Leipzig - ohne Rast und Ruh

von Mathias Döbbert

Eine Spazierfahrt durch Leipzig ist ein Juwel im Fahrtenkalender, welches keiner zusätzlichen Ausleuchtung bedarf. Die Wasserwege in der Innenstadt und an der Peripherie sind pulsierende Wasseradern, gesäumt von hinter verschwiegenen Bäumen halb verdeckten Jugendstilvillen, von Auwaldresten und Grünanlagen, von Backsteinbauten, Zeugen industrieller Geschichte und hypermodernen Luxuswohnanlagen mit Balkonen, frei schwebend über der Weißen Elster. 

Breite Kanäle, enge Seitenarme, rauschende Weere und Wasser-Prachtstraßen laden Scharen von Wassersportlern und Erholungssuchende in die grüne Lunge der  Stadt. Besonders zahlreich sind die Besucher an Wochenenden und gleichzeitig so herrlichen Spätsommertagen wie dem heutigen Sonnabend, den 12.09.2020. Sonne satt und Wohlfühltemperaturen um 25 Grad verursachten einen wahren Ansturm an Freiluftenthusiasten, welche sich die Gelegenheit eines Seelenbades nicht entgehen lassen wollten, bevor der Herbst mit Niesel-Piesel-Regen, Sturm und Bibber-Temperaturen endgültig das Zepter übernimmt.

 

Die Wasserwege waren gefüllt mit Vereinskanuten (wie wir z.B.), Sonntagspaddlern, Gelegenheitspaddlern, Einmalpaddlern, Profipaddlern, Familienausflüglern, Paddelfreunden, Ruderern, Motorbootfahrern, Stadtrundfahrern, Kaffeefahrtenfahrern, Drachenbootfahrern, Gondelfahrern und vereinzelt sogar Badelustigen. Die Kajaks und Kanadier der Bootsverleiher wechselten die Besatzungen quasi im Minutentakt. Überall herrschte freudige Erregung und gelassene Heiterkeit.

 

Allein unsere muntere Gemeinschaft, in leuchtenden Vereinsshirts unschwer zu erkennen, schien heute von einer  gewissen Unruhe befallen. Waren es der Zeitdruck eines reservierten Mittagessens, die Aufholjagd nach einem durch Umleitungen und Stau verursachten späteren Start oder die wie Damoklesschwerter über einigen Sportfreunden schwebenden privaten Anschlusstermine, welche zeitweise eine gewisse Hektik verursachten?

 

Bootsrutsche gestrichen, keine Pause am Leipziger KanuClub, kein Ausfahren des romantischen Karl-Heine-Kanals und gereizte Stimmung beim Laden der Boote. Eine Ausfahrt, die zum "Seele baumeln lassen" verführen sollte - ein Hochglanzfilm im Zeitraffer? Genuss braucht Zeit.

 

Wer jedoch abschalten konnte, hatte an dieser Vereinsfahrt seine helle Freude. Wetter, Natur und Flair in perfekter Harmonie. Leipzig hatte wieder einmal nicht zu viel versprochen und ist sicherlich eine Wiederholung wert - mit Rast und Ruh.

*Schnappschussexperten: Thomas Berger, Reiner Liebmann, Franz Porsche und Martin Max*


Kommentare: 1
  • #1

    Fred Schröder - Kanuclub Fan und Gastleser (Donnerstag, 17 September 2020 10:09)

    Toller Bericht über die"Wasserstadt Leipzig". Genau so habe ich es am 28. Juli erlebt, als ich vom Stadthafen aus an einer Motorboot-Rundfahrt "Klein Venedig" teilgenommen habe. Wer mehr über diese Wasserstraßen, den Hafen und die Entstehung des Karl-Heine -Kanal erfahren möchte , dem empfehle ich folgende MDR Sendung. Am Dienstag,15.September 2020 sendete der MDR um 21.00 Uhr : Der Osten - Entdecke wo du lebst. Leipzigs Traum vom Meer - Der große Kanal. Sollte man sich unbedingt in der Mediathek anschauen. Abschließend ein großes Kompliment an Mathias Döbbert, der Bericht und die Fotos sind ganz toll und könnten auch im Fernsehen gesendet werden.