60 zupackenden Händen, vom Jugendlichen bis zum Rentner, waren erschienen - trotz Corona oder gerade deswegen. 

Der Elbepegel war in den vergangenen Tagen stak gestiegen und die  Prognosen weisen auf weiter steigende Wasserstände. Also machten wir uns daran, vorsoglich die Werkstatt flutsicher auszuräumen und die unten liegenden Kanus aus der Bootshalle in Sicherheit zu bringen.

 

Ein Teil der Flotte wanderte ins Vereinszimmer, ein anderer Teil wurde verladen und auf höheres Gelände verbracht. Uneinigkeit herrschte lediglich darüber, ob unser 11m lange Mannschaftscanadier "Stadt Aken" weggetragen oder in der Bootshalle zum "Freischwimmen" vorbereitet werden sollte.

Wer noch die Bilder der Zerstörung und die Erfahrungen der Flut von 2002 und 2013 kannte, plädierte für "Wegtragen". Kurzerhand hievten wir deshalb das ge(sch/w)ichtsträchtige Schiff auf die Terrasse.

 

Nicht ohne Schweißtreiben ging auch die Räumung des Stegs von Treibgut ab, welches sich verfangen hatte. Entschieden wurden jedoch alle Hemmnisse beseitigt.

Vielleicht war unser Einsatz nur ein prophylaktischer und der bittere Kelch geht an uns vorüber. Gleichwohl demonstrierten wir Entschlossenheit und Gemeinschaftssinn - eine solide Basis für einen gesunden Verein. 

*Fotos: Reiner Liebmann*




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Schöne Aussichten auf die neue Saison!

von Thomas Berger

Ich hatte uns bei „Scheine für Vereine“ von Radio Brocken und Coca Cola angemeldet, voller Hoffnung, 1.000 € für unseren Verein abzufassen! Einige Tage später kam ein Anruf von Radio Brocken, in dem ich über Details zu unserem Kanuclub ausgefragt wurde. Zum Schluss kam noch der Hinweis meines Gegenüber, doch in den nächsten Tagen die Morgenshow auf Radio Brocken einzuschalten, falls wir ausgewählt werden.

Dann hätten wir ein Zeitfenster von 3 Liedern, um uns im Studio telefonisch zu melden und 500 € schon einmal zu sichern.

 

Am Mittwoch, den 23. September, war es dann soweit. Kurz vor 07.00 Uhr wurde unser Kanuclub im Radio aufgerufen, sich umgehend zu melden. Wenige Sekunden später kamen schon erste  Hinweise per WhatsApp und Telefon von Freunden und Bekannten aus anderen Vereinen, welche selbst gehofft hatten, ausgelost zu werden, uns aber den Gewinn von Herzen gewünscht haben. Danke schon einmal, für diese tolle Unterstützung!!!

 

Ich wurde direkt live auf Sendung geschalten und musste den Fragen der super lockeren Moderatoren Amrei Gericke & Tilo Liebsch Rede und Antwort stehen.

Die Aufregung stieg von Minute zu Minute höher. Die beiden Moderatoren beruhigten mich und gaben mir die Möglichkeit im Radio den Aufruf zu starten, online zu voten, um die zusätzlichen 500 € drauflegen zu können. Dies ließ ich mir natürlich nicht zweimal sagen…

Weitere Aufrufe startete ich dann per WhatsApp und E-Mail an unsere Mitglieder, befreundete Vereine sowie natürlich an alle Freunde und Bekannte.

Aufgabe war es, 100 Mitstreiter zu finden, um in den Genuss des zusätzlichen Geldes zu kommen. Die Zeit wollte kaum vergehen, bis wir gegen 13.30 Uhr endlich genug Befürworter gefunden hatten!

 

Jetzt war es doch tatsächlich amtlich. Uns stehen 1.000 € zur Verfügung, um eine neue Sparte der Wasseraktivität für den Verein zu begrüßen. Die Ära der SUP's war nun auch in Aken an der Elbe angekommen. 

Die Formalitäten waren schnell geklärt und das Geld, zur Freude unseres Schatzmeisters Martin, noch schneller unserem Konto gutgeschrieben. Doch die nächste Herausforderung folgte prompt. Die Suche nach passenden Boards ging los.

 

Philipp und ich fuhren an einem Freitagnachmittag nach Bitterfeld, um eigentlich den Kauf neuer Vereins-Shirts zu besprechen. Im Gespräch mit Fr. Wilke, vom City Sport Wilke, kamen wir auch auf das Thema SUP Boards. Sie verwies uns auf ihren Mann Lutz, welcher auch der Vorsitzende des Sandersdorfer Kanuvereins ist.

Kurzentschlossen, wie wir halt so sind, fragten wir telefonisch an, ob und wann er Zeit finden würde, um uns Unbeholfenen zu beraten. Er bat uns ungezwungen sofort nach Sandersdorf zu kommen, um unsere Fragen zu besprechen.

In einem sehr offenen Gespräch bot er uns an, über sein Sportgeschäft Boards zu bestellen, da er selbst dabei war, diverse Boards für seinen und befreundete Vereine zu bestellen. Auf der Grundlage von mehreren Empfehlungen des erfahrenen Sportmann Lutz, überlegte ich mit Philipp hin und her, welche Boards für unseren Verein am besten geeignet wären. Nach letzten Absprachen im Vorstand wurde auch unsere Bestellung hinzugefügt.

 

Am 07. November kam dann die Nachricht aus Bitterfeld, dass unsere Boards zur Abholung bereit stehen. Mit letzten Tipps und einer Einladung zu den SUP Events des Sandersdorfer Kanuclubs verließen sie Bitterfeld in Richtung ihrer neuen Heimat an der Elbe. Kurzerhand habe ich die Boards aufgeblasen, um die wahre Größe der neuen Wassergeräte zu bestaunen.

Seit diesem Tag warten nun beide Boards darauf, dass die Temperaturen wieder steigen und wir unsere Neuanschaffungen ausgiebig testen können. Und nicht nur unsere Kanu-Jugend ist dazu angesprochen, sondern auch allen anderen Vereinsmitgliedern stehen die Boards natürlich zur Verfügung.

 

Ich möchte mich auf diesem Weg bei allen befreundeten Vereinen, sonstigen Unterstützern, Radio Brocken, Coca Cola und natürlich unseren Mitgliedern bedanken, die dies möglich gemacht haben. Nur zusammen konnten wir in dieser schweren Zeit den großen Gewinn für unseren Verein „erarbeiten“.

Ich bin stolz auf uns !!!!! 


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Der Wellenritt

von Mathias Döbbert

Kurz die Sonne war zu seh'n,

ergo wird der Tag noch schön.

Also tut man sich entschließen

eine Bootsfahrt zu genießen.

 

In Familie Capitano

steuert westwärts heut mit Manu.

Links und rechts das Ufer fern

und das sieht man gar nicht gern.

 

Freche Böen türmen Wellen.

Ja, da heißt es kräftig kellen.

Langsam sind die Arme schwer

Elbe wird zum tobend Meer.

 

Hätt' er doch 'nen Blick getan

in des Wetters Stundenplan,

Wind und Wolken wohl studiert

Kopf und Kragen nicht riskiert.

 

Leicht gerät ein Wellenritt

zum Canadier Kentertripp.

Letztlich steht's ihm im Gesicht, 

'ne Spazierfahrt war das nicht.



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Abpaddeln 2020 - Gem(einsam)

von Mathias Döbbert

Steht im Oktober das Abpaddeln an, ist die bange Frage  nach dem Wetter nicht unberechtigt. Seit Tagen hatte es gegossen und die Prognosen für die Veranstaltung an diesen Sonnabend Vormittag, den 17.10., schwankten zwischen vielleicht möglich und nahezu ausgeschlossen. Ein dunkler Wolkenteppich empfing am Bootshaus die Optimisten und kurzzeitiger Nieselregen ließ düstere Vorahnungen keimen.

Entsprechend verhalten war die Vorfreude und unserem Bootswart Thomas,  standen die Sorgenfalten ins Gesicht geschrieben. Trotzdem wurden die Zweier und Einer klar gemacht. Sitzproben und Fußrasten-Einstellungen gehören nun mal zu einer seriösen Vorbereitung.  Pünktlich zu Startbeginn waren alle Boote zu Wasser gelassen und das Feld dieser bunten Kanutengruppe zog sich schnell auseinander. 

Immer wieder sammelten sich einige Kajaks zum Pulk. Es wurde pausiert und parliert. Die fröhliche Konversation an Land und zu Wasser , die erzählten Geschichten und das gegenseitige Kennenlernen sind die Zutaten, die eine gemeinsame Ausfahrt des Vereins zum Leckerbissen machen. 

Wir passierten Steckby und die Fähre von Breitenhagen. Mit jedem gefahrenen Kilometer verstärkte sich die Gewissheit, dass uns Petrus dieses Mal keinen Strich durch die Rechnung machen würde, wenn auch ein durchgehend wolkenverhangener Himmel sich in Drohgebärde präsentierte  Im Grunde gab es aber kein Zurück. Die Fahrzeuge für den Rücktransport standen in Barby bereit, das Essen war bestellt und El Capitano persönlich hielt bereits die Sitzplätze frei in der Fährgaststätte Ronney.

Wir ließen die Paddel kreisen und uns manchmal auch treiben. Auenwaldszenen zogen vorbei. Die Buhnenfelder wechselten sich immer wieder mit geraden Abschnitten ab. Kormorane und Graureiher waren das einzige Publikum und die Herbstfarben der Bäume wollten im trüben Licht nicht strahlen. Eine Schwanenfamilie zog würdig ihre Bahnen und ergriff bei Reiners Annäherung zwecks Porträtierung die Flucht im Gruppenflug. Die Spitzengruppe unserer lockeren Kanukette blieb immer in Blickweite und so erreichte ich mitsamt der Nachhut nur kurz nach den Übrigen zuerst die Saalemündung und danach den Steg oberhalb der Fähre Barby. Hilfreiche Hände unterstützten beim Ausstieg aus unseren teilweise recht schmalen Rennern. Und noch bevor das letzte Kajak aus dem Wasser geborgen ward, wurden die ersten Boote bereits auf den Anhänger verladen. Es wurde gescherzt und allen Teilnehmern war die Erleichterung und Freude anzusehen, dass wir trocken und problemlos unser Ziel erreicht hatten. Möglicherweise schimmerte auch ein bisschen Vorfreude durch auf das zu erwartende gemeinsame Mittagessen. Die Liste der vorab wählbaren Speisen offerierte Gaumenfreuden.

Gern hätte ich einer Forelle "Müllerin Art" zugesprochen, zumal in angenehmer Gesellschaft. Doch Corona hat vieles verändert. Ich tat also, was ich für das Richtige hielt, verabschiedete mich von meine Clubkameraden, wendete "Majak" um 180 Grad und paddelte zurück nach Aken, während der Rest der Truppe die Fähre nach Ronney bestieg. 

Nun begann der Buhnenslalom gen Osten. Durch Treibgut stemmte ich mich den einfließenden Wassern der Saale entgegen und passierte alsbald deren Mündung. Hunger ließ mich jedoch nicht weit kommen. Oberhalb des Fährwarnzeichens plünderte ich meinen Packsack, der ein erstaunlich gut schmeckendes Leberwurstbrötchen, eine würzige Knackwurst und eine Thermoskanne nicht mehr allzu heißen Kaffee  preisgab. Keine Forelle mit Petersilienkartoffeln, aber immerhin es gab ein Dessert - eine Schokopraline.

Ich umrundete Buhne für Buhne und ließ mich vom Kehrstrom mitnehmen. In Breitenhagen erlebte ich dann eine Enttäuschung. Nicht nur, dass die Anfahrt zur Fähre ein langgezogenes, gerades  Ufer darstellte, die Fähre hatte auch ihren Betrieb eingestellt und musste in Strommitte weiträumig umfahren werden. Quasi als Belohnung folgten oberhalb wieder malerische Uferstillleben. Noch dominierte vor mir das düstere  Wolkengrau, doch am westlichen Horizont erschienen erste azurblaue Streifen mit schneeweißen Schäfchenwolken. Kilometer um Kilometer und Stunde um Stunde zog die schwermütige Tristesse ab nach Osten. Die Sonne brach sich endlich Bahn und ließ die Bäume und Angerwiesen in bunten Farben erstrahlen. 

In Licht getaucht ging mir das Paddeln nun viel leichter von der Hand und ich versuchte immer wieder, die sich mir bietenden Bilder mit der Kamera einzufangen. Zur Dämmerung zeigten sich schließlich Fuchs und Biber und so wurde das Abpaddeln für mich noch eine der schönsten Ausfahrten des Jahres. 

Zufrieden erreichte ich am Abend den heimischen Steg und war dankbar, dass mein Sportfreund Reiner am Bootshaus auf mich gewartet hatte und mich in Empfang nahm. 

*Fotos made by: Reiner Liebmann, Hubert Meyer und Mathias Döbbert*

Teil 1

Teil 2


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Herbstpaddeln

von Hubert Meyer

Herbstpaddel hat auch seine schönen Seiten. Hier sind ein paar Bilder vom Wetterumschwung zur Mittagszeit.


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Spreewaldfahrt 2020

von Alfred Mülller

Eine gelungene Auszeit im Mekka der Kanuten ...

In der Zeit vom 07. bis 09. September besuchten 9 Seniorinnen und Senioren mit ihren Booten den Spreewald. Ziel war der durch seine Slawenburg bekannte Ort Raddusch. Das Hotel war durch einen Nebenarm mit der Spree verbunden. Unsere Boote wurden direkt am Wasser abgelegt. Und unmittelbar nach unserer Anmeldung musste es eine kleine Probefahrt sein. Sofort kam Begeisterung auf für den Spreewald wie auch für das Hotel und die Vorfreude auf den kommenden Tag.

Ein reichliches Frühstück und herrlicher Sonnenschein waren die Voraussetzungen für die herrliche, 22 km lange, Paddeltour nach Burg. Stille (man konnte die Ruhe hören), herrlicher Laubwald, an den Ufern schlafende Bisamratten, gestakte Boote und viele Paddelboote waren unsere Begleiter. So erreichten wir den Hafen in Burg. Und auch hier - viele, viele Touristen. Es war ein wunderschöner Tag für Petra, Erika, Birgit, Christine, Harry, Hartmut, Günther, Alfred und Karl-Heinz. Am Abend gab es das wohlverdiente Bier.

Aus den Kreisen der Teilnehmer hörte man den Wunsch, man sollte schon mit der Planung für die Fahrt im kommenden Jahr beginnen.

Dem Fahrtenbuch des Kanuclubs werden 196 km gutgeschrieben.

*Fotos: Harry Schwenzel*


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Leipzig - ohne Rast und Ruh

von Mathias Döbbert

Die Fahrt auf Leipzigs Wasserstraßen ist ein Juwel im Sportkalender unseres Vereins. Am Stadthafen in Leipzig angekommen waren die Boote in Null Komma nix entladen. Kurze Einweisung,  und schon tauchten wir ein in die Leipziger  Wasserwelten der Weißen Elster.

Dieser herrliche Spätsommertag, der 12. September, versprach mit viel Sonne und angenehmen Temperaturen noch einmal, was der nahende Herbst nicht mehr würde halten können. Das müssen auch die Leipziger und ihre Gäste gespürt haben, denn der Andrang am und auf dem Wasser war riesig. Die Bootsverleiher fertigten ihre Kunden ab im Minutentakt. Es wimmelte nur so von Sonntagspaddlern, Leihbootfahrern, Stand-Up-Paddlern, Stadtrundfahrern, Kaffeefahrten-Fahrern, Ruderern, Motorbootfahrern, Profi- und Vereinspaddlern, Drachenbootfahrern und sogar einige Badegäste genossen den vermutlich letzten Sprung ins kühle Nass.

Unser Parcours zog sich entlang von Resten eines ehemaligen Auenwaldes, vorbei an diskret durch Bäume und Sträucher versteckten Jugendstilvillen. Wir passierten gläsernerne Bürokomplexe und (Wasser)Straßencafe's sowie aus ehemaligen Fabrik- und Lagerhäusern geschaffene Luxus-Wohnanlagen mit Balkonen, frei schwebend über der Weißen Elster mitten in der Innenstadt der Metropole. Niedrige Brückchen und schattige, verträumte Kanäle sowie der Anblick von dahingleitenden, venezianischen Gondeln boten allen Wasserwanderern Gelegenheit zu purer Entspannung.

Allein unsere muntere Gemeinschaft, in leuchtenden Vereinsshirts unschwer zu erkennen, schien heute von einer  gewissen Unruhe befallen. Waren es der Zeitdruck eines reservierten Mittagessens, die Aufholjagd nach einem durch Umleitungen und Stau verursachten späteren Start oder die wie Damoklesschwerter über einigen Sportfreunden schwebenden privaten Anschlußtermine, welche zeitweise eine gewisse Hektik verursachten?

Bootsrutsche gestrichen, keine Pause am Leipziger KanuClub, kein Ausfahren des romantischen Karl-Heine-Kanals und gereizte Stimmung beim Laden der Boote. Eine Ausfahrt, die zum "Seele baumeln lassen" verführen sollte - ein Hochglanzfilm im Zeitraffer? Genuss braucht Zeit.

Wer jedoch abschalten konnte, hatte an dieser Vereinsfahrt seine helle Freude. Wetter, Natur und Flair in perfekter Harmonie. Leipzig hatte wieder einmal nicht zu viel versprochen und ist sicherlich eine Wiederholung wert - mit Rast und Ruh.

*Schnappschussexperten: Thomas Berger, Reiner Liebmann, Franz Porsche und Martin Max*


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Havelfahrt 2020

von Alfred Mülller

Es war wieder schön... auf der Sommer-Canadier-Tour.

Die Tour begann am 01. Juli in Berlin-Spandau und endete am 07. Juli in Havelberg. Die Paddler mussten im Boot sitzend insgesamt 174,30 km (elektronisch gemessen) bewältigen. Dabei muss man bedenken, dass das Durchschnittsalter der Besatzung wiederum um ein Jahr gestiegen war. 

Über die Tagesziele Potsdam, Ketzin, Brandenburg, Plaue, Milow, Molkenberg haben wir bei hoher körperlicher Abnutzung das Ziel der Fahrt, die Stadt Havelberg, erreicht. Das Wetter hat uns wie immer begleitet, wobei diesmal der Wind der stärkste Begleiter war. Auch der Regen zeigte sich an eigen Tagen uns besonders zugeneigt. Aber Wetter hat man eben. Auch rücksichtslose (wenige) Motorbootfahrer mussten ertragen werden.

Diesmal ein besonderer Dank an unsere daheimgeblieben Frauen, denn alle Sportler waren mit genügend Geld ausgestattet.

Dank an den Organisator der Fahrt und auch an den Steuermann des Bootes für seine sehr gute Arbeit. Wie immer wurde die Fahrt unterstützt  u.a. durch unseren Förderer, die KWS SAAT SE.

Auch hat das Boot "Stadt Ake " den Bekanntheitsgrad unserer Heimatstadt Aken weiter erhöht.

*Fotos: Franz Porsche und Hubert  Meyer*


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Rügenrund - Reichlich Wasser unter'm Kiel - 3

von Mathias Döbbert

Tag 5: Thiessow – Zudar

Nach der Spazierfahrt von gestern war ich ziemlich sicher, dass nun das Gröbste überwunden sein würde. Entsprechend optimistisch nähere ich mich der Anhöhe von Klein Zicker. Das Dörfchen wirkt noch ganz verschlafen; um 8 Uhr früh – wen wundert's? Danach ist offenes Wasser angesagt; zwei Kilometer lang bis Mönchgut. Noch scheint der Rügensche Bodden zu schlafen. Als ich die gelben Steilufer von Mönchgut erreiche, ist der schlafende Riese jedoch erwacht. Von West frischt der Wind auf und hustet so manche scharfe Böe ab. Der Wellentanz beginnt. Mitten in der Fahrt reißt mir ein Windstoß die Wasserkarte vom Spitzdeck und befördert sie in die Fluten. Glücklicherweise sind die Seiten laminiert und schwimmfähig. Unter den erstaunten Blicken der ufernahen Wanderer drehe ich mehrere Pirouetten und fische mir die flüchtigen Folien aus dem Wasser. Auch wenn sie „Wasserkarten“ heißen, habe ich sie doch lieber im Trocknen an Bord.

Die nächsten 5 Kilometer quer über die Hagensche Wiek und die Harving werden zur Geduldsprobe. Den Westwind voll von der Seite schiebt sich „Majak“ von Wellenberg zu Wellental und nach gefühlt mehreren Stunden fahren wir in die Stresower Bucht ein. Die Insel Vilm scheint greifbar nah, doch die klare Luft täuscht. Sie ist so „nah“ wie eine Fata Morgana in der Wüste, mindestens jedoch 5 Kilometer entfernt. 

Die Freiwasserschlacht hat meine Energiereserven aufgebraucht und ich muss schleunigst für Nachschub sorgen. Im Windschatten der Insel Vilm lande ich am Strand in der Stresower Bucht an und finde sogar einen Picknick-Unterstand. Mit meinem Gasbrenner werde ich schnell zum Gourmet-Koch und nach zwanzig Minuten schon köchelt im Topf eine Instant-Suppe. In dem Bewusstsein, wieder 100g Gepäck verbraucht zu haben, löffele ich die heiße Brühe in mich rein und starte anschließend mit neuem Mut. 

Unterhalb des Rügenschen Festlandes bin ich noch einige Zeit vor dem Westwind geschützt. Ich ziehe an Vilm vorbei und bereite mich auf den Vorbeimarsch an Lauterbach vor, als von hinten ein Kanute zu mir aufschließt. Er ist in einem Seekajak unterwegs auf Tagestour. Als Senior mit ausreichend Zeit gesegnet, widmet er sich der Heimatkunde, macht Fotos der Küste und hält Vorträge bei der Volkshochschule. Wir kommen schnell ins Gespräch und fachsimpeln über Kanus und Ausrüstung, Routen und Umweltschutz. Interessiert lauscht er meinen bislang durchlebten, touristischen Erfahrungen während der Tour und gibt mir noch wertvolle Hinweise für die Weiterfahrt. Als er sich in Wreechen verabschiedet, haben wir, kaum dass ich es wahrgenommen, 5 Kilometer verklönt. Der Wind hat zum Abend hin abgenommen, doch Wolken sind zu einer dichten Decke zusammengerückt. Heute bekomme ich die Sonne nicht mehr zu sehen.

Malerisch ziehen sich die sandigen Uferstreifen ab Neukamp dahin und gehen dann in kilometerlange Schilfgürtel über. Als Letztes für heute überwinde ich die Flachwasser-Freifläche vor der Schoritzer Wiek. Das Ufer beim Campingplatz Pritzwald auf Zudar ist flach und sandig und ich kann bequem aussteigen. Ich bin nach 31 Kilometern zwar etwas wacklig auf den Beinen, aber die hiesige Tierwelt bringt mich schnell auf Trapp. Kaum bin ich an Land und habe im Kiefernwald begonnen, mein Zelt aufzubauen, werde ich von Millionen von Moskitos überfallen. 90 Prozent meiner Bewegungen dienen der Mückenabwehr, 10 Prozent dem Einrichten des Nachtlagers. Heute lasse ich mir das Abendbrot nicht von den Plagegeistern vermiesen. Ich werfe alle Sicherheitsbedenken über Bord ich koche mir im Zelt meinen Tee. Sollen die Biester durch das Gitter ruhig zuschauen!

Tag 6: Zudar – Stralsund/Devin

Heute steht die letzte Etappe auf dem Programm. Der Campingplatzverwalter erscheint pünktlich um 8.00 Uhr und knöpft mir den Übernachtungsobolus ab. Im Gegenzug möchte ich ihm die 2 Liter Spenderblut für die heimische Fauna in Rechnung stellen, aber so eine Position kann er in seinem PC-Programm nicht finden.

Hinter Teufels- und Schusterberg ist die Paddelwelt noch heil und bei leichter Brise ist Gelbes Ufer mein erstes Ziel. Diese Steiluferformation habe ich bald erreicht. Einige Bäume sind Opfer von Wind und Regen geworden. Ihr Sturz von den Klippen war vorprogrammiert. Vielleicht haben auch die Uferschwalben mit ihren Bruthöhlen bei der Erosion etwas nachgeholfen. Die steilen gelben Klippen sind beeindruckend und schon von Weitem auszumachen. Je flacher die Landzunge zwischen Greifswalder Bodden und Strelasund nun wird, desto heftiger bläst der Wind aus Süd-West. 

Die Wellen weit draußen brechen zu Schaumkronen und Windstärke jenseits von 5 scheint wahrscheinlich. Ich erreiche Palmer Ort an der Südspitze von Zudar und muß aufgeben. Wie sehr ich mich auch abmühe und das Paddel kreisen lasse, das Boot bewegt sich keinen Zentimeter voran, wird von den Wellen nur fortwährend hochgerissen und in die Tiefe gezogen. Ich stelle den Vortrieb ein und werde gleich 100-150 m vom Gegenwind zurückgedrückt. Ich klettere ans Ufer und will das Unwetter aussitzen. Als auch noch die ersten Tropfen fallen, baue geschwind das Zelt auf und bringe mich in Sicherheit. „Majak“ wartet geduldig am Ufer auf seine zweite Chance.

Nach ca. 1 Stunde rüttelt der Wind nicht mehr so heftig an den Zeltplanen und es scheint, als würde er nachlassen. „Hast dich wohl verausgabt!“, frohlocke ich. Meine Siebensachen sind schnell im Boot verstaut. Ich wage einen neuen Anlauf. Diesmal kann ich Palmer Ort bezwingen und paddele nun wieder im Strelasund. Die Flaute war jedoch von geringer Dauer. Der Süd-West hat locker 10 Kilometer Anlauf vom Greifswalder Festland bis zur Rügener Küste und schiebt jede Art von Wellen ungeniert auf mich zu.

„Neptuns Zähne“ beißen immer öfter zu und auch der „Götterzorn“ bricht viel zu oft über „Majak“ herein. Die großen Klatscher befördern Sundwasser über meinen Jackenkragen ins Bootsinnere, wo es sich am Rücken entlang bis zur Poritze seinen Weg bahnt.

 

Erstaunlicherweise schafft es kein noch so großer Seitentreffer, das Kajak zum Kentern zu bringen. Mein Faltboot hat durch seinen breiten Boden und die nach außen geschrägten Bordwände eine fantastische Kippstabilität. Außerdem ist einiges an Gepäck geladen, welches den Schwerpunkt tief unten hält. Dieser senkt sich jedoch mit jedem Schwapp, den ich kassiere, weiter ab. Die Bugspitze tauch immer häufiger in die erste Welle, statt über sie zu springen. Nach drei mühevollen Kilometern muss ich notlanden und das Boot entwässern. Bei dieser Gelegenheit wechsele ich die komplett nassen Klamotten gegen meine letzte trockene Garnitur und schlage ein Lager auf. Mein Rastplatz gleicht einem Zigeunerlager. Überall liegen und hängen Kleidung und Ausrüstung zum Trocknen. Die Zündhölzer waren trocken verpackt, so dass ich wenigstens den Kocher für eine Mahlzeit anwerfen kann. 

Alles Warten hat keinen Zweck. Der Wind, oder besser gesagt, der Sturm, will nicht nachlassen. Ich habe nicht die Absicht, an der Südküste von Zudar zu versauern, kratze alle noch zu findende Motivation zusammen und stürze mich abermals in die See. Entleert ist „Majak“ wieder springfreudiger und ich erreiche die Glewitzer Fähre.

Am Hafenbecken trifft mich das Chaos in Form von Kabbelwellen. Diese entstehen durch Reflexion an festen Flächen wie Betonwänden, Molen und Spundwänden. Jetzt sind Wellenvorhersagen nicht mehr möglich. Sie brechen von allen Seiten los und schaukeln sich gegenseitig auf. Die 100 Meter um den Fährhafen werden zu den schwersten meiner Karriere. Ich knüppele, was das Zeug hält, um nicht von der herannahenden Fähre überrollt oder ein Opfer der gierigen Fluten zu werden. Zu meinem Glück geschieht weder das Eine noch das Andere.

Doch nun muss ich schon wieder ans Ufer, um die Hektoliter Sundwasser aus dem Rumpf zu titschen. Trockene Kleidung ist passe. Jetzt lautet die Devise: Augen zu und durch. Immerhin habe ich bereits Kilometer 205 von 218 erreicht.

An eine Querung des Strelasund ist bislang nicht zu denken und das bereitet mir Kopfzerbrechen. Stralsund liegt nun mal auf der anderen Seite. Also hangele ich mich weiter am Rügenschen Ufer vor. Es müssen Stunden vergangen sein oder es wurde urplötzlich Abend, denn es geschieht ein Wunder. Der Wind läßt nach. Ich wittere meine Chance und halte auf das gegenüberliegende Festland zu. Die restliche Strecke möchte ich im Windschatten absolvieren. Kurz vor Niederhof, dem ausgewiesenen Wasserwanderrastplatz, an dem Kindheitserinnerungen hängen, wird der Sund spiegelglatt. Doch kein Licht ohne Schatten! Es setzt Nieselregen ein, der jede Hoffnung auf Trocknung zunichtemacht. Ich schleiche mit letzter Kraft um den (naturgeschützten) Deviner Haken und erreiche überglücklich den Start- und Zielsteg.

Fazit: Eine Rügenumrundung per Kajak beschert herrliche Erlebnisse, verlangt Einem aber auch allerhand ab. Man benötigt dafür ein gutes Boot, eine große Portion Humor und mindestens sieben Tage dauerhaft schönes Wetter. Doch wann gibt es die auf Rügen schon?


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Rügenrund - Reichlich Wasser unter'm Kiel - 2

von Mathias Döbbert

Tag 3: Dranske – Schaabe

Der Himmel hatte ein Einsehen. Ein sehr netter junger Mann an der Rezeption prüfte für mich den Wetterbericht. Kein Sturm in Sicht. Ich konnte die Umfahrung der Nordspitze von Rügen wagen. Das obligatorische Frühstück musste ich im Stehen einnehmen, denn auf Caravan-Campingplätzen gibt es keinen Bedarf mehr für rustikale Tischgruppen und Bänke.

Den eingesparten Platz kann man gewinnbringender für noch mehr Stellplätze verwenden. Jedes Wohnmobil hat schließlich seine eigenen Sessel und Klapptische dabei. Im Übrigen scheint das klassische Zelten längst aus der Mode zu sein. Die Zelter von gestern sind die Camper von heute.

Von Dranske aus paddele ich nun entlang der Steilküste. Der schmale Sandstreifen unter den Felskanten ist von Badegästen belagert, die mit ihren Windschützen und Strandmuscheln ein Band bunter Tupfer hinterlassen. Auf den Klippen stehen Bäume kurz davor, sich vom Hochufer in die Tiefe zu stürzen. Im Schatten der Küste kann mir der Ostwind bislang nichts anhaben und so komme ich gut voran. Ich muss nur ständig auf Findlinge achten, die unter der Wasseroberfläche auf mich zu warten scheinen. Bei Sonnenschein sind sie jedoch leicht auszumachen. Das klare Ostseewasser macht's möglich. Über 15 km zieht sich die Steilküste hin, bis sich mit zunehmender Brise und Wellengang Kap Arkona ankündigt. Die Landspitze ist schnell umrundet. Selbst ein paar Fotos zu knipsen ist möglich, auch wenn ich das Paddel dafür ungern aus der Hand lege. Der Leuchtturm ist von Westen her nicht zu sehen. Ein Blick zurück zeigt ihn dicht eingerahmt von hohen Bäumen.

Im Hafen von Vit herrscht reges Treiben. Urlauber sind in Scharen in das kleine Fischerdorf eingefallen. Cafes und Imbißbuden bieten Stärkung an. „Coffee to swim“ wäre jetzt nicht schlecht. Leider ist diese Geschäftsidee noch nicht geboren und ich strebe koffeinfrei weiter Richtung Süd-Südost.

Hier schlägt der Ostwind nun vollends zu. „Was, diese Nußschale hat es um Kap Arkona geschafft? Der werden wir es aber zeigen!“, höre ich die Wellen trotzig grollen. Erstmals seit Beginn meiner Tour türmen sich Wellen auf, die ihre Namen wert sind.

Da gibt es zum einen „Neptuns Zahn“. Sie taucht auf wie aus dem Nichts, reckt sich steil empor und fällt wieder in sich zusammen. Mit einer abrupten Bremsung oder ein paar kräftigen Paddelschlägen kann man ihr ausweichen. Sollte ihr Kamm einen längsseits erwischen, muss man kurz die Luft anhalten.

Eine andere Welle ist der sogenannte „Götterzorn“. Er taucht erst einmal tief hinab ins Wellental, wie um Luft zu holen und stemmt sich dann zu einer beeindruckenden breiten Front empor. Erwischt man diese Welle breitseitig schiebt sie einen meterweit in ihre Laufrichtung bevor sie lang ausatmend zusammensackt.

Sehr unbeliebt ist auch der „Kajakwender“. Für sich allein genommen ist die Welle eher unscheinbar. Sie arbeitet jedoch Hand in Hand mit dem Seitenwind. Dieser dirigiert das Kajak allmählich in eine günstige Position quer zur Windrichtung und der „Kajakwender“ vollendet dann mit einem gezielten Seitenhieb das unheilvolle Werk des Duos.

 

Das ständige Auf und Ab wird mir langsam zu anstrengend. Ich versuch an der beginnenden Schaabe den Campingplatz bei Juliusruh auszumachen. Immer wieder muss ich zu den Badenden ins Flachwasser fahren, um nach dem rechten Dünendurchgang zu fragen. Das bekommt „Majak“ und mir aber gar nicht gut, denn nun geraten wir in die Brandungswellen. Nicht hoch, aber kurz nacheinander brechen sie über dem Bootsrumpf zusammen und rollen über ihn hinweg. Mein Spritzdeck ist nur noch eine Formalität. Man könnte mich auswringen. Einen Platzregen, der alle Badegäste von Strand fegt, muss ich noch durchstehen, ehe ich das Freizeitcamp „Am Wasser“ erreiche. Pudelnass stehe ich vor dem Anmeldehäuschen, als sich wie zum Hohn die Sonne wieder aus den Wolken pellt. Eine (kurze) heiße Dusche später und in trockenen Sachen sieht die Welt schon wieder viel fröhlicher aus. Pfannenduft steigt mir in die Nase und ich gönne mir zum Ausklang des Tages einen großen Teller Bratkartoffeln mit Spiegelei in der Camper-Gaststätte.

Tag 4: Binz – Thiessow/Klein Zicker

Die nächste Etappe, die Umfahrung der Halbinsel Jasmund mit Stubbenkammer, Königsstuhl und Kreidefelsen, muss ich leider aussetzen. Sturm peitscht die See auf und jeder Versuch, es mit dem Faltbötchen zu wagen, wäre leichtsinnig und lebensgefährlich. Ich tue also das Vernünftige und lasse mich von meiner Mutter aus Binz abholen. Boot und Gepäck werden im Kofferraum sowie auf den umgeklappten Rücksitzen des Fiat 500 verstaut und vor meinen erstaunten Augen mutiert die Kleine Cabrio-Halbkugel zum Mini-LKW. 

 

Zwei Tage später hat sich das meteorologische To·hu·wa·bo·hu gelegt und ich setze am Fischerstrand von Binz „Majak“ wieder zusammen. Schaulustige beobachten das ungewöhnliche Vorhaben. Die Sonne lacht. Die See ist ruhig und strahlt türkisfarben. Ein schneller Blick zurück auf das Binzer Kurhaus und schon bin ich um die letzte Spitze des Prorer Wiek gebogen und außer Sichtweite.

Schon bald taucht die Silhouette von Sellin mit der unverkennbaren Seebrücke auf. Ich gleite ohne Hast unter ihr hindurch und nahtlos gehen die endlosen Sandstrände von Sellin, Baabe und Göhren ineinander über. Es geht eine schwache Brise, sodass Anfänger gefahrlos Kurse im Windsurfen absolvieren können. Ich umrunde „Nordperd“, die östlichste Landzunge der Insel Rügen. Reetdachhäuser ducken sich hinter die Dünen. Strandkörbe reihen sich bis ans Ufer und die Strände sind bei diesem Supersommerwetter voll von Touristen. Fröhliches Kindergeschrei ist die übliche Geräuschkulisse. Vereinzelt kommen Schwimmer näher, doch ich halte vorsichtig Abstand.

Zum Aussteigen habe ich keine Lust, also nehme ich eine kleine Mahlzeit direkt im Boot ein. Sie besteht vor allem aus Müsliriegeln und Mineralwasser. Vorsorglich erneuere ich den Sonnenschutz im Gesicht. Alle anderen Körperteile sind gut verhüllt. Als ich Lobbe passiere spüre ich bereits die 20 absolvierten Kilometer in den Armen und im Rücken. Thiessow ist längst in Sicht, doch es gilt, noch den „Südperd“ zu knacken. Ich biege in den Greifswalder Bodden ein und schon 1000 m weiter befindet sich vor Klein Zicker der Campingplatz „Surf-Oase“. Der Platz ist einfach gehalten und voll von Wohnmobilen. Selbst hier bin ich ein Zelt-Exot. Meine Maggi-Suppe vom Gaskocher schlürfe ich genüßlich am (noch vorhandenen) Zeltplatztisch; zur Rechten der Zickersee und zur Linken der Bodden, wo friedlich die Abendsonne dem Horizont zustrebt.

Tag 5 folgt...



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Rügenrund - Reichlich Wasser unter'm Kiel - 1

von Mathias Döbbert

Am Freitagabend, den  26. Juni, trudelte ich bei der Verwandtschaft in Stralsund, OT Devin, mit Faltboot im Kofferraum und gefühlten 50 kg Gepäck ein. Die spontane Grillparty kam mir sehr gelegen, denn in meinem Packsack schlummerten für die nächsten Tage nur Tütensuppen und einige Kekse. Also tankte ich noch einmal Energy und Motivation und fieberte dem Start am nächsten Morgen entgegen. 

Tag 1: Stralsund – Ummanz 

Der Bootsaufbau geht flugs voran. Länger dauert schon das Verpacken von Bootswagen, Sackkarre, Zelt, Schlafsack und drei Packsäcken. Bei nahezu Windstille und Sonnenschein lege ich westwärts ab und kreuze den Strelasund in Richtung Rügendamm-Brücke. Hell strahlt die Fassade der ehemals Volkswerft. Jetzt darf ich nur nicht mit einem der Teilnehmer des an diesem Sonnabend stattfindenden Hiddensee-Marathons verwechselt werden, die zeitgleich von Stralsund aus zu einem 70 Kilometer-Kajak-Rennen gestartet waren. Der neue Rügendamm erhebt sich Ehrfurcht gebietend über dem ruhigen Wasser. Die Silhouette der Altstadt von Stralsund bleibt zurück; keine Profipaddler weit und breit zu sehen. Ich gleite an Altefähr vorbei und gönne mir eine erste Pause. Von neugierigen Badegästen werde ich kritisch gemustert. Man scheint hier jedoch Ungewöhnliches gewöhnt zu sein. Die Sonne steigt höher und die Hitze wird mörderisch. Ich sorge für Marscherleichterung und streife das schwarze Spritzdeck ab. Die Schwimmweste wird zur Rückenlehne umfunktioniert. Bei diesem Wetter ist mit Seenot eher nicht zu rechnen.

Nach einigen Kilometern endet der Strelasund und ich biege ein auf den Kubitzer Bodden. Schwaanensee. Schwäne haben sich entlang der Flachwasserlinie verteilt, aufgereiht wie auf einer weißen Perlenkette. Ich bin sekundenlang geneigt, 8-10 Kilometer quer über den Bodden zu paddeln. Verräterisch nah scheint das gegenüberliegende Ufer, doch mein Respekt vor dem offenen Wasser ist größer und auch die ausgewiesene Route meiner Wasserkarte lässt keinen Zweifel. Man fährt lieber 20 Kilometer herum. Bei Kilometer 16 (ab Rügendamm) sollte sich ein Rastplatz befinden. Leider kann ich ihn nicht finden und beschließe, das Mittagsbrot an einer kleinen Bucht einzunehmen. Weiter geht es Kilometer für Kilometer entlang nicht enden wollender Schilfgürtel, in denen es rauscht und raschelt. Die Insel Liebitz muss ich weiträumig umrunden, denn hier gilt absolutes Fahrverbot. Bereits 33 Kilometer in den Knochen werden allmählich die Arme schwer. Die Hitze klingt langsam ab und endlich erblicke ich nach Stunden monotoner Schilfbuchten ein neues Ziel – die Insel Heuwiese. 

Sie und der Wasserstreifen zwischen ihr und der Halbinsel Ummanz sind totales Naturschutzgebiet. Die direkte Abkürzung zur Halbinsel ist verboten. Ich füge mich den Gegebenheiten und steuere die Südspitze der „Heuwiese“ an, schleunigst die 2 Kilometer offenen Wassers zu überwinden. Auf der Insel herrscht Krieg. Bataillone von Kormoranen versuchen den Möwen mit schierer Überzahl die besten Brutplätze abzutrotzen. Diese jedoch sind wehrhaft und verteidigen jeden Zentimeter mit ohrenbetäubendem Lärm. Außerdem sind sie weniger furchtsam und lassen sich von einem dahergekommenen Paddler nicht aus der Ruhe bringen. Anders die Kormorane, die entlang meiner Route hastig die Flucht aufs Meer antreten. „Das ist unser Haus“, höre ich noch das Mantelmöwenpaar hinter mir zetern und wende mich für heute das letzte Mal dem offenen Gewässer zu. Nach 40 Kilometern Tagesleistung erreiche ich den Campingplatz Suhrendorf.

Ich finde eine gute Stelle zum Anlegen und quäle mich aus dem Kajak. Die Dame an der Rezeption ist jedoch unerbittlich. Keine Sonderwünsche! Ab zur Zeltwiese. Ich ziehe mit letzter Kraft „Majak“ 100 m am Ufer entlang durch modriges Seegras und schleppe Packstück für Packstück hinter die Dünung. Mein Wurfzelt ist schnell aufgebaut, auch wenn es länger als die beworbenen 2 Sekunden dauert. Ich kann noch die Vorzüge der Zivilisation genießen und gönne mir eine heiße Dusche – 3 Minuten lang. Danach ist die Duschmarke aufgebraucht. 

Die Dämmerung bricht urplötzlich herein und eine Wolke von Mücken stürzt sich auf mich. Mit einem Hechtsprung rette ich mich ins Zelt hinter das dichte Insektengitter. Die Blutsauger wurden um ihr sicher geglaubtes Abendbrot gebracht und ich um eine heiße Maggi-Hühnersuppe, denn im Zelt wage ich es nicht, den Gaskocher anzuwerfen. 

Tag 2: Ummanz – Dranske

Sechs Uhr früh ist die Stunde der Hasen, die ungeniert zwischen den Schlafmobilen hin und her hoppeln. Die Camper liegen in tiefem Schlaf in ihren Wohnburgen. Der Campingplatz ist noch wie ausgestorben. Ich kann in aller Ruhe die Zelte abreißen, das Boot packen und gemütlich frühstücken, denn vor Acht ist die Rezeption nicht besetzt. Die Windfahne zappelt nur müde am Mast. 

Als alle Formalitäten erledigt sind, setze ich meinen Wasserweg mit halber Kraft Richtung Norden fort. Ab heute will ich es ruhiger angehen. Schließlich bin ich im Urlaub.

Der Küstenstreifen von Ummanz ist flach, nur 30-50 cm tief. Gengenüber liegt Hiddensee. Die weißen Häuschen von Neundorf sind am Horizont zu erkennen. Als die Sonne sich durch die Wolken bricht, spiegeln sich ihre Strahlen am Boden des Schapröder Boddens wie kleine Goldadern. Blasentang streckt seine gliedrigen Finger nach den Paddeln aus. Ich halte, vorbei am Udarser Wiek, auf die Südspitze der Insel Öhe, das „Schafshorn“, zu. Als Orientierung dient die Kirchturmspitze von Schaprode. Dort angekommen, werde ich promt von einem viel zu dick angezogenen Exemplar begrüßt.

Hafen und Strand von Schaprode bleiben zu meiner Rechten zurück und ich arbeite mich auf Seehof vor, dem Eingang zum Wieker Bodden. Fähren und Fahrgastschiffe durchqueren die schmale Fahrrinne zwischen Hiddensee und Festland. Nach „Stolper Haken“ eröffnet sich der Blick auf den Leuchtturm von Kloster (Hiddensee) am Bakenberg. Ein Fischer kontrolliert seine Reusen. Schnell ist er von einer Schaar Möwen umringt, die ihren Anteil am Fang fordern. Der Blick nach Backbord gestattet die Sicht auf den Yachthafen von Vitte (Hiddensee).

Am steinigen Ufer von Seehof möchte ich eine Pause einlegen. Früher gab es hier einen Caravanplatz, doch jetzt ist kein Campingmobil zu sehen. Schneller als ich das Wort „Aussteigen“ aussprechen kann, kommt eine Frau auf einem Rasentraktor angedüst. „Dies ist Privatbesitz und Aussteigen ist verboten!“, verkündet sie gebieterisch. Anscheinend handelt es sich um die Eigentümerin. „Es wird immer nur Müll hinterlassen“, begründet sie ihren verbalen Ausbruch und fügt hinzu: „Kajakfahrer sind sowieso die Schlimmsten.“ Argumentieren – aussichtslos. Am Ufer sind Schilder mit der Aufschrift „Vorsicht! Bissiger Hund“ aufgestellt. Sie hätten auch „Vorsicht! Bissige Besitzerin“ lauten können. Ich verlasse diesen unfreundlichen Ort steuere auf den „Bug“ zu. 

Mit einigen Segelbooten muss ich mir die Fahrrinne teilen, denn links und rechts davon gilt wieder absolutes Fahrverbot. Nach 7 langen Kilometern kann ich endlich hinter dem Nationalpark am Bug an Land gehen. Schon aus gekränktem Stolz sammle ich demonstrativ am menschenleeren Strand ein paar Plasteflaschen in meinen Gelben Sack. Ehemals militärisches Sperrgebiet der NVA ist die Halbinsel nun ökologisches Sperrgebiet. Zeit für eine Mittagspause. Der Strandhafer und die Sanddiestel blühen am verlassenen Dünenaufgang. Ich koche mir ein Süppchen und plündere meinen Proviantbeutel. Nur noch 4 Kilometer bis zum Tagesziel. Es ist früher Nachmittag und ich nutze die Gelegenheit für ein Bad in der salzigen Ostsee. Ich bin noch keine 500 Meter weiter gepaddelt als plötzlich von Hiddensee aus dunkle Wolkenbänder auftauchen. Es fängt an zu regnen. Das ist eigentlich kein Grund anzuhalten, doch als sich die Schauer zu einem Platzregen ausweiten, der Wind auffrischt und Donnergrollen einsetzt, flüchte ich mich wieder an den Strand; Hauptsache raus aus dem Wasser. Als endlich das Zelt in der Düne aufgebaut ist und einige Sachen ins Trockene gerettet sind, bin ich klitschnass.

Eine Stunde später ist das Gewitter durchgezogen. Nur der Wind will nicht nachlassen. Ich reite die langen Wellen ab und hoffe, von diesen nicht auf die alten Holzbuhnen kurz unter der Wasseroberfläche geworfen zu werden. Endlich erreiche ich bei Kilometer 56 das Caravancamp Dranske. Mit „Majak“ auf dem Bootswagen, Sack und Pack erreiche ich die Anmeldung. „Wir nehmen hier keine Zelter“, ist das Erste, was ich zu hören bekomme. Ob das auch für angeschwemmte Schiffbrüchige gilt, möchte ich wissen. Man läßt sich erweichen. Der Chef sieht's ungern. „Das bringt nur Ärger“, kann ich förmlich seine Gedanken lesen. „Aber nur für eine Nacht, dann müssen Sie weiter“, wird mir ans Herz gelegt. Ich versichere, dass dies meine tiefste Absicht sei, wenn nur der Wind abnehmen würde.


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Umbau in der Bootshalle

von Mathias Döbbert

Der Umbau der Bootshalle war seit langem geplant. Platz für neue Boote wurde dringend gebraucht. Über unseren Sportfreund Alfred Hädicke wurde das Material geordert und beschafft. Dann kam Corona und der Umbau erst einmal zum Erliegen. 

Am Sonntag nun konnten die Arbeiten beginnen. Eine gut eingespielte Expertengruppe nahm sich der Sache an. Tage zuvor waren von Thomas Berger und Hubert Meyer Rohre auf Länge geschnitten worden. 

Doch als Erstes galt es, die Halle frei zu räumen und Baufreiheit zu schaffen. Die Kanus wurden im Freien deponiert und die alten Halterungen demontiert.

Jetzt wurde gepeilt und gemessen, gebohrt und gestemmt und geschraubt ungehemmt. Die Pfeiler verankert, die Träger gerichtet, die Rohre mit gelben Kappen abgedichtet. Lage um Lage es wächst das Gestänge. Am Ende ist die Halle ist gar nicht so enge. Denn trotz fünfzehn zusätzlicher Liegeplätze bleibt die Bootshalle gefühlt geräumig und gut begehbar. Und obwohl über Stunden hinweg wurde Großes bewegt, wird am Schluss die Halle noch ausgefegt. 

Unser Dank gilt den unermüdlichen Recken; kein Grund sich hinter Bescheidenheit zu verstecken. 

Es haben gewerkelt die Sportfreunde Thomas und Sebastian Berger, Thomas Fischer, Mario Niehoff, Hubert Meyer, Ralf Conrad, Marko Helmer, Philipp Niehoff und Freundin Julia. 

*Fotos: Reiner Liebmann und Marko Helmer*

*Video: Marko Helmer*



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Ein Kessel Buntes zu Pfingsten

von Mathias Döbbert

Zu Pfingsten gab es kein halten mehr. Von der Quarantäne-Leine gelassen schwärmten wir aus in alle Himmelsrichtungen, immer das Faltboot im Gepäck oder den Bootswagen im Schlepptau. Und so bot sich zu Pfingsten allen Aktiven ein buntes Programm an Erlebnissen und Eindrücken, die vermutlich noch lange nachwirken werden.

Die Traditionalisten zog es nach Plaue. Ca. 30 Akener Kanuten fielen wieder ins Brandenburgische ein. Mit Rad, Kajak und Kanadier erlebten sie bei schönstem Wetter lang vermisste Gemeinsamkeit an Land und zu Wasser.

Auch wenn das Campingplatz-Revier zeitweise von Graugänsen okkupiert war, ließen sich doch entspannte Ausfahrten entlang von Teichrosen auf dem Plauer See absolvieren. Für weiter entfernte Ziele wurde schon mal vom Boot aufs Rad umgestiegen.

Auch Rudi und Jürgen nutzten die Brandenburgische Seenlandschaft für ausgiebige Touren im Zweier. Bei seinen morgendlichen Solo-Spritztouren gab es für Rudi einige Überraschungen: Eine Horde Wildschweine schlug sich erschreckt ins Uferdickicht und mit einer Bisamratte konnte er fast Freundschaft schließen, denn sie begrüßte ihn allmorgendlich. 

Tierisch ging es auch bei Petra und Günter zu. Auf ihrem Weg von Aken nach Breitenhagen beobachteten sie einen Waschbären, der sich ohne Scheu am Ufer, die Hygieneregeln strikt beachtend, ausgiebig die Hände wusch. Am Ziel gönnte man sich dann noch die Erfrischungsgetränke Bier und Fassbrause. Bleibt zu erraten, wer von den Beiden zur Brause griff.

Reiner verbrachte die Pfingsttage im mecklenburgischen Wesenberg zwischen Woblitzsee und Schwanhavel, wo er sich mitunter durch das Unterholz zwängen musste. Ein unverhofftes Treffen in der Schleuse: Der Rüpelzahn vom Köthener Kanuclub. So klein ist die Welt!

Aber auch daheim nutzten wir die Gunst der Stunde. Andrea, Denis und Paul werteten die Feiertage mit einer Familien-Elbepartie auf. Günter und Martina stachen mit (See)Hund Lissy in See. Von Hartmut, Hubert, Alfred und Harry hätten wir nichts anderes erwartet. Sie sind ohnehin Dauergäste auf der Elbe zwischen Aken und Brambach und nicht nur an den schönen Tagen.

Ich schulterte meine Kamera, um auf dem Weg von Aken nach Dessau neue Fotomotive einzufangen und fand mich schon wenige Kilometer nach dem Start zwischen Bachstelzen und Regenpfeifern wieder. Bei Niedrigwasser haben sie in den Buhnenfeldern reichlich Auslauf. Pfingsten fanden sich dort auch Spuren anderer Besucher.


*Fotos: Manuela Hoppe, Roger Gründling, Fam. Fischer, Reiner Liebmann, Petra Weitsch, Günther Rudorff und Mathias Döbbert*


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Sambesi

von Mathias Döbbert

Wie wir aus zuverlässiger Quelle erfuhren, bereitet sich ein Sportfreund unseres Nachbarvereins, des Ruderclubs Aken, darauf vor, in Afrika auf dem Sambesi zu paddeln. Dies ist sicherlich spannend und aufregend, trieb uns jedoch auch ein paar Sorgenfalten ins Gesicht. Daher möchten wir dem glücklichen Wassersportler hier ein paar Zeilen mit auf den Weg geben.

*Der Sambesi (auch Zambezi oder Zambesi) ist nach Nil, Kongo und Niger mit 2.574 km Fließstrecke der viertlängste Fluss in Afrika und der größte afrikanische Strom, der in den Indischen Ozean fließt. Das Einzugsgebiet umfasst Gebiete in acht Staaten im südlichen Afrika und umfasst etwa 1,33 Mio km² (Quelle: Wikipedia).

 

** "Zwischen Sambia und Simbabwe – mit dem Kanu unterwegs auf dem Sambesi" von Jörg Kästner 2016:

"Mit Respekt und Abenteuerlust beginnt unsere Reise in Richtung südliches Afrika. Sengende Hitze und fantastische Sternenhimmel, Hippos, KrokodileElefanten und auch selten einmal Menschen erwarten uns." (Quelle: tui-berlin.de).



 Am Sambesi, hört ich sagen,

 Krokodile Paddler jagen.

 Und sie tun es nicht aus Spaß,

 nein, sie schätzen guten Fraß.

 

Leben nicht von Gras und Heu,

nehmen, was kommt, ganz ohne Scheu.

Auch ein Ruderer ab und an

 steht auf der Echsen Speiseplan.

 

Teils nach Tagen oder Stunden 

war manch Sportfreund schon verschwunden.

Alles was man von ihm fand,

war  Fitnessuhr nebst Gummiband.

 

Wasserwanderer gibt es schon

reichlich ab der Vorsaison.

Wenn das Opfer fett, nicht zäh,

wird das Kroko zum Gourmet.

 

Wen jedoch sie gern verschmähen,

sind Muskeltypen mit viel Sehnen.

Denn es ist nicht sehr erbaulich,

wenn das Futter schlecht verdaulich.

 

Darum kann man nur empfehlen,

vor der Reise sich zu stählen

im Fitnessstudio, Kraftsportclub –

Gelegenheit gibt es genug.

 

Ist man nicht mehr erste Sahne

in den Augen des Reptils,

lässt sich später gut berichten

Spannendes vom Reiseziel. 


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Grüppchenweise Himmelfahrt

von Mathias Döbbert

Auf Himmelfahrt freue ich mich jedes Jahr besonders. Die Vereinsausfahrt von Roßlau nach Aken mit einem Imbiss-Stopp in Brambach verspricht immer ausgelassene Fröhlichkeit, Spaß und Bewegung auf dem Wasser und an Land entlang der Elbe. Die Senioren lassen gewöhnlich erstmals den Mannschaftsrenner "Stadt Aken" zu Wasser nach einem halben Jahr Winterpause und auch ich nutze an diesem Tag gewöhnlich den närrischen Freiraum, um mich in Trappermanier im Indianerkanu "Maja" mit der Strömung treiben zu lassen. Alles ist wohlorganisiert und jeder weiß Bescheid.

Nicht so in diesem Jahr. Die Corona-Pandemie und die damit einhergehenden Beschränkungen hatten alles verändert. Selbst zu Himmelfahrt schleunigst in Kraft gesetzte Lockerungsverfügungen konnten Bedenken,  Sorgen und Ängste nicht einfach so wegwischen. Um so mehr vermisste ich vom Vorstand klare Ansagen und Konzepte, ob und wie unter den gegebenen Umständen Himmelfahrt trotzdem zu einem freudigen Erlebnis werden könnte. Der sonst üppig sprudelnde WhatsApp-Kanal schien zu diesem Thema wie ausgetrocknet.

 

Aus dem Buschfunk erfuhr ich zufällig, dass es anscheinend im Vorfeld grüppchenweise Arrangements gegeben haben sollte. Einige Sportfreunde wollte sich wie gewohnt von Roßlau flussabwärts bewegen. Ein Team gestandener Kanuten plante den Trip von Aken nach Breitenhagen einschließlich der notwendigen Logistik. Von all diesen Absprachen nichts ahnend, beschloss ich, den beliebten Ausflug als Solo-Tour zu unternehmen. Der Transportaufwand hielt sich in Grenzen, da ich vom Akener Bootshaus aus nach Dessau paddeln wollte und von dort aus wieder auf gleichem Wege zurück.

Bei schönstem Sonnenschein und völliger Flaute, sattelte ich mein Kajak und glitt in der Früh um 8 Uhr in die Unberührtheit des Morgens. Verhungern und verdursten würde ich nicht. Der Rucksack war prall gefüllt mit vitaminreicher, fettreicher, zuckerreicher und promillereicher Verpflegung. Die ersten Kilometer Fahrt unterschieden sich noch wenig von den üblichen Wochenendausflügen. Stille und friedliches Plätschern wurden nur vom beharrlichen Rufen liebestoller Kuckucks und dem hastigen Start schüchterner Kormorane durchbrochen.

 

Auffällig jedoch war die stetig ansteigende Anzahl von Anglern an den Buhnen. Fangleinen in alle Richtungen und über mehrere Buhnenfelder hinweg gespannt, geboten zu äußerster Vorsicht, wollte man nicht verschürt als kapitaler Hecht in einem der überdimensionierten Kescher landen. Dem heutigen Anlaß entsprechend war die Stimmung unter den Petrijüngern jedoch gelassen und auf fröhliche Zurufe erntete man freundliche Antworten.

An der Ausflugsgaststätte Brambach herrschte eisiges Schweigen. Hier, wo in den Vorjahren laute Musik aus Lausprecherboxen weithin Stimmung verbreitete und selbst am gegenüberliegenden Ufer einem noch der Duft frisch gegrillter Bratwürste in die Nase stieg, regte sich keine Menschenseele.

 

Trotz Niedrigwasser und versandeter Buhnenfelder, die weiträumig umfahren werden mussten, kam ich zügig voran. Einzelne Kanuten in 2er und 3er Gruppen kamen mir  jetzt häufiger entgegen und auch der parallel verlaufende Elberadweg füllte sich zusehends mit Bikern und Spaziergängern. Immer mehr von ihnen nahmen die von den Anglern noch nicht beanspruchten Sandstreifen in Beschlag und gönnten sich eine Verschnaufpause. Ganze Familienclans vom Großvater bis zum Pinscher nutzten das herrliche Wetter zum Freiluftvergnügen. 

 

Ich zog das Paddel weiter in stoischer Konstanz ein ums andere Mal durch die Fluten und näherte mich der Einfahrt zur Roßlauer Werft, als ich bekannte Gesichter auf mich zugleiten sah. Rudi und Jürgen näherten sich zum Schwatz und eine Weile glitt ich mit ihnen von der Strömung gezogen zurück Richtung Aken. Jetzt nun erfuhr ich Genaueres über die Vereinskollegen, welche sich die Tour ab Roßlau organisiert hatten.  Ich erwartete sie hinter jeder weiteren Biegung , doch erst in Sichtweite vom Kornhaus entdeckte ich die lustige Truppe, die augenscheinlich nicht weniger Spaß an Himmelfahrt hatte, als ich selbst. Mein gestecktes Ziel vor Augen setzte ich die Reise fort und passierte eine lautstarke und teilweise reichlich angeheiterte Menschenmenge unterhalb der bekannten Raststätte. Offenbar hatte es sich herumgesprochen, daß am Kiosk Ausschank zu erwarten sei.

Die belagerten Wiesen und das bunte Treiben ließen ein wenig vergessen, dass eigentlich noch immer ein gewisser Abstand gewahrt werden sollte und nostalgische Erinnerung an frühere Unbekümmertheit stellte sich ein. Nun war ich fast angekommen. Noch ein paar hundert Meter weiter landete ich am Behelfssteg der Junkers-Paddler an und traf auf Reiner, der gerade im Begriff war, sein Gummiboot aufzubauen. Seine Anstrengungen mit der Luftpumpe mussten ihn Unmengen an Kalorien gekostet haben, waren meine mitfühlenden Gedanken als mir urplötzlich bewusst wurde, dass ich selbst dringend Nachschub davon gebrauchen könnte. Die Mittagssonne hatte ihren Zenit erreicht und heizte mir ein. Da kam mir ein Plätzchen im Schatten gerade recht und so stürzte ich mich auf belegte Brote, Gemüse und Kuchen und spülte das Ganze mit Budweiser hinunter.

 

In Begleitung zweier Wasserwanderer aus Berlin und des Kanadier-Piloten Reiner startete ich Phase Zwei der Festtagsausflugs. Mit sehr wenig Paddelschlägen und sehr viel Konversation untereinander, mit Buhnenbesetzern und gleichgesinnten Elbegleitern, verankerten Sportbootfahrern, Ruderern vom  RCA, die aus Coswig zurückkehrten und Sonnentankern auf den Sandstränden erreichten wir nach Stunden den Heimatsteg.

 

Hier bot sich ein ungewöhnliches Schauspiel mit Dutzenden von  Anwesenden, Sportlern, Familien, Gästen, welches in schrillem Gegensatz zur verträumten Ruhe der letzten Quarantänewochen stand. Bald nach der glücklichen Ankunft am Bootshaus zog ich mich in die Schatten meines Heims zurück, um den Tag in trauter Zweisamkeit bei einer Tasse Kaffee ausklingen zu lassen. Die Sonne auf dem Wasser hatte mir zugesetzt und statt brennender Muskeln, die man nach 30 Kilometern und 45 Elbi erwarten sollte, glühte mein Gesicht. 

So sitze ich nun hier mit sonnenverbrannter Nase und wäge die Pros und Contras von Himmelfahrt ab. 

Lädiert, doch zufrieden kann ich feststellen: Die Pros sind eindeutig in der Überzahl!

*Fotos: Reiner Liebmann, Birgit Schulze und Mathias Döbbert*


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Das Überraschungskonzert

von Mathias Döbbert und Reiner Liebmann

Geisterspiele in der Bundesliga vor leeren Tribünen. Videoauftritte im Internet anstatt tosendem Applaus in prall gefüllten Opernhäusern. Not macht bekanntlich erfinderisch. Nun ist die neue Form künstlerischen Schaffens auch bei uns Wassersportlern angekommen.

Letzte Woche gab unser Alfredo-Quartett (Alfred, Günther, Peter und Harry) spontan eine Vorstellung ganz ohne Fans und Zuschauer. Jeder Akteur beherrschte sein Instrument virtuos, ob Schrauber oder Zange, Besen oder Bohrer. Satz für Satz wurde mit geübten Händen das sechsteilige Stück zusammengesetzt. Immer auf Bankabstand und doch Hand in Hand setzten sie Maß und hatten auch Spaß an der heimlichen Aktion, denn wann gab es das schon. Es wurde geschleppt und gezogen, gemessen, gebogen, gedreht und gedrückt, entstaubt und gerückt, gerichtet, verkeilt, verschnauft und verweilt. Das Werk zu bewundern steht jedem nun frei. Es ziert das Gelände an gewohnter Stelle und läutet endgültig die Freiluftsaison ein.

Wir Nutzer danken sehr den (Sitz)Kulturschaffenden in entspannter Haltung und mit hochgelegten Füßen.

 

Auch unsere Nachbarn waren derweil nicht untätig. In der Zeit des ruhenden Sportbetriebes haben sie ihre handwerklichen Fähigkeiten ausgegraben. Der Steg macht nun durch die neue Beplankung schon rein optisch einen guten Eindruck. 


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Die Rückkehr der Wasserratten

von Mathias Döbbert

Lockerungen bei den Ausgehbeschränkungen machen es möglich, gleichwohl die individuelle Sportbetätigung in unserem Ländle nie wirklich untersagt gewesen und der einsame Paddler in den Medien als Sinnbild des kontaktfreien Freizeitsportlers präsentiert worden war. Nach einmonatigem Dornröschenschlaf erwacht wieder behutsam das Leben im Verein. 

Wie sich zarte Triebe aus dem kalten Winterboden drängen, treibt es uns Wasserwanderer mit reichlich Abstand wieder in unser Element. In diesen Zeiten, in denen die Veranstaltungstermine unseres Sportplanes zerplatzen wie Seifenblasen, gewinnen die Soloausfahrten ins Biosphärenreservat "Mittlere Elbe" deutlich an Gewicht. Die soziale Isolation zerrte an den Nerven. Manch einem fiel daheim womöglich schon die Decke auf den Kopf und wieder Andere fanden im Garten einfach kein Unkraut mehr. Da sind der Gleichschlag des Paddels an frischer Luft und das Frühjahrskonzert der Natur entlang der Elbe Balsam für die durch Corona geschundene Sportler-Seele.

Solange Ansammlungen vermieden und Hygieneregeln eingehalten werden, ist gegen individuelles Paddeln im Grunde nichts einzuwenden. Wir alle hoffen natürlich, dass wir den "normalen" Betrieb bald wieder aufnehmen können, mit Berg-, Himmel- und Sommerfahrt, Canadier-Training, Vereinsabend und Sommerfest. Bis dahin jedoch sind Soloaktivitäten angesagt. Während Hubert dem täglichen Frühsport im Helios frönt und Harry beginnt, den Winterspeck abzubauen, hat Alfred den vitalisierenden Alltagsrhythmus im Speed wieder aufgenommen. Hartmut trotz athletisch der Elbe Kilometer um Kilometer ab. Möglichkeiten, sich rund um den Kanusport zu betätigen, gibt es reichlich. 

Reiner, z.B., nutzte die Gunst des windigen Augenblicks für eine Segelbootpartie im Canadier.  

Die Fotomotiv-Jäger werden wieder fündig. Bachstelzen und Regenpfeiffer sind an die Elbeufer zurückgekehrt und der Kuckuck setzt einen Lockruf nach dem anderen ab. Auch Fuchs, Reh und Wildschwein läßt sich gelegentlich vom Wasser aus gut beobachten. Bei den Schafen gab es reichlich Nachwuchs und der ist schon von weitem zu hören. Ein seltener Gast in Aken, die Flussseeschwalbe, meist nur auf der Durchreise, nutzt die Tonnenspitze für eine Verschnaufpause. Im Schwarm tauchten am Sonntag die Kanuten von der Dessauer Junkers-Paddelgemeinschaft auf, welche unter Einhaltung der Abstandsregeln einen gemeinsamen Paddel-Abstecher nach Breitenhagen wagten.

Ob wir zu einer Normalität wie zu Vor-Corona-Zeiten zurückkehren können, ist ungewiss. Eines ist jedoch sicher: Kanufahren geht immer. Auf das "Wie" kommt es an.

In diesem Sinne - bleibt gesund und hydrophil.

Video: Reiner Liebmann,

Fotos: Reiner Liebmann und Mathias Döbbert



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Das Telefonat

von Mathias Döbbert

Nichts verdeutlicht den technischen Fortschritt der jüngsten Vergangenheit so anschaulich wie die Entwicklung des Telefons. Wurde die Erfindung Mitte des 19. Jahrhunderts noch als Sensation gefeiert, dominierte fast hundert Jahre lang das auf Kabellänge zwischen Hörer und Steckdose begrenzte Festnetztelefon die Fernkommunikation. Erst ab 1990 löste das Mobiltelefon, neudeutsch auch Handy genannt, einen Quantensprung in der Möglichkeit des verbalen Hin und Her aus. Ich erinnere mich noch gut an 1 stationäres Telefon pro Hausgemeinschaft, öffentliche Telefonzentralen und Anstehen an der Telefonzelle am Wochenende im Wohnviertel. 

Alles Schnee von gestern. Das smarte Gerät zum Telefonieren, Fotografieren, Internetsurfen und mehr steckt heutzutage in jeder Hosentasche, jeder Handtasche und sogar in jedem Schulranzen. Man kann sich von (fast) jedem Ort aus verbinden und ist auch nahezu überall erreichbar. Soziologen und Mediziner streiten zwar noch, ob das Handy Fluch oder Segen darstellt. Die Anzahl der Telefonate hat jedenfalls weltweit exponentiell zugenommen, wenn auch der Inhalt der modernen Kommunikation oftmals die These von der Schädlichkeit der gehirnaufweichenden Radiowellen zu untermauern scheint.

 

Natürlich bin ich ebenfalls im Besitz eines dieser kleinen Wunderwerke und es begleitet mich bei meinen Paddelausflügen in der Funktion einer Notrufzentrale. So gleite ich denn während einer sonntäglichen Morgenfahrt mit meinem Kayak die Elbe hinunter. Mittig in der Fahrrinne beschleunigt die Strömung der Elbe meine Reise zum Heimatsteg auf 6-7 Kilometern pro Stunde, flankiert von roten und grünen Fahrwassertonnen. Entspannt hänge ich meinen Gedanken nach, als mich ein Klingelton aus eben diesen reißt. Ich fingere das Handy aus dem Packsack und erblicke im Display das fröhliche Gesicht des Anrufers – meiner Gattin. Das Gespräch zu ignorieren wäre sowohl unschicklich als auch ungesund, von wegen des Haussegens und so. Außerdem könnte ja auch ein Notfall eingetreten sein. Ich schätze noch schnell den Abstand zur nächsten Tonne ein – ca. 1500 Meter. Das sollte reichen. Ich lege das Steuerpaddel ab und nehme das Gespräch an.

Ein Hauch von „Guten Morgen, Süßer“ dringt an mein Ohr. Ich atme auf. Kein Notfall. Offenbar haben wir uns soeben dem Bett entwunden. Fürsorglich erkundige ich mich nach dem werten Befinden. Zu meinem Bedauern muss ich von einer unruhigen Nacht, Schlaflosigkeit, Appetitlosigkeit, Kopfschmerz und einer Reihe weiterer Unbilden erfahren. In manchen Kulturen kommt spätestens nach 20 Minuten Unterhaltung die Sprache auf die finanzielle Situation und das Fehlen der Mittel für Strom, Wasser und Heizung, von Kleidung und Essen ganz zu schweigen. Nach weiteren 30 Minuten ist man gewillt, sein Portemonnaie zu zücken, um der bedürftigen Bevölkerung zu helfen. Die Deutschen haben offenbar genug zu essen, denn ihr Lieblingsthema sind ihre Leiden. Hat man sich mit einer mittelgroßen Gruppe von Personen ein weinig ausgetauscht, kann man getrost daran gehen, eine medizinische Enzyklopädie zu schreiben. Es dauerte also ein paar Minuten, bis sich die Aufzählung der morgendlichen Stimmungslage dem Ende näherte. Mit kurzen Kommentaren wie „a-ha“, „so so“ und „nicht zu fassen“ versuche ich, nicht unnötig Öl ins Feure zu schütten. Die Tonne ist inzwischen auf 1000 m herangerückt.

 

Als nächstes erkundigt sich meine holde Hälfte nach dem Wetter. Über das Wetter lässt sich vortrefflich palavern, ohne aus Versehen in ein Fettnäpfchen zu treten. Die auf dem Wasser gefühlte Temperatur wird penibel mit den Werten der hauseigenen Wetterstation abgeglichen. Hochkochende Emotionen wie „herrlicher Sonnenschein“ und „milde Wetterlage“ werden argwöhnisch zur Kenntnis genommen und mit der aktuellen Aussicht am Küchenfenster verglichen. Es folgen Nachforschungen zur der dem Wetter angepassten Kleiderordnung und Anweisungen bezüglich der Verwendung von Schal, Mütze und Handschuhen. Das Wasser ist zwar noch reichlich kalt in diesen Tagen, doch ich versichere wahrheitsgemäß, dass Kentern nicht in meinen Absichten liegt. Aus diesem Grunde beobachte ich aufmerksam, wie sich die grüne Fahrwassertonne weiter auf mich zubewegt. Ein 600-Meter-Abstand scheint noch nicht bedrohlich.

Es folgt der abschließende Sicherheitscheck, ob ich meine Schwimmweste angelegt habe. Das kann ich heute bejahen. Das hätte ich sowieso getan, denn noch kommunizieren wir nicht per Video-Chat. Und warum sollte man auch die Liebsten unnötig in Sorge versetzen? Das heikle Thema schnell zu wechseln, möchte ich wissen, was es denn daheim zum Frühstück geben wird. Die nun folgende Aufzählung klingt nicht verlockend: Das Brötchen zu alt, das Ei zu hart, die Marmelade zu süß. Allein der Kaffee scheint gelungen. Einen gedeckten Tisch mit Köstlichkeiten noch vor dem geistigen Auge reißt es mich plötzlich in die Realität zurück. Die Strömung treibt mich unerbittlich auf das grüne Hindernis, die Tonne auf backbord zu. Keine 300 Meter mehr bis zur Kollision.

 

Allmählich komme ich ins Schwitzen ob der drohenden Gefahr. Eigentlich müsste ich das Telefon zur Seite legen und das Paddel in die Hand, um den gefährlichen Kurs zu ändern. Andererseits erlaubt die gute Kinderstube nicht, ein Gespräch abrupt und unhöflich zu beenden, schon gar nicht, wenn ein geliebter und sensibler Mensch am Gegenstück ununterbrochen weiterredet. So treibe ich steuerlos weiter voran und hoffe, dass der Mitteilungsfluss in Kürze versiegt. Noch 200 Meter bis zum Aufprall.

In diesem Moment fällt in dem Monolog das magische Wort: Schwiegermutter. Nun ist eine Unterbrechung nicht mehr möglich und ich lasse alle Neuigkeiten über die Verwandtschaft unkommentiert an mir vorbeirauschen, das sich nähernde Ungeheuer im Blick. So eine Tonne kann locker 60 kg wiegen, rufe ich mir ins Gedächtnis, und ein Zusammenstoß mit 6-7 km/h dürfte fatale Folgen für ein so winziges Kayak wie das meine und dessen Fahrer haben. Werden in der Automobilindustrie nicht die Crashtests mit nur 10 km/h durchgeführt? Ich sehe mich bereits an der Stelle eines Dummys, eingeschlossen nicht in einer Stahlhülle, sondern umgeben von Hartplaste – quasi ein schwimmender Trabant ohne Airbags auf dem Weg zur Betonwand. Wie so etwas endet, kennt man ja aus dem Fernsehen. Noch 100 Meter bis zum harschen Stopp.

 

Glücklicherweise ist in der näheren Verwandtschaft nichts Wesentliches vorgefallen und der recht einseitige Informationsaustausch kommt ein paar Sekunden zum Erliegen. Ich ergreife meine Chance und erwähne wie beiläufig, dass ich die Fahrt jetzt wieder fortsetzen muss. Meiner besseren Hälfte ist offenbar der Gesprächsstoff ausgegangen und so endet das Telefonat mit einem besorgten “Bitte, gib auf dich acht!“. Genau das ist jetzt mein dringlichstes Anliegen, denn ein bereits tosendes Ungetüm rauscht auf mich zu. Noch 50 Meter bis zum Unvermeidlichen.

 

Ich lasse so schnell ich kann das Telefon ins Boot fallen und will nach dem Paddel greifen. Mir zittern vor Aufregung die Hände und die Bewegungen sind fahrig. Das Paddel rollt durch die hektische Aktion über den Süllrand ins Wasser. Das Herz pocht mir bis zum Halse und ich sehe mich mit meinem Boot um die Tonne wickeln. Nur noch 20 Meter bis zum Untergang.

Doch ich habe wieder einmal mehr Glück als Verstand. Das Paddel ging auf der der Strömung zugewandten Seite über Bord und wird nun von selbiger an das Boot gedrückt. Das Herz hämmert in meiner Brust, der Puls rast und literweise Adrenalin wird in den Kreislauf ausgeschüttet. Beherzt greife ich zu und angle mir das Steuerpaddel aus der Elbe. Mit zwei-drei Schlägen bringe ich das Kayak gerade noch rechtzeitig aus der Todeslinie und schieße an der Tonne und den gurgelnden Wasserwirbeln vorbei.

 

Puh! - das war noch einmal gut gegangen, versuche ich mich später zu beruhigen. Nicht umsonst sind Mobiltelefone im Straßenverkehr untersagt. Doch spätestens seit heute sollte auch auf den Wasserstraßen gelten: „Handy weg vom Steuer!“.

 

P.S.: Wochen später ließ ich zu Hause die Story in stark gemilderter Form durchsickern. Das Resultat? Seit Weihnachten bin ich stolzer Besitzer eines Funkkopfhörers, damit ich jederzeit Anrufe entgegennehmen kann, ohne das Paddel aus der Hand legen zu müssen. 


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Dzień dobry Polska - Guten Tag, Polen!

von Martin Schurz

Wieso eigentlich nach Polen?

Eine Dienstreise im November 1974 führte mich zum ersten Mal in unser Nachbarland, u.a. nach Krakow. Da unser Bus nach Kielce erst in 4 Stunden abfuhr, machten wir erst mal einen kleinen Stadtrundgang durch das schöne Krakow. Der Rynek Markt mit den Tuchhallen und der wunderschönen Marienkirche beeindruckte uns sehr. 

Weiter zum Wawel, dem alten Königsschloss, und dann, unterhalb des Wawels, lag sie auf einmal vor mir. Die Wisła, - zu Deutsch Weichsel - der polnische Nationalfluss und meine erste Begegnung mit ihm. Jedenfalls war es das erste Zusammentreffen mit diesem Fluss und meine Gedanken waren damals: Hier werde ich mal paddeln. Da unsere für etwa 4 Wochen geplante Dienstreise dann insgesamt ein Jahr dauerte, hatte ich in dieser Zeit an mehreren Stellen Begegnungen mit der Weichsel. Ausgesprochen wird der Flussname übrigens "Wiswa", denn das ł mit dem Querstrich wird immer wie ein W gesprochen.

Die Wisła ist mit einer Länge von 1.048 Km der längste Fluss in Polen. Für europäische Verhältnisse ist sie weitgehend unreguliert und naturbelassen. Was das bedeutet, kann man wirklich erst auf so einer Kajaktour erfahren. Das Inselgewimmel der mittleren Weichsel ist der Traum eines jeden Wildcampers.

Hilfreich ist natürlich auch ein Blick auf Google maps. Es gleicht schon einem kleinen Abenteuer, den hunderten von Inseln und Sandbänken auszuweichen und die ideale Fahrlinie zu finden. 

Im Jahr 2012 unternahm ich meine erste Fahrt auf der Weichsel; und zwar auf dem Mittellauf von Sandomierz nach Warszawa - eine Strecke von 237 km.

Dieses Mal sollte es nun von Warschau bis zur Mündung in die Ostsee, also nach Danzig Gdansk, gehen. Bei Flusskilometer 942 km mündet das Weichseldelta in die Ostsee. Start in Warschau bei 506 km ergibt also ungefähr eine Gesamtstrecke von 436 km. In zähen Verhandlungen ist es mir gelungen, drei Wochen für dieses Unternehmen frei zu bekommen. Danke dafür. Also los geht`s und nach 19 Tagesetappen wusste ich dann: Es war die bisher anstrengendste, aber auch eine der schönsten Wanderfahrten meines Lebens.

 

Die Anreise nach Warschau

Nachdem der 20 Jahre alte Skoda Oktavia mit Boot, Zelt und allem, was man so für eine Expedition benötigt, beladen war, ging es so gegen acht Uhr mit vielen Hinweisen von meiner Liebsten auf die Autobahn 4 nach Osten in Richtung Dresden Görlitz nach Polen und gegen 17 Uhr sah ich die Skyline von Warszawa vor mir. 

Im südöstlich gelegenen Ortsteil Wald kannte ich noch einen kleinen Sportboot Hafen der PTTK Organisation. PTTK ist die Abkürzung für die Polnische Gesellschaft für Tourismus und Heimatkunde und die hat beispielsweise an den Masurischen Seen viele Stützpunkte und Zeltplätze, speziell für Kanuten.

Die Formalitäten waren schnell erledigt, das Namiot Zelt und der RZ 85 Zweier Kajak schnell aufgebaut. Kurz zum kleinen Hafen runter und die Wisła begrüßt. Deutlich war zu bemerken: Der Pegelstand ist sehr niedrig. Naja, mein Tiefgang ist ja nur so etwa 10 cm. Mich überfielen, wie so oft abends am Wasser, die Mücken. Schnell ins Zelt und alle Schotten dicht. Eine richtig ruhige Nacht wurde es natürlich an der Peripherie von Warszawa nicht, da hinter dem Deich eine Schnellstraße entlangführt. Negativ sind mir nachts die vielen Polizei- und Krankenwagen aufgefallen, die natürlich alle schon mit den amerikanischen Signalsirenen ausgestattet sind. Ich kam mir vor wie bei Miami Vice.

Auf der Wisła Weichsel

Nach der ersten Nacht im Zelt wurde ich pünktlich gegen 6 Uhr durch die einsetzende Zeltheizung geweckt. Also erste Regel: Augen auf bei der Zeltplatzwahl oder man will sehr früh seine Etappe beginnen. Nach einem ausgiebigen Frühstück und einer vorläufig letzten Benutzung eines WC`s brachte ich das Boot auf der Slipanlage ins ruhige Hafenwasser. Nun also wieder das Stauen. Wie immer waren die wasserdichten Packsäcke (waterproof stuff bag`s) zu voll und zu dick. Vielleicht sollte ich in Zukunft disziplinierter bei der Menge meines Reisegepäcks sein. Zum Schluss mussten zwei Säcke auf dem Deck an der Reise teilnehmen. Mit ein paar kräftigen Paddelschlägen verließ ich den kleinen Hafen und die starke Strömung des breiten Stromes nahm mich mit Richtung Ostsee.

Nun dachte ich mir so: Kamera raus und gemütlich mehrere Kilometer an der polnischen Metropole vorbeifahren und Fotos machen. Doch, denkste! Bereits nach der zweiten Brücke sah das vor mir liegende Wasser ziemlich unruhig aus und trotz des Großstadtlärms war ein Rauschen ziemlich deutlich zu hören. Zum Glück ohne Grundberührung ging es mit ziemlich großer Geschwindigkeit durch diese Sohlschwelle (oder war es doch eine ganz schöne Stromschnelle?). Diese Art von Stromschnellen setzten sich in unterschiedlichen

Abständen bis 50 km vor der Mündung fort. Irgendwann wurde es ruhiger auf dem Fluss. Die Häuser wurden weniger und ich war auf einmal ganz allein in der Wildnis im Auenwald.

 

Am Nachmittag kam dann ganz schön Wind auf und der kam direkt aus Nordwest. Nach ungefähr 30 gepaddelten Kilometern schaute ich nach einer kleinen Insel aus, um mein Nachtlager aufzuschlagen. Das gelang relativ schnell in Sichtweit der kleinen Stadt Novy Dwor. Leider merkte ich erst im Laufe des Abends, dass in Nowy Dwor ein Flugplatz ist. Die deutlich als Ryanair auszumachenden Maschinen machten natürlich am Vorstart und beim Steigflug einen tüchtigen Lärm. Die Nacht war kurz.

Schnell wurde gefrühstückt, das Lager abgebrochen und das Boot gepackt. Diesmal musste nur noch ein Packsack auf dem Deck Platz nehmen. Die Hauptfahrtrichtung war heute nach West und der aufkommende Wind drehte leicht von NW auf W. Das Paddel fest ergriffen, nahm ich die nächste Etappe in Angriff. Im Durchschnitt ist der Fluss hier so etwa 200-400 m breit. Ich versuchte also, ein wenig dem Wind auszuweichen und mehr links oder rechts am Ufer zu fahren. Das war aber auch nicht so toll, denn die Strömung ist da viel geringer. Außerdem sitzen da auch gefühlte, tausende von Anglern, die ihre Wurfgeschosse von Ködern am liebsten bis zur Flussmitte werfen wollen. Ebenso beschloss ich, das Boot am nächsten Tag anders zu beladen. Ich brauche am Bug mehr Tiefgang, um bei einer Paddelunterbrechung nicht sofort um 180 Grad gedreht zu werden, denn der Wind sollte sich in den nächsten Tagen nicht verringern.

 

Nach einem weiteren, anstrengenden Tag mit ständigem Gegenwind in unterschiedlichen Stärken war meine Insel, auf der ich die nächste Nacht verbringen würde, schnell gefunden. Nach der Errichtung meiner Villa und Einrichtung derselben fiel mir sofort auf, dass Brennholz zum Kochen in sehr ausreichender Form förmlich bereit lag. Da es außer an zwei Tagen sonst überhaupt nicht regnete, war das Feuer ganz schnell bereit zum Kochen. Es gab Zucchini aus dem eigenen Garten mit Kartoffeln, Zwiebeln und Knoblauch. Auch etwas Speck und Schinken zur Kräfte-Regenerierung durften natürlich nicht fehlen. Nach dieser gutschmeckenden und stärkenden Mahlzeit gab es immer noch genügend Holz, um einen Tee zu kochen und mit heißem Wasser abwaschen zu können. Koch- und Lagerfeuer machen zu dürfen, ist übrigens ein Privileg, welches in unserem Nachbarland offensichtlich überall in der Natur geduldet wird; ebenso wie das freie Zelten.

 

Auf dem Fluss fiel mir plötzlich ein Ast mit Zweigen und Blättern auf, der sich schneller als die Strömung im Wasser bewegte und meiner Insel zustrebte. Er schwamm ans Ufer und der dazu gehörende Biber machte sich genüsslich über die Blätter und die Rinde her. Trotz einsetzender Dämmerung nahm ich meine Kamera mit dem Teleobjektiv und ging auf die Fotopirsch. Ich näherte mich etappenweise vorsichtig dem Biber und erst als ich 10m vor ihm war, ging er ins Wasser zurück und tauchte mit einem kräftigen Klatsch unter. Nach einer Weile taucht er natürlich etwas entfernt wieder auf und schwamm schnurstracks genau wieder zu der Stelle zurück, um seine Mahlzeit fortzusetzen. Er erzeugt zwar eine riesige Menge an Totholz, aber selbst kleinste Zweigstücke treiben auf Sand wieder aus und sorgen für eine schnelle Renaturierung.

Diese abendlichen Biber-Besuche fanden dann an jedem Abend auf der gesamten Strecke statt. Und das alles ohne Reservate und Naturschutzgebiete mit Uferbetretungsverbot. Was für ein schreckliches Wort für Wassersportler und Naturliebhaber. 

Am nächsten Morgen die übliche Zeremonie: In aller Ruhe frühstücken, das Lager abbrechen und stauen. Nach einigen Kilometern Fahrt tauchte am Horizont die Rauchfahne der größten Raffinerie des Landes auf, die dicke Rauchfahne sah sehr schweflig aus; zeigte mir jedoch Windrichtung und Stärke an. Die erste größere Stadt Płock war erreicht. Die Strömungsgeschwindigkeit nahm immer mehr ab und die Wisła wurde immer breiter. Ich hatte den 50 km langen und bis zu 2 km breiten Stausee erreicht. Die Nachtlager-Suche war nun etwas schwieriger, denn es gibt keine Inseln mehr wie bisher. Nach längerer Suche dann doch wieder ein kleiner Sandstrand; wie geschaffen für mich und auf der Ostseite mit morgendlicher Beschattung. Also mal schön ausschlafen am nächsten Morgen. Am Abend tobte noch ein Gewitter mit viel Regen, aber ich lag entspannt und trocken im Zelt und las das Buch „Reise zu den Polen“ von Steffen Möller.

Cześć Polska! - Hallo, Polen! 

Von Płock nach Gdańsk

Nach einer ruhigen Nacht und ohne sehr frühe Zeltheizung wurde ich trotzdem sehr frühzeitig durch ein sehr lautes Trompetensignal oder Heulen, geweckt. Kurz danach erfolgte ein etwas eigenartiges, sehr zeltnahes, lautes, hundeartiges Bellen. Kurz danach war wieder Ruhe und ich konnte mein großes Küchenmesser wieder weglegen und noch etwas weiterschlafen, denn es war erst 6 Uhr.

Nachdem ich mich dann doch endlich aus dem Zelt heraus bewegte, erfolgte wie an jedem Morgen die Spurensuche im Sand um mein Zelt herum, welche Art von Besuchern ich in der Nacht so hatte. Und was mussten meine Augen sehen? Ziemlich große Hundespuren immer rings um das Zelt die ins dichte Uferdickicht führten. Gut dachte ich, wer oder was es auch war, er ist ja offensichtlich weg. Also erstmal Kaffee kochen und frühstücken.

Doch he, wo ist die dritte Schraubdose von etwa 10 l Inhalt? Die große ca. 30 l Inhalt und eine kleine standen vor dem Zelt. Mein Lebensmittelvorrat ist in diesen Dosen verstaut. Beim Öffnen derselben stellte ich fest, dass die Haferflocken, das Brot, Butter und diverse andere Lebensmittel dort waren wo sie hingehörten. Aber in der nicht mehr auffindbaren Dose war der schöne Schwarzwälder Schinken, der Speck und einige Knackwürste mitsamt meiner Knoblauch-Vorräte. Stinksauer und Vorstellung von einer Hungersnot, so aß ich mein Frühstück und überlegte, wer der Räuber gewesen sein könnte.

 

Auf Grund der Größe der Fußspuren und der eigenartigen Geräusche kam ich zur Überzeugung, dass der Täter nur ein Wolf gewesen sein konnte. In Polen ist der Einwanderer aus Russland nämlich schon seit Jahrzehnten heimisch, im Gegensatz zu Deutschland. Es stellt sich für mich nur die Frage, ob Wölfe Rechtsgewinde kennen und in der Lage sind, den roten Schraubdeckel vom weißen Behälter abzuschrauben. Greifen und wegtragen funktioniert ja offensichtlich recht gut. Kaputtbeißen ginge wahrscheinlich auch. Hoffentlich findet der Räuber nach dem Verzehr des Inhalts auch eine Mülltonne um die Plastikreste zu entsorgen.

Da der Wind immer noch fast von vorn kam und natürlich auf dem breiten Stausee an Stärke zunahm versuchte ich mit dem mitgeführten Segel die Fortbewegung auf diese Weise. Kreuzenderweise war das auch eine Möglichkeit in ziemlich schneller Fahrt von einem Ufer an das andere zu kommen. Natürlich nahm auch die Höhe der Wellen zu, bis zu 50 cm. Das ganze machte mir zwar einen Heidenspaß, aber wenn man dadurch nur 2 bis 3 km in der Stunde vorankommt bringt es für ein weiteres Fortkommen auch nicht gerade viel. Also stramm weiter paddeln.

 

In einer kleinen Bucht ankerte eine kleine Segeljacht und davor fand ich eine geeignete Stelle zum Zelten. Da kannte ich aber Leszek Pichota noch nicht, denn der war sofort zur Stelle und nahm mich in Empfang. Im Hintergrund hörte ich die ganze Zeit schon Kruwkas Kühe muhen. Neben uns stand ein ehemaliger Militär Funkkoffer und diente Leszek als Unterkunft. Umgehend wurde ich aufgefordert, am großen, selbst gezimmerten Tisch Platz zu nehmen und ein großes Glas frischer Kuhmilch zu trinken. Dazu gab es selbst eingelegte Salzgurken und die leckeren Kruwka-Bonbons. Leszek wollte alles wissen was mich bewegte diese Tour zu machen. Wie selbstverständlich wurde ich natürlich auch zum Abendessen eingeladen. Natürlich durfte auch der delikate polnische Wodka nicht fehlen. Zum Glück holte mein neuer Freund Leszek eine Plastiktüte raus und entnahm ihr gefühlte 10 Tabletten, die er tapfer herunter schluckte. Als er mir noch einen Wodka anbot, aber wegen seiner Medikamente selbst keinen mehr trinken durfte, lehnte ich natürlich dankend ab. Anschließend bekam ich noch eine kleine Führung zu den Kühen und den Gemüsefeldern. Da es mittlerweile schon dunkel war, kam Leszek natürlich mit einer Taschenlampe zum Ufer leuchtete mir beim Zeltaufbau. Danach saßen wir noch ganz lange am Ufer und beobachteten einen wunderschönen Mondaufgang über dem Stausee.

Weiter ging's auf dem langen Stausee Richtung Włocławek zur Schleuse und dem Staudamm. Wie immer bei Gegenwind. Beim Schleusenmeister keine Chance auf Schleusung wegen Niedrigwasser. Bei etwa 13 m Höhenunterschied zwischen Ober- und Unterwasser würden natürlich ungefähr zehntausend Kubikmeter Wasser abfließen, denn die Schleusenkammer ist doch ziemlich groß. Nachdem mein Boot aus dem Wasser war und auf dem Bootswagen lag, konnte ich über das Schleusengelände und die Straße und etwa 500m Beton-Weg den Abstieg zum Wasser wagen. Wieder waren die Böschungen sehr steil. Ein ziemlich korpulenter Angler bot mir seine Hilfe an und hielt die Bootsleine. Aber leider sauste ihm die Bootsleine durch die Finger und er saß plötzlich unsanft auf dem Hintern. Das Boot sauste mit zunehmender Geschwindigkeit die Böschung herunter und schwamm dann mit untergeschnalltem Bootswagen im Wasser. Nach dem ersten Schreck konnte ich aber keine Schäden am Boot feststellen. Außer einer leichten Steiß Prellung ist auch dem hilfsbereiten Angler nichts passiert. Ich bedankte mich dziekuje bardzo bei ihm. Die ganze Aktion hat mir ungefähr eineinhalb Stunden schweißtreibende Arbeit beschert.

Am nächsten Tag, einem Sonntag, sollte mein Tagesziel die schöne alte Stadt Torun Thorn sein, bekannt durch den großen Sohn dieser Stadt - Nikolaus Kopernikus.

Nach einer Woche Wildnis machte ich mich landfein und vertäute mein Boot am offiziellen Kajaksteg. Der Kulturschock ließ nicht lange auf sich warten, denn ich war plötzlich inmitten von Menschenmassen. Auffällig war für mich die Häufung von Handy-Liebhabern, die von ihrer Umgebung nicht mehr viel wahrnehmen. Schade für die schöne Stadt mit ihrer wunderschönen Lage an der Wisla. Trotzdem fühlte ich mich von vielen Leuten beobachtet. Als ich mich in einer Schaufenster-Scheibe betrachtete, merkte ich auch, was so auffällig an mir war. Mein 20 Liter Faltwassertank hing leer an meiner Fototasche. Na gut, erstmal eine schöne Gaststätte

aufgesucht und ein schönes Steak bestellt, sowie ein schönes kühles Bier genossen. Nach einer Woche eigener Kochversuche genießt man doch ganz anders. Selbstverständlich führte mich die nette Kellnerin auch zu einer Wasserstelle, um meinen Tank mit frischem Trinkwasser zu füllen. Nach etwa 3 Stunden Landgang war ich dann aber auch froh, wieder in der freien Natur zu sein.

Ab Bydgoszcz, als dem westlichsten Ort meiner Fahrt fließt die Wisła erstmal ein gutes Stück in Nordostrichtung und dann fast in Nordrichtung der Ostsee entgegen. Ich frohlockte schon, endlich dem ständigen Gegenwind ein Schnäppchen zu schlagen und tatsächlich hatte ich ab Bydgoszcz den Wind von der Seite. Sofort den Mast gestellt und die Segel getakelt und die Post ging ab. Nach dieser windigen Etappe hatte ich zum ersten mal 60 km an einem Tag zurückgelegt, und konnte mich etwas erholen. Das Am Windsegeln erzeugt eben doch die höchste mögliche Geschwindigkeit. Nach diesem recht erfolgreichen Tag schaltete ich am Abend mein Handy ein um meinen Standort zu ermitteln und ein Lebenszeichen in die Heimat durch zu geben.

 

Als nächsten Etappenort erreichte ich am Abend Grudziadz Graudenz, eine von den etwas größeren Städten im Verlauf meiner Fahrt. Auf der rechten Flussseite waren schon die gewaltigen Bauten der Graudenzer Festung im roten Backstein Stil zu sehen. Sofort erkannte ich die Möglichkeit mit der untergehenden Sonne wunderbare Fotos der Festung zu machen.

Betrachtet man mal das Höhenprofil von Polen, so bemerkt man natürlich, das es sich weitgehend um eine große Tiefebene handelt. Das Riesengebirge, die Hohe Tatra und die Beskyden im Süden des Landes mal ausgenommen. Umso mehr erstaunten mich die in regelmäßigen Abständen, bis kurz vor der Mündung, vorhandenen Flussdurchbrüche. Einige Durchbrüche erinnerten mich im Aussehen an die Kliffe auf der Insel Rügen. Selbst in der Höhe über dem Wasserspiegel können es manche mit denen auf Rügen aufnehmen.

Ein näherkommendes Brummen eines Außenbordmotors erregte meine Aufmerksamkeit. Ein Zweier Canadier war mit einem Gestänge und einer Plattform mit einem schmalen Schwimmausleger verbunden. Auf der Plattform stand ein bequemer Sessel, hinter dem Sessel war der 1,5 PS Heckmotor befestigt. Das bemerkenswerteste jedoch war, das auch während der Fahrt auf der Plattform aufgebaute Zelt. Ein echter Erfindergeist, wie man ihn wahrscheinlich nur hier finden kann. Ein echtes Kajüt-Katamaran Boot mit dem der Bootsführer sicher auch viel Spaß hatte. Später erfuhr ich das solche Art von Fahrzeugen Pirogen genannt werden und in der Südsee von den Eingeborenen zum Fischfang verwendet wurden.

 

Etwa 5km vor der Mündung in die Ostsee bog ich links in die Martwa Wisła ab. Nach 10 km Fahrt erreichte ich den kleinen Neptun Jachtclub morski. Ein kleiner Segelboot Hafen im Danziger Vorort Gorki Zachodnie, etwa einen Kilometer vor der Mündung der Martwa Wisła in die Ostsee. Ich erkundigte mich beim Bosman, dem Hafenmeister, ob hier ein paar Übernachtungen möglich sind, was er bejahte. Nur müsste ich mich morgen früh beim Pan Kirownik, Herrn Direktor, melden. Dieser fühlte sich natürlich am nächsten Tag sehr geschmeichelt über die ehrfurchtsvolle Begrüßung meinerseits. Er übergab mir den Schlüssel für das große Eingangstor.

Damit war nun die Fahrt auf dem Wasserweg beendet.  

 

Do widzenia, Polska! - Auf Wiedersehen, Polen! 

Die Rückreise und einige allgemeine Bemerkungen

Mit dem Stadtbus ging es zum Bahnhof Gdansk Głowny, Danzig Hauptbahnhof. Ich bestieg den pünktlich einfahrenden ICE vom Typ Pendolino, Made in Italy - also mit Neigetechnik. Die PKP Polnische Staatsbahn hat ja nicht gerade den besten Ruf, belehrte mich jedoch diesmal eines Besseren. Der Zug war pik sauber und schnurrte nur so dahin. Selbst eine kleine Mahlzeit und Getränke gab es gratis.

Nach etwas über 3 Stunden erreichte ich Warszawa Zentralni den Warschauer Zentralbahnhof.

Für ca. 350 km entrichtete ich einen Fahrpreis von nur 160 Złoty (entspricht etwa 40 €). Beim ersten Tanken oder Einkaufen sowie im Gastronomiebereich bemerkt man natürlich sofort, dass hier ein deutlich niedrigeres Preisgefüge vorhanden ist. Natürlich ist das allgemeine Lohnniveau ebenfalls noch deutlich niedriger als in Deutschland.

Nach kurzem Fußweg erreichte ich den PTTK Hafen und die Weichsel, begrüßte freudig Lukasz, den Bosmanund meinen Oktavia, welcher sich wie selbstverständlich von mir starten ließ. Nach Entrichtung der recht hohen Parkgebühr fuhr ich entspannt wieder zurück nach Danzig, wo ich gegen 23:00 das Hafen Tor öffnen konnte.

Am nächsten Tag war natürlich noch eine ausführliche Stadtbesichtigung angezeigt. Das Geburtshaus von Günter  Grass undder Militärstützpunkt Westerplatte standen auf dem Programm. Den Rest des Tages verbrachte ich mit ausgiebigen Erkundungen der einfach wunderschönen Alt- und Rechtsstadt Danzig. 

Nach einem schönen, aber auch anstrengenden Tag kam ich wieder in meinem Hafen an, und wurde von dutzenden, im Hafenbecken schwimmenden Schwänen empfangen. Ich holte etwas Brot aus dem Zelt und veranstaltete noch eine kleine Fütterung.

Kulinarisch betrachtet dürfen einige spezielle Gerichte der polnischen Küche bei jedem Aufenthalt natürlich nicht fehlen. Dazu gehören Bigos, Piroggen, Borscht und diverse Fischgerichte. Nicht zu vergessen Placki Kartoffelpuffer und Nalesniki Eierkuchen. Zum ersten mal im Leben habe ich diesmal Flaki Flecke gegessen, also Innereien wie Pansen und ähnliches. Es schmeckte mir sehr gut.

Am nächsten Morgen waren Boot und Zelt schnell im Auto verstaut. Nun noch schnell zum Herrn Hafen-Direktor, um die Rechnung zu bezahlen. Aber der bewies eben auch die große Geste von polnischer Gastfreundschaft. Ich brauchte nichts zahlen. Er sagte: "Komme bald mal wieder und empfehle uns weiter", was ich hiermit natürlich gerne mache. Wir verabschiedeten uns herzlich voneinander mit der Gewissheit wieder mal gute Freunde gefunden zu haben.

Als Resümee dieser Fahrt kann ich allen Kanuten empfehlen: Überwindet eure vielleicht vorhandenen Vorurteile gegen unser Nachbarland und wagt eine wunderschöne Wanderfahrt auf einem der letzten europäischen Flüsse dieser Größe; weitgehend naturbelassen, ohne Binnenschifffahrt und vielleicht eine der letzten Traumrefugien in Mitteleuropa. Die Weichsel ist ein Fluss den man in seinem Leben als Wasserwanderer einmal gepaddelt haben sollte.

In diesem Sinne - Do widzenia, Polska, Auf Wiedersehen, Polen.

 

PS: Sicher habt ihr die teilweisen kursiv geschriebenen Textstellen bemerkt. Das soll ein kleiner Versuch zur Annäherung an die Sprache des Gastlandes sein. Danke auch an meinen Oktavia, nach insgesamt 250.000 km Fahrleistung wurde er nach glücklicher Ankunft in Weimar verschrottet.


--> Bei dem veröffentlichten Bericht handelt es sich um eine Kurzfassung der Tour. Die Beschreibung der gesamtem Reise steht rechts als Download zur Verfügung:

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Jugendweihnachtsfeier 2019

von Jan & Mika Kleske

Am 20.12.2019 hatten wir unsere Jugendweihnachtsfeier beim Schützenverein in Aken. Wir wurden um 16.00 Uhr von Herrn Busse und Frau Stautz empfangen. 

Es begann mit einer kleinen Einführung zum Thema Schießen, der eigenen Sicherheit und selbstverständlich der Sicherheit der anderen. Danach durften wir uns abwechselnd am Luftgewehr versuchen. Es wurden kleine Zielscheiben aufgehangen, auf die wir schießen sollten. Die Meisten von uns hatten sogar getroffen!!!! Die Älteren von unserer Jugendgruppe durften einmal mit einem großkalibrigen Gewehr schießen.

Nachdem wir alle unseren Spaß hatten, sind wir in das Vereinshaus vom Schützenverein gegangen und haben Abendbrot gegessen. Zum Essen, welches uns Fr. Stautz mit viel Liebe vorbereitete, gab es leckere Bockwürste mit verschiedenen Salaten. Als alle satt waren, spielten manche Brettspiele und die anderen konnten rausgehen und durften nochmal schießen. Dieses Mal schossen wir mit einer Kleinkaliberpistole.

Gegen 19.00 Uhr wurden wir dann abgeholt. Uns allen hat die Weihnachtsfeier sehr viel Spaß gemacht und gut gefallen. Ein großes Dankeschön für die freundliche Aufnahme und Bewirtung durch den Akener Schützenverein!

*Fotos Marko Helmer*


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Unfall. Was nun? Was tun?

von Mathias Döbbert

Die gestrige Lehrstunde in Sachen "Erste Hilfe" hat einem deutlich vor Augen geführt, dass nichts mehr ist, wie es war und nur die Veränderung eine konstante Größe bleibt. Umso gespannter lauschten wir den Jungen Damen vom Erste-Hilfe-Ortsverband Aken, wie man sich in einer Notsituation richtig verhält und kleine Schäden im Alltag fachgerecht erstversorgt. 

Was mit einer gemütlichen Kaffeerunde begann endete nicht in einer wüsten Schlägerei mit zahlreichen Verletzten, wie die beigefügten Bilder den Anschein erwecken. Vom Insektenstich über Schnitt-, Schürf- und Brandwunden, Finger-und Kopfverletzungen arbeiteten wir uns in zweieinhalb Stunden bis zu Knochenbrüchen und Bewusstlosigkeit vor. Die Referentinnen Elisabeth Reinicke und Sabrina Keil gaben kompetent und redegewandt Antworten auf jede noch so knifflige Frage.

Der perfekte Kopfverband beweist: Ist Alfred an Bord, ist man in guten Händen.

Praktische Übungen, wie das verblüffend einfache Anlegen eines Fingerkuppenpflasters oder das rutschfeste, strangulationsfreie Anbringen eines Kopfverbandes lockerten die "Vorlesung" auf und sorgten für allgemeine Heiterkeit ungeachtet des ernsten Themas.


Manche von uns, die ihren letzten Erste-Hilfe-Kurs vor 10, 20, 30 oder gar 50 Jahren absolvierten, mussten erstaunt feststellen, dass viele Weisheiten, Regeln und Empfehlungen heute im besten Fall nicht mehr nützlich, im schlimmsten Fall sogar schädlich sind. So waren zahlreiche A-ha-Erlebnisse an diesem Nachmittag die Folge. 

In der Ersten Hilfe wie auch anderswo gilt der Grundsatz: Wiederholung ist die Mutter der Weisheit! Die eigene Einnahme einer stabilen Seitenlage beim Einschlafen im Bett zum Beispiel stellt in der Regel kein Problem dar. Die gleiche Stabilisierung für einen Verletzten oder gar Ohnmächtigen zu erzielen, verlangt doch regelmäßige Übung und wurde von den Anwesenden im Bootshaus auch gleich einmal ausprobiert. Trotz des Konsums zahlreicher Seifenopern und Fernsehkost wie "Schwarzwaldklinik", "Grey's Anatomy ", "Klinik am Alex", "Emergency Room", "Doktor's Diary" usw. zog sich eine Aussage der Akener Expertinnen durch den gesamten Abend: Ersthelfer sind keine medizinischen Profis. Im Zweifel sollte man den Geschädigten immer ins Krankenhaus schaffen oder den Notarzt rufen.

Auch das Thema "Selbstschutz" wurde kontrovers diskutiert. Sollte man ein Unfallopfer aus einem schon qualmenden Auto bergen oder sich besser nicht selbst in Gefahr bringen? Soll man "Ein ganz normaler Held" sein wie Dustin Hoffman im gleichnamigen Film oder lieber auf Feuerwehr und Polizei warten? Dies ist gewiss eine Ermessensfrage jedes Einzelnen. Nur Wegsehen darf man nicht, denn das ist im Übrigen sogar strafbar. In Zeiten allgegenwärtiger Mobiltelefone ist zumindest ein Notfallanruf unter 112 für Jeden machbar.

So bleibt nach dieser informativen und lehrreichen Veranstaltung, Sabrina und Elisabeth herzlich zu danken für die unterhaltsame und materialintensive Unterweisung und zu hoffen, dass wir in einem (möglichst nie eintretenden) Ernstfall das Richtige tun werden.

*Bandagiert, doch engagiert beim Fotografieren: Fam. Haude, Thomas Fischer, Reiner Liebmann und Mathias Döbbert*


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Silvesterparty im Bootshaus

von Karin Lehr

Eine kleine, doch gemütliche Runde

Gezieltes Einschenken des selbstgemachten Kirschlikörs

Unser Geschichten-

erzähler Günther



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Silvester auf flinken Füßen

von Mathias Döbbert

Zu den Sportlern zähl ich nicht. Ein Marathon würde mich garantiert umbringen. Aber der jährliche Silvesterlauf rund um den Bürgersee ist eine feste Größe in meinem Kalender. 

Dieses Jahr konnte ich sogar meine Tochter zum Mitlaufen gewinnen. Ob der Freude an der Bewegung wegen oder des in Aussicht gestellten Glühweins im Ziel bleibt unklar. Die Beweggründe der Teilnehmer sind so unterschiedlich, wie die Läufer selbst. Allen scheint jedoch der Spaß in der Gemeinschaft und die fröhliche Atmosphäre am späten Morgen dieses letzten Tages des alten Jahres das Wichtigste zu sein. 

Die von Susan und Thomas Fischer initiierte und organisierte Aktion ist ein ausgesprochenes Freizeitvergnügen. Stoppuhren findet man heute nicht und nach Medaillen strebt auch niemand. Wer laufen möchte, der läuft; wer wandert, ist ebenfalls gern gesehen.

Mit einem kräftigen "Sport frei!" starten wir zur 1,7 km-Runde. Vater und Tochter in lockerem Trab. Wir genießen die frische Luft trotz der frischen vier Grad Temperatur. Es bleibt genug Luft übrig während des Laufs für einen Schwatz mit Martin. Ein Jahr gemeinsames Joggen mit Jens hat sich ausgezahlt. 

Zufrieden nähern wir uns dem Finish und werden von der Zielkamera erfasst. Ein Becher leckeren Glühweins, ausgeschenkt aus der Thermoskanne von Susan , ist das i-Tüpfelchen dieser gelungenen Veranstaltung.

Nachdem alle Teilnehmer wieder beisammenstehen und sich erholt haben, verabschieden wir uns mit "Guten Rutsch" und wissen: Nächstes Jahr sind wir wieder dabei. 

*Silvesterfotografen: Susan Fischer und Mathias Döbbert*



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Die Rhintour - Abenteuer und Romantik pur

von Reiner Liebmann

Wasserspender für dieses Paddelgewässer sind hinter dem Grienericksee weitere, eine ganze Seenkette, die wir letztes Jahr zur "22 Seentour" mit dem 11m Canadier "Stadt Aken (Elbe)" über eine Woche z.T. befahren haben. Wasserspender für dieses Paddelgewässer sind hinter dem Grienericksee weitere, eine ganze Seenkette, die wir letztes Jahr zur "22 Seentour" mit dem 11m Canadier "Stadt Aken (Elbe)" über eine Woche z.T. befahren haben.

Diesmal bin ich mit einem Leihboot vom "Rheinsberger Adventure Tours" gestartet. 

Mein Gummiboot blieb besser eingepackt, denn die zunehmende  - Verholzung des Gewässers - hat sich inzwischen bis zur Spree u. Elbe rumgesprochen. So werden Privatboote leichterer Bauart, mit einem Augenzwinkern gesagt, eher ferngehalten. Der frühere Einsatz von Canadiern mit Stechpaddeln, ist aus gut verständlichen Schutzgründen des z.T. sehr flachen Gewässers nicht mehr statthaft. 

Mit einem schweifenden Blick zum Wehr, Pegel und dem Verleiher beginnt die Fahrt von Rheinsberg nach Zippelförde mit einem Startfoto.


Bald umgeben vom herlich schmückend grünen Ufersaum, durch tief herunterhängende Äste mit Blätterschwaden, geht es an den ersten Hindernissen, sowie der nächsten Einsatzstelle, der "Gasthausbrauerei" und dem Bahnhof Rheinsberg vorbei. Sie wird von Einzelfahrern und dem nunmehr 3. Bootsverleiher im Revier, genutzt. 

Auf dem weiteren Abschnitt wird man unerwartet von Kunstwerken angesprochen, muss stets mit mehr oder weniger dicken Stämmen quer über und unter Wasser rechnen. Man weiß nie, was hinter der nächsten Biegung oder Krümmung einen erwartet. Von breit und flach, bis eng oder schmal und etwas tiefer, geht es entlang schmucker Wochenend - Grundstücke, im romantischen Umfeld.

 

Bald sind die letzten kleinen Stege passiert, da kommt ein größerer, mit unübersehbarer Aufforderung in Sicht. "Seid nett zum Rhin"! 

 


Da, die Dorfkirche von Zechow erscheint rechts. Aber Achtung - die nächste provisorische Fußgängerbrücke ist wohl nur für eingeweihte... oder Fuchs und Hasen!? Mit der Aufmerksamkeit zu diesem "Kuriosum" war ich abgelenkt, das nächste Hindernis kam und ich saß plötzlich, mit einem kleinen Ruck fest.

Meine zweibeinigen Nachbarn, in greifbarer Nähe, waren ob dieser Situation, nicht im geringsten beeindruckt oder gar gestört.  

Nicht mal ein Augenzwinkern oder etwa doch, 'en verschmitztes Entengrinsen, ich ahnte es zumindest!

Wer die größere Ruhe dabei bewahrte, konnte meine Linse ohne Mühe oder Hast, automatisch fokussiert und belichtet, dokumentieren. So zeigt sich mir, eine verblüffende, touristenerprobte "Rhin - Wildnis".


Am nächsten befestigten Rastplatz, hieß es nach ca. 2h, erst mal die Beine vertreten. 

Mit einem Bild der Kontraste, der alte morsche Wurzelstubben und das frische Schilfgrün am anderen Ufer, erscheint einem der Rhin als ein kleines unscheinbares Bächlein. Er kann jedoch soviel verblüffend schönes bieten, jeden in seinen natürlichen Bann ziehen und Wagehalsigen auch zu einem ungewollten erfrischendem Bad verhelfen!

 

So sind die Verleiher inzwischen mit z.T. 30-jähriger Erfahrung in der Branche voll darauf eingestellt, dass der eine oder andere zur Rückfahrt, nicht nur...  nicht trockenen Fußes - in den Kleinbus einsteigen kann!

 


Im 2.Teil  dieser insgesamt 16 km langen "Rhin - Abenteuer - Erlebnis - Tour" kam ich zwar mit als letzter an, begleitete aber eine arg kämpfende Besatzung, die ich als "alter Hase" auf dem Wasser auch sicher am Ziel angekommen sehen wollte. Es war Bootsmann Lu mit seiner Mama als Steuerfrau aus Dresden.

Welche Hindernisse uns auf der weiteren Strecke bis Zippelsförde erwarteten zeigen die folgenden Bilder. Mit Geduld und unerschrocken wurde von der Dresdener Besatzung der rote, stabile "Plast-Rhin-Kreuzer" durch das wilde und sehr naturbelassene, verholzte R h i n - R e v i e r navigiert.

So kommt es schon mal vor, dass eine andere Bootsbesatzung an den von Motorsägen freigeschnittenen "Zwangsdurchfahrten" ihren Kurs nicht schnell genug anpassen konnte und somit plötzlich quer im Bach vor der Passage und dem Bug der nachfolgenden Freizeitflotte den Anderen Verständnis und Geduld abverlangte. So konnte man zwar mitunter erschrockene Aufschreie, aber nie Schimpfworte, sondern stets helfende Hinweise oder humorvoll gemeinte Ratschläge hören. Es gibt eben auf dem Wasser wohl doch eine andere Atmosphäre und Umgangskultur als im Straßenverkehr. Dies habe ich zu beruflichen Zeiten nicht nur in Berlin doch des öfteren erleben müssen.

Eine sportkameradschaftliche Selbstverständlichkeit an der Umtragestelle war bei allen Freizeitkapitänen erkennbar. So kam der Wunsch nach digitalem Bildaustausch hier ohne Netz per Bluetooth zustande. Der kleine Kiosk war an dieser Stelle von vielen eine gern genutzte Gelegenheit, die Kräfte und den Mut zur Bewältigung der restlichen Strecke aufzutanken. So ging es bald frisch gestärkt und motiviert, auf die letzten hölzernen Hindernisse zu. Oftmals half es, die vorausfahrenden Boote gut zu beobachten,  um nötigenfalls das Unter- und Überwasserholz besser umschiffen zu können. Aufatmend und noch trocken wurde der Navigationshinweis auf das Ziel in 40 min. registriert.

 

Mit fröhlichem Gesicht und unerwartetem Besuch auf der für einen Moment abgelegten Kelle nahm eine Libelle meine Gastfreundschaft an. Die maritime Ruhe nutzte sie, so wie ich für einen Clip mit der Linse.


Sehnsüchtig von den Verleihern erwartet gingen nach einer 5-stündigen Tour, die Boote an Land. Auf der Rheinsberg-Rückfahrt erfuhr ich vom Busfahrer des Verleihers, dass es auf der Strecke heut' leider doch eine "Wasserung" gab, verursacht an einer Durchfahrtsblockade von Anderen.

 

Nun wird ein Handy mehr von Neptun abgehört.

Ich dachte so: "Oh-oh, die vielen schönen Bilder, das wäre doch sehr, sehr schade - oder?"