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Fulda-Weser-Fahrt v. 02.-08.07.2016

von Kollektiv(=Team)bericht

Unsere Sommer-Wanderfahrt von Kassel nach Hameln ist vorbei. Sieben Tage und 162,6 Kilometer mit dem Canadier "Stadt Aken" und 3 Einern liegen hinter uns.  

Was bleibt sind noch recht frische Erinnerungen an eine Woche voller Bewegung und Erlebnisse. Diese wollen wir mit Euch teilen und veröffentlichen Tag für Tag einige Reiseimpressionen in Wort und Bild. Die Beiträge können gern ergänzt oder kommentiert werden, denn jeder hat schließlich seine eigene Meinung. Auch Anregungen, wie die Fahrt in Zukunft gestaltet werden sollte, sind immer willkommen.

Vorhang auf für Tag Nummer:

Tag 1 (02.07.2016) : Aken - Kassel (258 km über B6n)

Erwartungsvoll und pünktlich standen12 Senioren und 1 angehender Rentner mit Sack und Pack am Bootshaus bereit. Mit Großtaxi und einem VW, der so neu war, dass er noch nach Autohaus roch, starteten wir Richtung Kassel. Über dem Harz braute sich eine dunkle Wolkensuppe zusammen, die sich in Niedersachsen und Hessen in fröhlichen Regenschauern entlud. Auf dem Gelände des Kanuclubs Kassel wurden schnell die Boote entladen, damit wir uns dem kulturellen Teil des Tagesplans widmen konnten. Zielsicher brachte uns ein Bus hinauf zur Herkuleshöhe, wo eine 8,30 m hohe Bronzefigur auf ihrem Postament thronte. Unterhalb des sagenumwobenen Nackedeis hatten sich die hessischen Landgrafen im 17./18. Jahrhundert einen Naturpark mit imposanten Wasserspielen anlegen lassen, wofür eigens Flüsse des Weser Berglandes umgeleitet und angestaut wurden. Die Gipfelgaststätte wartete mit schmackhaftem Kuchen und freundlichem Personal auf. Die 200 Höhenmeter Abstieg entlang der leider in Rekonstruktion befindlichen Wasserkunstwerke erwiesen sich als knietechnisch-physische Herausforderung. Belohnt wurden unsere Anstrengungen mit wunderschönen Panorama-Ausblicken und Ansichten farbenfroher Gärten und altehrwürdiger Bäume. Eine verspielte Löwenburg und ein repräsentatives Schloss Wilhelmshöhe rundeten das Ensemble ab. Die Verkäuferin des Souvenierstandes am Schloss, orientiert an unseren USA-TShirts, bemühte sich redlich in radebrecht'schem Englisch, uns ihre Broschüren anzubieten. Schelmisch ließ Günter sie sich abstrampeln, bevor er sich schlussendlich als Germane zu erkennen gab. Nicht zuletzt mittels unserer Vereinskleidung wurde dem Werbe- und Reklameanliegen reichlich Genüge getan. Alle Kasselaner, Kasseler und Kassler, derer wir habhaft werden konnten, wurden aufgeklärt, wo die Elbe den bewussten (Akener) Haken schlägt.

Schwieriger gestaltete sich danach die Suche nach einer geeigneten Lokalität für unsere leicht knurrenden Mägen. Nach ausgiebigem Suchen in den Kasseler Nobelvierteln fanden wir uns letztlich in einer schönen Gaststätte des hiesigen Seniorenheims wieder:)

Der erste Tag unserer Wanderfahrt endete beim Mitfiebern mit der Deutschlandelf im Viertelfinalspiel der EM gegen Italien. Dabei kristallisierten sich unter den Teilnehmern unserer Kanutengruppe drei Fantypen heraus. Die FANATEN verfolgten das Spiel bis zum -„Gott sei Dank“ - nicht bitterem Ende nach Mitternacht, die INTERESSIERTEN verabschiedeten sich nach der regulären Spielzeit in ihre Betten und die DESINTERESSIERTEN ignorierten das Spiel schnarchend. Freude über den Sieg vereinte uns jedoch wieder am nächsten Morgen.    

 

*Fotos by Franz Porsche, Reinhard Liebmann, Peter Wendt, Alfred Müller und Mathias Döbbert*


Tag 2 (03.07.2016): Kassel - Hann. Münden (26,2 km)

 *Hann. Münden (früher Hannoversch Münden) ist eine Stadt im Landkreis Göttingen, südliches Niedersachsen, an der Grenze zu Hessen sowie unweit von Thüringen. Der Kernort ist ein staatlich anerkannter Erholungsort. In Hann. Münden befindet sich der Zusammenfluss von Werra und Fulda zur Weser. Deshalb wird die Stadt auch „Drei-Flüsse-Stadt“ genannt (Wikipedia). 

 

Erster Wasserkontakt. Die Kondition war bei allen Teilnehmern hervorragend, ungeachtet der Tatsache, dass unser Altersdurchschnitt weit über 70 lag. Bewundert wurde von allen die herrliche Flusslandschaft der Fulda. Reiher, Eisvögel und natürlich Schwäne mit ihren Jungtieren waren unsere Begleiter: ein wahres Paradies für Wassertouristen, die ihre Boote per Hand antreiben. Wehmütig denkt man an das eingeschränkte Befahren der Mulde mit Sportbooten in Sachsen-Anhalt. Was für eine vergebene Chance! Aber: Sachsen-Anhalt steht dennoch später auf. 

Diese erste Etappe wartete mit einigen Hindernissen auf. Zur ersten Pause nach den ersten acht Kilometern ließen wir uns im Cafe „Roter Kater“ nieder, um erste Schwitzwasserverluste mit einem gepflegten Pils oder Radler auszugleichen. Anscheinend muß unser Erscheinungsbild für dieses Cafe nicht standesgemäß gewesen sein, denn wir wurden von der Bedienung platziert und dann ignoriert:(  Für alle Touristen: Cafe „Roter Kater“ zu Kassel, Fulda-Fluss-Kilometer 88,5: Rote Karte! Wir setzten unsere Fahrt daher „trocken“ fort.

Zumindest bis zur nächsten Schleuse. Dort erwischte uns dann der erste und einzige heftige Schauer dieser Tour. Zu alledem war die Schleuse auch noch außer Betrieb. Das bedeutete Umtragen. Mit einem Bootswagen umrundeten wir die Schleusenkammer und schleppten das Gepäck zum erneuten Einstieg. Bei dieser Aktion rollte der mit dem „Long ship“ beladene Wagen Franz über die Zehen:( Zum Glück war der Canadier unbesetzt - ohne Mannschaft und Gepäck - und der Zeh noch dran!

Trotz aller Hindernisse erreichten wir Hann. Münden, ein hübsches Fachwerkstädtchen, aufgeräumt und sauber. Unser gemeinsames Abendbrot nahmen wir ein im Schatten der evangelisch-lutherischen Marktkirche. Es schloss sich ein Spaziergang an zur Stelle des Zusammenflusses von Fulda und Werra, die wir am nächsten Tag passieren sollten. Am dort 1899 aufgestellten Gedenkstein war folgender Spruch zu lesen:

„Wo Werra sich und Fulda küssen

Sie ihre Namen büssen müssen.

Und hier entsteht durch diesen Kuss

Deutsch bis zum Meer der Weser Fluss.“ 

 

*Fotos by Franz Porsche, Reinhard Liebmann, Peter Wendt, Alfred Müller und Mathias Döbbert*


Tag 3 (04.07.2016): Hann. Münden - Oberweser-Gieselwerder (29,4 km)

Heute Morgen war kein Wecker von Nöten. Die Kirchenglocke der St. Aegidius-Kirche vis-a-vis ließ keinen Zweifel daran, welche Stunde uns geschlagen hatte. Das Frühstück wurde in der zum Cafe und Frühstücksraum umfunktionierten Kirche serviert. Derart körperlich und geistig gestärkt erwartete uns hinter der letzten Schleuse die Weser. Die Strömung war stark und so erreichte der Mannschaftscanadier auf dieser Etappe eine Geschwindigkeit von 10,9 km pro Stunde. Klar, dass da die Beiboote nicht mithalten konnten bzw. wollten.

Als unser Rennboot unterwegs jedoch einem Zweier-Canadier begegnete, in dem eine Gitarrenspielerin und Sängerin kunstvoll Country-Lieder zum Besten gab, erfolgte die Bewegung „Paddel flach“ ganz ohne Kommando.

Auch in unserem Quartier am Abend in Gieselwerder sollten wir noch auf ein sangesfreudiges und bei deutschen Volksliedern textsicheres Seniorenpärchen aus Holland treffen.

Kilometer für Kilometer begeisterte die Landschaft des Weserberglandes mit sattem Grün und einem kurvenreichen Streckenverlauf.

Gegen Mittag erreichten wir Bursfelde, welches mit einem evangelischen Kloster aufwarten konnte. Am Ende der Besichtigung dieses Gotteshauses fand sich im Gästebuch sinngemäß folgender Eintrag: „Lieber Gott, wir danken dir, dass wir mit unserem Canadier nicht umgekippt sind. Kanuclub Aken“. Der Autor dieser Zeilen wollte sich jedoch nicht zu erkennen geben.

In Gieselwerder angekommen nutzten Reiner und Mathias die Weser für ein kühles Bad. Anschließend besichtigte die Mannschaft das örtliche Schiffermuseum, wo sich zahlreiche Parallelen zur Elbeschifffahrt in Aken finden ließen. Unter Anleitung unserer Experten erhielt unser Jüngster obendrein einen Grundkurs in der Arbeitsweise eines Schiffsdieselmotors, ein Monstrum von 450 PS, welches in einem Nebengebäude ausgestellt wurde. Schwer beladen mit schifftechnischem Know-how versank dieser Tag alsbald in tiefem Schlaf.    

 

*Fotos by Franz Porsche, Reinhard Liebmann, Peter Wendt, Alfred Müller und Mathias Döbbert*


Tag 4 (05.07.2016): Oberweser-Gieselwerder - Beverungen (25,2 km)

Die Canadiermannschaft begann den nächsten Tag wie immer mit Frühstück in der Pension. Die Wirtin und ihr Gatte waren so sehr bemüht, uns jeden Wunsch von den Lippen abzulesen, dass wir vor Fürsorge kaum zum Essen kamen. Unsere „Camper“ Christa, Uwe und Günther genossen derweil ihr Frühstück romantisch bei Vogelsang am Klapptisch im Freien.

Wir verlassen die Ausläufer der Kasseler Berge und erreichen bei Bad Karlshafen den Solling. In Warmbeck, einem unserer Pausenstopps, begeisterte eine schöne kleine Kirche, an deren Fassade übermannshoch die Hochwasserstand-Markierung von 1943 prangte. Vor und hinter Karlshafen bilden die Berge links und rechts der Weser eine Art Windkanal und heftiger Gegenwind blies einem ins Gesicht.

Kurz darauf erreichten wir Beverungen, das Ziel unserer heutigen Etappe. Ein sehr gepflegtes, frisch gemähtes Kurplatzgelände begrüßte uns und schien „Herzlich Willkommen“ zu rufen. Beverungen, wie die meisten in diesen Tagen besuchten Städtchen entlang von Fulda und Weser entfalten einen symphatischen Kleinstadtcharme mit ihren sauberen Gassen und liebevoll gestalteten Parks, dem man sich kaum entziehen kann. Ein Stadtbummel führte uns zum Hotel-Biergarten „Stadt Bremen“, wo man sein Bierchen umringt von Esel, Hund, Katze und Hahn trinken kann. Am „Alten Fährhaus“ zeugt noch heute ein großes Holzrad vom Fleiß der hiesigen Fährschiffer, die das Fährseil bei Schiffsdurchfahrten per Hand ab- und aufrollen mussten. Die Weser-Fähren werden, wie auch die Akener Fähre, allein durch die Flussströmung angetrieben. Hier jedoch hängen sie an einem über den Fluss gespannten Seil, getragen von jeweils an den Flussufern verankerten Masten. Die Ausrichtung erfolgt durch zwei auf dem Fährseil laufenden Rollen und den Steuerseilen. Die Fährschiffe selbst sind manchmal sogar mit Blumen geschmückt.

In der Nacht tobte ein Sturm über Beverungen hinweg und ließ für den nächsten Tag Schlimmes erwarten. Also beschloss ich (Mathias), die Schildkröte unserer Gruppe,  zeitiger als meine Sportfreunde zu starten. Immerhin hatten wir am Zielort der vierten Strecke pünktlich einen Bus zu erreichen.     

 

*Fotos by Franz Porsche, Reinhard Liebmann, Peter Wendt, Alfred Müller und Mathias Döbbert*


Tag 5 (06.07.2016): Beverungen - Holzminden (26,8 km)

Um 6:00 Uhr legte ich, Mathias, ab und verließ das schlafende Beverungen. Auch meine Sportfreunde starteten heute zeitiger als üblich. Biegung um Biegung trug mich die Strömung durch enge Täler auf den jeweils nächsten Berg zu. Gekonnt schlägt die Weser kurz vor dem Auftreffen auf das vermeintliche Hindernis einen kühnen Haken und ein neues Tal nimmt seinen Anfang. Stets in Sichtweite bleiben die allgegenwärtigen Radfahrer, die dem Weserradweg folgen. In Fürstenberg auf dem Forstingberg thront das Schloss Fürstenberg majestätisch hoch über dem Fluss. Allein die Strömung ist stark und an ein Anlanden am Steg ist nicht zu denken. Nach gut vier Stunden eifriger Paddelei sichte ich den Zielsteg von Holzminden. Wenig später treffen auch die Anderen ein und wir beziehen Quartier, heute einmal getrennt in zwei Pensionen und im örtlichen Kanuclub.

Vom Bahnhof Holzminden aus starten wir mit dem Bus unsere heutige Exkursion zur Firma KWS SAAT SE, einem unserer Sponsoren, nach Einbeck.

Einbeck – wer denkt bei dieser Stadt nicht an das geflügelte Wort: „... ein Einbecker, bitte.“ Vergessen wird dabei der weltweit bekannte Begriff KWS. Hierfür nun die Erklärung: Hinter diesen drei Buchstaben verbirgt sich der weltbekannte und drittgrößte Saatgutzüchter der Welt. Seinen Ursprung hatte der Konzern in Kleinwanzleben bei Magdeburg in Sachsen-Anhalt. Nach dem zweiten Weltkrieg verlegte der Betrieb seinen Stammsitz nach Einbeck in Niedersachsen. Mit weit über 5.000 Mitarbeitern in aller Welt wird ein Umsatz von ca. 1 Mrd. € erreicht. Nahezu 15% des Gewinnes fließen in die Forschung zurück und gewährleisten die führende Position in der Züchtung. Unser Sportfreund Mathias ist Mitarbeiter der Firma. Mit Interesse haben wir einen Vortrag über die Strukturen des Unternehmens verfolgt und an der anschließenden Betriebsbesichtigung teilgenommen. Für den Vortrag und die Führung von Frau Christine Coenen möchten wir uns ganz herzlich bedanken. Schade nur, dass die uns zur Verfügung stehende Zeit knapp bemessen war. Dank auch für das Sponsoring des Kanuclubs Aken. Wir werden stets Fürsprecher der KWS bleiben. Dem Unternehmen wünschen wir weiterhin viel Erfolg auf dem Weltmarkt.

Zurück in Holzminden und gestärkt durch ein anständiges Abendbrot auf der Terrasse des Weserstübchens konnte jeder, der noch nicht müde genug war seiner Nase folgen und die Holzmindener Duftstraße, eine Hommage an die hier beheimatete Duftindustrie, erkunden. Folgte man den farbigen Plastersteinen der Altstadt, so stieß man auf „Duftsäulen“, die jeweils ein anderes Aroma verströmten. Hyazinthen- und Fliederduft waren zu entdecken und auch der Duft von frisch gebackenem Brot kitzelte die Geruchssinne. Tafeln erklärten den Ursprung und gleichzeitig die umliegenden Gebäude. Die Idee ist eine gelungene Marketingaktion der Stadtväter, wodurch sich Holzminden von anderen Städtchen abhebt.

Für alle 18 Duftstationen setzte allerdings die Dämmerung zu früh ein und erinnerte daran, dass morgen ein weiteres Abenteuer auf uns warten würde.    

 

*Fotos by Franz Porsche, Reinhard Liebmann, Peter Wendt, Alfred Müller und Mathias Döbbert*


Tag 6 (07.07.2016): Holzminden - Bodenwerder (31,5 km)

Über ganz Niedersachsen wolkenloser Himmel! Heute stand uns die längste aller Etappen bevor. 31,5 km von Holzminden nach Bodenwerder. Die Weser begrüßte uns am Morgen freundlich, wie an den Tagen zuvor. Sonnencreme mit höchstem Schutzfaktor war aufgetragen und die Reise begann. Auf halber Strecke kommt nach einer wiederholten Biegung der Weser die mittelalterliche Burganlage Polle in Sicht. Sie stellt seit 1996 die Kulisse dar für die Theateraufführungen des Märchenspiels „Aschenputtel“ und gestattet gleichzeitig einen herrlichen Ausblick über das Wesertal.

Im weiteren Verlauf treten allmählich die Berge zurück und die Täler werden breiter. Erste Sandbuhnen schlagen Breschen in die steinige Ufereinfassung und gestatten außerplanmäßige Pausenstops.

 

Abgeschlagen vom Rest der Mannschaft, die Bodenwerder bereits erreicht haben musste, trieb ich (Mathias) mit meiner Maja unserem heutigen Ziel entgegen. Es waren noch 1-2 km zu fahren, als ich plötzlich am Bug einen ziemlich großen Fisch wahrnahm. Der Größe nach zu urteilen, musste es sich um einen kapitalen Wels handeln. Vom Paddeln unter der Hitze ohnehin etwas ermattet, fasste ich einen kühnen Entschluss. Ich griff nach der Bootsleine, befestigte an ihr ein vom Frühstück übrig gebliebenes Schinkenbrötchen und warf dem Fisch den Köder praktisch vor den Schlund. Entweder es funktionierten die Reflexe oder der Schinken muss unwiderstehlich gewesen sein, denn der Wels griff sofort zu. Die Bootsleine straffte sich und mein Kanu wurde mühelos den Rest der Strecke bis nach Bodenwerder hinein gezogen. Vermutlich war das Brötchen nun verdaut, denn die Leine kam schlagartig wieder frei und ich konnte ausgeruht und wie geplant anlanden.

Was sagt ihr? Das gibt's doch gar nicht? Höre ich gar "Lügengeschichte"?

 

In der Tat, aber wen wundert's? Immerhin befanden wir uns jetzt in der Heimatstadt des Barons Münchhausen, des berühmtesten Aufschneiders der Welt! (Käpt'n Blaubär nicht mitgerechnet.) Die Artefakte einiger seiner unglaublichsten Geschichten sind heutzutage in Eisen gegossen und zieren den Stadtbrunnen in der Fußgängerzone und den Stadtpark. Das Geburts- und Wohnhaus des berühmten Adligen, der in Bodenwerder von 1720 bis 1797 lebte, dient der 3.500-Seelen-Stadt als Rathaus und im angrenzenden Münchhausen-Museum wurde uns anschaulich, liebevoll und unterhaltsam der Baron außerhalb seiner Geschichten näher gebracht.

In der Gaststätte "Gulliver's" sollte das gemeinsame Abendessen mit dem "Public Viewing" des Halbfinalspiels unserer Nationalelf ausklingen. Leider war die Sicht auf den Großbildfernseher nicht optimal und so verabschiedete sich alsbald ein Jedermann in sein Quartier, um das Spiel hindernisfrei im Zimmer-TV verfolgen zu können. Allein Jubelschreie waren in dieser Nacht nicht zu vernehmen, die ein friedliches Einschlummern verhindert hätten.    

 

*Fotos by Franz Porsche, Reinhard Liebmann, Peter Wendt, Alfred Müller und Mathias Döbbert*


Tag 7 (08.07.2016): Bodenwerder - Hameln (23,5 km)

Anlässlich der finalen Etappe der Wanderfahrt kleideten wir uns einheitlich in unsere neuen Fulda-Weser-Trikots. Uwe und Günther waren bereits vom Kanuclub Holzminden aus gestartet, eher das "große Boot" noch zu Wasser gelassen worden war. Die erste Rast erfolgte am Weserrastplatz; in Sichtweite das Kernkraftwerks Grohnen. Und da das Gras hier nicht üppiger und grüner war als anderswo, hatte die Nähe des AKW offensichtlich keinen Einfluss auf den Appetit. Bananen schmecken überall. Allein der hellbraune Klärschlamm in den Buhnen hinterließ einen fragwürdigen Nachgeschmack.

Zur zweiten Pause am Rastplatz Emmerthal treffen der C-9 und die Beiboote Helios und Maja wieder aufeinander. Während das 9-MS (Mannesstärken)-„Schnellboot“ zügig den Anlegesteg verlässt, setzen Günther und Mathias nach kurzem Intermezzo die Fahrt in gemächlichem Wanderschleichtempo fort. Bereits einige Kilometer vor der Hamelner Schleuse nimmt die Strömung der Weser rapide ab und kommt anscheinend ganz zum Erliegen. Jeder Kellenschlag fordert Kraft und man paddelt wie in einem See aus klebrigem Gummibärchensaft.

Am Kai des Hamelner Hafens nehmen unterdessen Christa und unser Champion Uwe die "Stadt Aken"-Mannschaft in Empfang. Dreißig Minuten später treffen auch die letzten beiden Beiboote ein, freudig begrüßt von einem stattlichen Empfangskomitee. Helfende Hände packen zu und schnell sind Boote, Gepäck und Mannen geborgen.

Endlich! Das Ziel unserer Reise - Hameln. Den Reichtum der Hansestädter Kaufleute erkennt man noch heute unschwer an üppig verzierten Fassaden mittelalterlicher Fachwerkhäuser im Altstadtkern. Unser Stadtbummel gerät zum Schnelldurchlauf, denn das (zu) zeitige Eintreffen der Taxe veranlasste unbändiges Heimweh nach Frau, Hund, Haus und Hof (hoffentlich stimmt die Reihenfolge) und verursachte hastigen Aufbruch. Wir folgen dem Rattenpfad im Schweinsgalopp; keine Zeit z.B. für's Rattenfänger-Museum oder das Figuren-Uhrenspiel am Rathaus. Doch selbst der flüchtige erste Eindruck weckt Interesse, diese interessante Stadt noch einmal individuell zu erkunden.

 

Nach drei Stunden Reise über den Harz endet die Wanderfahrt wo sie begann - am Bootshaus unseres Vereins - und wo wir freudig begrüßt wurden von einigen unserer daheim gebliebenen Sportfreunde. Selbst die halbe Belegschaft von Woodward war angetreten, uns beim Entladen und Verstauen des 11m-Canadiers zu unterstützen. Vielen Dank, Männer!

 

Manche Erinnerungen werden mit der Zeit verblassen. Übrig bleiben wird jedoch reichlich Gesprächsstoff für lange Winterabende am Kamin im Vereinszimmer. Hoffen wir, dass wir uns auch im nächsten Jahr wieder zu einem neuen Abenteuer zusammen finden.

 

Ein großes "Dankeschön" möchten wir an dieser Stelle vor allem Franz Porsche sagen, der diese Fahrt durch akribische Planung, Abstimmung, Fleiß und Organisationstalent erst möglich machte.

  

*Fotos by Franz Porsche, Reinhard Liebmann, Peter Wendt, Alfred Müller und Mathias Döbbert*


Die kulturellen Highlights der Fahrt

präsentiert uns Touren-Scout (Eventmanager) Franz Porsche:

26.07.2016

 

Die diesjährige Fahrt mit unserem 9- Canadier "Stadt Aken" auf der Fulda und Weser beginnt in Kassel und endet in Hameln. Während unserer Fahrten spielt nicht nur die sportliche Leistung eine Rolle, sondern auch die kulturelle und landschaftliche Attraktivität der Gegenden, durch die wir fahren. 

 

Noch bevor wir starten, sind wir auf die Sehenswürdigkeiten, die uns im Welterbe Bergpark Wilhelmshöhe in Kassel (Herkules, Löwenburg, Schloss Wilhelmshöhe,Wasserspiele u.a.) erwarten, sehr gespannt. 

 

Nach unserem Start am 03.07.16 vom Casseler Kanuclub e.V. können wir nochmal die historische Kasseler Stadtschleuse, die in diesem Jahr für immer stillgelegt wird, bewundern. Sie galt als Tor zur Stadt auf dem Wasserweg und gehörte Anfang des 20. Jahrhunderts auch zu einem Plan im Kampf gegen das Hochwasser. In Hann. Münden werden wir am Abend voraussichtlich noch eine kleine Stadtbesichtigung zum Rathausplatz, Werrabrücke, Weserstein, Mühlenbrücke und Welfenschloss unternehmen. 

 

Unsere 2. Etappe führt uns am 04.07.16 nach Gieselwerder, als "Schneewittchendorf" an der Deutschen Märchenstrasse bekannt. Rund um die ehemalige Wasserburg, dem Gelände des heutigen Rathauses, gruppieren sich historische Fachwerkhäuser und moderne

Neubauten. 

 

Während unserer 3. Etappe am 05.07.16 nach Beverungen werden wir uns in der Mittagspause in Bad Karlshafen einen Teil der barocken Stadtanlage ansehen (z.B. das direkt am historischen Hafenbecken gelegene Pack- und Lagerhaus (heute Rathaus). 

 

Die 4. Etappe am 06.07.16 führt uns nach Holzminden. Auf dieser Fahrt kommen wir am Kloster Corvey in Höxter vorbei. Dieses

Kloster wurde im Juni 2014 von der UNESCO unter dem offiziellen Titel: "Das Karolingische Westwerk und die Civitas Corvey" zum Weltkulturerbe ernannt. Nach unserer Ankunft in Holzminden müssen wir schnell unser Quartier beziehen, da wir von unserem langjährigen Besatzungsmitglied unseres Bootes, Mathias Döbbert, zu einer Betriebsbesichtigung  im Hauptbetrieb von KWS in Einbeck eingeladen wurden, in dem er als Wissenschaftler arbeitet. KWS zählt zu den weltweit führenden Saatgutherstellern mit 65 Tochter– und Beteiligungsgesellschaften in mehr als 70 Ländern und einem Umsatz von fast einer Milliarde Euro. Die KWS SAAT SE (KWS, abgeleitet von "Klein Wanzlebener Saatgut") wurde vor fast 160 Jahren in Klein Wanzleben bei Magdeburg als Familienbetrieb gegründet und ist heute u.a. ein Sponsor unseres Vereins.

 

Während unserer Fahrt am 07.07.16 nach Bodenwerder kommen wir an dem schönen Schifferdörfchen Heinsen vorbei. Hier lohnt es sich, das Dorf anzusehen. In Bodenwerder, der Heimatstadt von Baron Münchhausen, werden wir uns bei einem abendlichen Rundgang die Stadtkirche St. Nicolai, die mittelalterliche Stadtbefestigung (Bastion und Torturm), den Münchhausenbrunnen und das Rathaus ansehen.

 

Die letzte Etappe führt uns am 08.07.16 nach Hameln. Hier werden wir vor unserer Abreise nach Aken, nach Möglichkeit noch die Pfortmühle, das Rattenfängerhaus, die Marktkirche St. Nicolai, die Garnisonskirche und das Münster St.Bonifatius besichtigen.

 

Für unsere Fahrt wünschen wir uns gutes Gelingen, herrliches Wetter und viele schöne Eindrücke von Land und Leuten. 

 


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Kommentare: 1
  • #1

    Renate Döbbert (Mittwoch, 14 Dezember 2016 15:09)

    Meine Aufgabe als "Rätseltester" hat mich veranlaßt, die gesamte Reise Fulda-Werra-Weser eingehend zu studieren. Ich muß sagen, ich war begeistert und gleichzeitig ein bißchen wehmütig, nicht selbst all die schönen Landschaften sehen und Sehenswürdigkeiten besuchen zu können. Seid dankbar für diese schönen Erlebnisse, um die Euch viele Menschen beneiden würden. Ich bin gespannt, von der nächsten Tour im Jahr 2017 lesen zu können.
    Also, allzeit gute Fahrt.