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Sonne Satt Sommertour Tag 4

von Mathias Döbbert

Tag4: Camp Eden – Campingplatz Zeestow

Hurra, ich bin ein Camper. Ich liege in meinem Zelt, die Sonne scheint bereits. Kein Wecker weckt mich, sondern das Singen der Vögel. Ist eher das Gurren der Tauben, aber sei's drum. Das Abbauen des Lagers und das Packen will noch geübt sein. Nach dem Frühstück an einer rustikalen Sitzbank geht die Reise weiter. Das Schattenhaschen klappt heute viel besser. Die Havel ist windungsreich und von hohen Bäumen und Buschwerk gesäumt. Noch ist es still.

Das Schattenhaschen klappt heute viel besser. Die Havel ist windungsreich und von hohen Bäumen und Buschwerk gesäumt. Noch ist es still. Erste Berufsschiffer tauchen auf. Ihre Kähne haben teilweise ordentlich Tiefgang. Ein Schwanenpaar zieht balzend vorüber und plötzlich erhebt sich ein lautstarkes Geschnatter. Eine Ente wird aus einer Gruppe vertrieben und beschwert sich seinerseits. Handelt es sich um einen aufdringlichen Erpel oder um das hässliche Entlein, welches ob seiner Andersartigkeit ausgegrenzt wird?
Trotz konsequenter Schattenausbeutung stellt sich bald Durst ein. Ich greife hinter mich und muss mit Erschrecken feststellen, die Reisetrinkflasche liegt in der Kühlbox im Bug. Ohne Anhalten ist ein Rankommen unmöglich. Die Havel wirkt urig und naturbelassen. Bei genauerem Hinsehen aber ist sie Befestigt wie ein Kanal. Steinige Ufer machen ein Anlanden schwierig bis unmöglich. Ich stehe vor der Frage: Weiterfahren oder Verdursten? Ich verkneife mich das Trinken und paddle trotzig weiter, immer Ausschau haltend nach einer seichten Stelle.

Das Frühstück hat obendrein offenbart, wie schlecht es um meine Vorräte bestellt ist. Nur noch 2 Fläschchen Wasser sind übrig, kaum Vitamine, kein Brot, nur Käse, Eier und Knacker, China-Nudeln, dafür Zucker in ausreichender Menge in Form Müsliriegel, Schokoriegel, Waffeln und Konfitüre. Über den Tag komme ich damit noch, aber ich muss schleunigst für Nachschub sorgen.

 


Gegen 11:00 löst sich elegant das Problem mit der Wasserflasche. Ich stoße auf eine Gruppe Paddler; übrigens die einzigen Kanuten an diesem Tag. Ich steuere das langsamste Boot an, wie der Löwe das schwächste Kalb der Beuteherde. Die Sportfreunde aus Potsdam sind freundlich und hilfsbereit. Ich gehe längsseits und man angelt die Flasche aus der Kühlbox und reicht sie mir nach hinten. Gerettet. Zehn Sekunden später ist nur noch 1 Flasche Rest-Wasser vorhanden. Auch die Potsdamer scheinen an Versorgung interessiert und fragen nach Supermärkten entlang der Strecke. Ich muss sie leider enttäuschen und sehe auch für meine Zukunft schwarz. Nach täglich über dreißig Paddelkilometern muss ich froh sein, wenn auf dem Campingplatz am Abend noch eine Gaststätte geöffnet hat.
Ab halb zwölf ist auch der letzte Motorbootfahrer erwacht. Die Boote, z.T. riesige Kreuzer die einer Atlantikküste würdig sind, kommen im Minutentakt. Die Havel ist ein super Paddelrevier, wären da nicht die Motoryachten, Motorboote, Speedboote, die Motor-Schlauchboote der Angler, die mit Motor fahrenden Segelboote, Hausboote, die Ausflugsdampfer und die Berufsschifffahrt. Letztere ist wie gesagt das kleinste Übel. Der Lärmpegel ist erheblich und reißt auch keine Minute ab. Urlaub auf dem Rasenmäher! Ich hüpfe über die Bugwellen und pariere die Heckwellen. An Vortrieb ist nicht zu denken. Die üble Heckwelle eines Rasers erwischt mich breitseits und schwappt natürlich auf der Fahrerseite über die Dollbordleiste ins Kanu. Da sitze ich nun mit nassem Hosenboden und meine Meinung über Motorbootfahrer wird um kein Jota besser.


Ich bemerke an einer Ausbuchtung eine Badestelle und einige Häuser dahinter. Da könnte es Lebensmittel geben und Anladen gelingt dort auch. Das Anlanden klapp. Der Lebensmittelladen hat letztes Jahr geschlossen, verkündet mir ein Pärchen Radwanderer. Ich denke, ein Bad bei der Hitze kann nicht schaden und ein Mittagessen ist ebenfalls überfällig. Die letzten Nudeln müssen dran glauben. Wieder erweist sich der Kocher als wertvolle Investition.
Ich passiere die fette Elke und dann bin ich am für seinen Wellengang berüchtigten und gefürchteten Trebelsee. Heute allerdings ist er dank Windstille ruhig und harmlos. Die einzigen Wellen stammen vom Dauerverkehr auf der Wasserstaße.


Nach weiteren acht Kilometern verlasse ich endlich die Hauptverkehrsader und biege in den Havelkanal ein. Zehn Kilometer Kanalfahren stehen an. Der Lichtblick: Kaum mehr Motorboote auf dieser Strecke. Die Schatten werden länger, die Hitze läßt nach. Ich kann mich der Schutzkleidung entledigen und genieße diese Freiheit. Die nassen Klamotten bedürfen der Pflege und die restlichen Sonnenstrahlen nutzend wird das Oberdeck von MAJA zum Trockendeck.

Ich forciere mein Vorwärtskommen durch Power-Paddling. Acht Kilometer in 2:20 h. Nicht schlecht für ´nen alternden Stechpaddler unter Volllast!

Danach schleiche ich mich an den Campingplatz Zeestow heran. Ein Anlanden ist nicht vorgesehen. Ich finde einen kleinen privaten Angelsteg und bitte auf dem Zeltplatz um Asyl. Zeltplatz ist ohnehin nicht das richtige Wort. Einzig Wohnwagen und Wohnmobile stehen hier. Dauercamper haben sich häuslich eingerichtet – Wochenenddomizil bewacht von Gartenzwergen. Mein Zelt wird das Einzige auf diesem Platz sein. Ich darf die Sanitäranlagen nebst Dusche benutzen. Die Küche der Gaststätte hat bereits geschlossen. Also letzte Reserven angreifen und für Auffrischung sorgen. Aber dass erst morgen, denn heute ist es schon viel zu spät.

Nilgans
Nilgans


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Kommentare: 1
  • #1

    Karlheinzschulze (Donnerstag, 26 Juli 2018 21:39)

    Freue mich schon auf Tag 5 .

    Gruß dein Sportsfreund Karl Heinz und Birgit