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Sommerfahrt Decin-Aken: Ansichten aus des Kaisers Beiboot - 8

GefĂ€llt👍7

von Mathias Döbbert

Tag 8: Coswig-Aken

In der FrĂŒh herrscht erst einmal Geburtstagswetter. Es regnet Gratulationen und heiter, sonnige WĂŒnsche. Ein MĂ€nnerchor singt im Morgengrauen eine altbekannte Weise.

Am Himmel hingegen ist im Osten nur kurz die Sonne zu sehen. Von Westen arbeitet sich eine blaugraue Wolkenfront vor. Von unserem Ă€rgsten Widersacher, dem Nordwestwind, ist glĂŒcklicherweise noch nichts zu spĂŒren. Als die ersten Regentropfen an die Scheiben des FrĂŒhstĂŒcksraumes klopfen, wird klar: Ohne RegenausrĂŒstung lĂ€uft heute nichts. Die FroschmĂ€nner der „Stadt Aken“ stĂŒrzen sich in die Fluten und den mittlerweile starken Schauer und verschwinden hinter der nĂ€chsten Biegung. Uwe in seiner „Koralle“ wartet bereits stoisch auf seinen Begleiter „Nero“. Ich greife zu Regenjacke und Pelerine und fingere das Spritzdeck aus der Luke des Vorschiffs. Regenwasser fĂŒllt unaufhörlich das Kajak und ich versuche angestrengt, die Anwendung des Spritzdecks zu ergrĂŒnden. Ich erinnere mich vage an die ErlĂ€uterungen von Stewardessen, dass man im Ernstfall die Schwimmhilfen ĂŒber den Kopf stĂŒlpen und die Gurte um die Taille legen soll. Ich ziehe mir also das Teil ĂŒber den Kopf und such nach den Gurten. Alles was ich finde, ist eine Art HosentrĂ€ger - keine Spur von irgendwelchen roten Griffen, an denen ich ziehen mĂŒsste. Auch die roten Röhrchen zum Aufblasen fehlen eindeutig. Mit den „HosentrĂ€gern“ allerdings weiß ich etwas anzufangen. Als Kind hatte ich mal welche. Ich straffe also die BĂ€nder, steige ins Boot und allmĂ€hlich erschließt sich mir die Technik des Regenwasserverhinderers. Ich ziehe die RĂ€nder ĂŒber den SĂŒllrand und siehe da, ich sitze (fast) im Trockenen. Alles Weitere ist Routine: Kapuze aufsetzen, Handschuhe anziehen und los. Uwe begrĂŒĂŸt mich erleichtert. Die Tropfen fallen fast senkrecht und schlagen lustige Blasen auf der WasseroberflĂ€che, die von der Bugwelle geteilt werden. Durch den Vorhang herab fallenden Wassers halten wir Ausschau nach unseren Renn(canadier)-Rentnern, können aber nichts ausmachen. Gemeinsam erreichen wir die AutobahnbrĂŒcke bei Vockerode. Dauerregen hindert uns nicht, treibend auf dem Fluss ein Kaffee-/Tee-PĂ€uschen einzulegen. Der einsame Ausflugsdampfer „Sunriver“ kommt uns entgegen. Er muss sich wohl verfahren haben, ein „Sonniger Fluss“ ist die Elbe zur Zeit nicht. Trotzdem winken die Passagiere fröhlich. Am Steg der Rosslauer Kanuten nehmen wir ein zweites FrĂŒhstĂŒck ein. Regentropfen verdĂŒnnen meinen Tee. Die Wolken freilich lichten sich zusehends und hinter der MuldemĂŒndung endet das feuchte „VergnĂŒgen“. Der Steg der Junkers’ Paddelfreunde lĂ€dt ein, die nassen Klamotten zu wechseln und sich die FĂŒĂŸe zu vertreten. Auf unserem Weg nach Aken wird uns die Wasserstraße bereitet. Die netten Herren vom Wasserstraßenamt loteten fĂŒr uns die Wassertiefe aus. Anschließend harkten sie sogar die WasseroberflĂ€che. Die Sonne hat inzwischen endgĂŒltig gesiegt. Unter ihren wĂ€rmenden Strahlen laufen wir glĂŒcklich in den Heimathafen ein. Starke HĂ€nde unserer Kameraden fassen zu und helfen bei der Landung. Bei einem Bierchen und einem Schluck Sekt auf das gelungene Ereignis endet die 10. Sommertour auf der Sitzecke, wo vor acht Tagen alles begann.

*Fotos by Mathias Döbbert*




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Kommentare: 1
  • #1

    Renate Döbbert (Sonntag, 23 Juli 2017 13:16)

    Die Reisebeschreibung der 8-tÀgigen Wasserwanderung hat mir sehr gut gefallen, humorvoll erzÀhlt und anschaulich mit vielen Bildern belegt. Besonders die Regionen im Elbsandstein-Gebirge weckten Erinnerungen an meine erste Urlaubsreise 1956 zusammen mit meiner Mutter. Danke, dass ich auf diesem Wege teilnehmen konnte!